Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

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Moderator: StefanK

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Christoph Gerber
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Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Christoph Gerber »

Die noch recht dicke Mondsichel steht heute etwa 60° von der Sonne entfernt. Sonniger Himmel verleitete mich dazu, mal zu sehen, wo denn der Jupiter überhaupt steht. Kurz in Stellarium nachgeschaut, Ergebnis: Sonne – 29° – Jupiter – 34° Mond. Also sollte sich Jupiter mit dem Fernglas relativ leicht auffinden lassen. Nachdem erste Versuche scheiterten (zunächst Cirren, dann Abstände vertauscht...), aber mit dem richtigen (Sonnen-)Abstand dann schnell mit 12x60 gefunden (12:15 MESZ). Überraschenderweise dann Jupiter auch mit dem bloßen Auge gesichtet, und zwar mehrmals sicher! (und wie stets: mit den Haseltrieben im Vordergrund als Anhaltspunkt!) Das hätte ich nicht erwartet – die Elongation des Jupiters beträgt nur 29.0° (Höhe immerhin noch 56.5°; Helligkeit: -1.8 mag, lt. stellarium reduziert durch Extinktion auf -1.6 mag).
Danach mit dem Fernglas zunächst nicht wiedergefunden und schon befürchtet, einer schwebenden Samenkapsel aufgesessen zu sein (das war in einem Versuch davor der Fall!), aber dann war er doch wieder im Blickfeld. Und nochmals mit bloßem Auge gesichtet. Dann den Foto geholt, aber nun den Jupiter endgültig nicht wiedergefunden...

Überrascht hat mich doch, den Jupiter freiäugig noch so nahe an der Sonne zu erfassen. Aber es ist nicht das erste Mal. Im März 2023 hatte ich ihn bei Elongationen von 24° und 31° gesichtet. Die heutige liegt dazwischen, ist aber die zweitnächste zur Sonne (eine Sichtung im September 2015 mit einer Elong. von 25° war grenzwertig). (S. hierzu die Tabelle in https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&t=61884)

Also: es geht! Morgen (7.9.) ist der Mond 19° vom Jupiter entfernt, übermorgen (8.9.) nur noch 5° (da sollte die Mondsichel noch gut erkennbar sein). Am 9.9. beträgt die Elongation des Mondes nur noch 22°, womit er nicht mehr als Aufsuchhilfe dienen kann.

Gruß aus HD,
Christoph
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Christoph Gerber
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Christoph Gerber »

Am Dienstag (8.9.) habe ich auch eine neue Erfahrung gemacht: Der Mond stand nur 5.5° "vor" (westlich) Jupiter, aber mir gelang es nicht, ihn am aufgehellten (leicht weißlich-blauen statt tiefblauem) Himmel mit 12x60 zu finden. Nach (sehr) langer Suche hatte ich ihn nur 2x ganz kurz erfasst (gegen 12:20 MESZ). Später beim Verschwinden hinter den Bäumen am Hang hatte ich es noch einmal versucht (gegen 14:55 MESZ): Da die Bäume hier deutlich weiter weg sind, hatte ich gehofft, ihn endlich gut zu erwischen. Trotz guter Loklalisierungsmöglichkeiten war das Ergebnis dasselbe. Was ist passiert? Mein Fazit: Die Blässe der Jupiterscheibe kombiniert mit dem hellen Himmel führen dazu, dass man Jupiter nicht sieht, auch wenn er im Blickfeld ist! Erst wenn er zufällig direkt angeschaut wird, man also direkt über ihn "stolpert", ist er sichtbar – um dann gleich wieder zu verschwinden. Das war das Paradoxe: ich wusste, wo ich hinschauen musste, konnte ihn aber nicht sehen, obwohl ich ihn Augenblicke vorher gesichtet hatte. Offenbar reicht es aus ihn zu verfehlen, wenn man nur wenige Bogenminuten daneben schaut!
Und zweitens: durch den fehlenden Kontrast spielt offenbar auch das Fokussierungsproblem des Auges eine Rolle.

Gruß aus HD,
Christoph
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Christoph Gerber
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Christoph Gerber »

Morgen (6.10.) gegen Mittag steht der Mond unmittelbar neben dem Jupiter – eine einzigartige Gelegenheit, Jupiter mal am Tage zu sichten:
6.10. um 12:30 MESZ (stellarium)
6.10. um 12:30 MESZ (stellarium)
Mit dem Fernglas sollte es keine Probleme geben, ein Versuch mit dem bloßen Auge ist bei klarem Himmel unbedingt zu versuchen!

Heute (5.10.) habe ich Jupiter mit dem Fernglas problemlos auffinden können (10:00; 10:55 MESZ); mit bloßem Auge zwar auch gesichtet, aber äußerst schwierig und grenzwertig.
Dafür gab es heute ein Schmankerl: Der Mars unmittelbar beim Mond.

Gruß aus HD,
Christoph
Wolfgang Speckert
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Wolfgang Speckert »

Ich habe ihn auch gesehen.

Heute, erstmals geschaut ca. 11:30 MESZ. Mit dem Fernglas (8 x 30) schnell und gut auszumachen.
Ich habe dann immer mal wieder so alle 20 bis 30 min. geschaut.
Um 13:20 Uhr habe ich ihn aber nicht mehr wiedergefunden. Obwohl der Himmel rund um den Mond gefühlt tiefblauer wurde.
Mit bloßem Auge hatte ich keinerlei Chance.

Ich war dann doch aber erstaunt, wie schnell der Jupiter relativ zum Mond weiterzieht.
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Elmar Schmidt
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Elmar Schmidt »

Hallo,

und erst einmal danke für den Hinweis, lieber Christoph.

Ich konnte heute (6.10.26) kurz nach 13:00 MESZ von unterwegs bei Eppingen nach den beiden schauen. Im 6,5x21 war der Mond (-8,2 mag) sofort ausgemacht, und mit dem bloßen Auge sowieso. Bis ich Jupiter im Fernglas entdeckte (ich wußte nicht mehr, wo er stehen sollte), dauerte es etwas, er war dann aber ganz unschwierig, sogar mit Scheibchenanmutung. Mit bloßen Augen würde ich eine als absolut grenzwertig zu bezeichende Sichtung berichten. Es war aber schon mein Eindruck, daß Jupiter zwei-, dreimal an seiner Stelle aufkam. Ohne den Mond als Wegweiser und Jupiters relative Position halte ich so etwas selbst am heute wolkenlosen Blauhimmel für ausgeschlossen.

Mein Rechenwerk, auf einer gut halbstündig späteren Nachmessung der Himmelsleuchtdichte des Bereichs basierend (3100 cd/m^2), liefert mit der extingierten Magnitude -1,76 des 38 Grad hoch und 53 Grad von der Sonne stehenden Riesenplaneten ein S/N von 0,13 (knapp Eins zu Acht ). So ein kleines hatte ich noch nie, weshalb ich auf Christophs Bericht gespannt bin.

In der (vergeblichen) Hoffnung auf mehr Kontrast habe ich übrigens noch meine recht dunkle Sonnenbrille eingesetzt. Mit ihr war Jupiter schon im Fernglas schwierig, weshalb ich keinen längeren Freisichtigkeitsversuch mehr machte.

Gruß, Elmar
Zuletzt geändert von Elmar Schmidt am 6. Okt 2026, 14:41, insgesamt 2-mal geändert.
CHnuschti
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von CHnuschti »

Hab in Zürich auch draufgehalten. Bei top Bedingungen, klasse Klarheit.
War doch erstaunt wie leicht das ging im 8x42 von 9-13, einmal am Mond fokussiert. Hatte schon mehrere Übungen mit Teleskop tagsüber, wo sobald nur bissel Cirren da sind, das relativ schnell ungünstig/schwierig wird. Eben um 16 ein Tick schwieriger, als es gegen den Horizontdunst zuging.

Empfehle weiterhin Venus am Taghimmel mitm Fernglas. Die Grösse ist z.Zt fast 2x so viel wie der Jupiter eben.

Gruss
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Christoph Gerber
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Christoph Gerber »

Hallo miteinander,

hier in Heidelberg war der Himmel heute zwar blau, aber nicht mehr so klar wie gestern. Ich hatte schon vor Dämmerungsbeginn das Paar am Nachthimmel gesehen. Tagsüber dann verschiedene Versuche unternommen (10:00–10:15, 11:05, 12:20, 12:35, 13:00 MESZ letzter Versuch). Mit dem Fernglas (12x60) war es überhaupt kein Problem, Jupiter zu finden – war der Mond im Gesichtsfeld, stand Jupiter auch schon da (zumindest wenn man wusste, wo der vom Mond aus stand). Mit bloßem Auge war es heute stets eine grenzwertige Angelegeneheit. Trotz Mondnähe "ploppte" Jupiter zu keinem Zeitpunkt auf. Aber wiederholt habe ich heute erneut die Erfahrung gemacht, dass Jupiter unmittelbar nach dem Absetzen des Fernglases klar zu sehen war, um im selben Moment wieder zu verschwinden. Ansonsten hob er sich nicht vom "Hintergrundrauschen" ab: hin und wieder meinte ich, ihn für einen Augen-Blick erwischt zu haben, aber ihn etwas länger zu "halten" gelang mir nur einmal. Im "Rauschen" erschienen manchmal auch falsche Jupiters für einen Augenblick (an einem falschen Ort). Am ehesten war Jupiter noch zur Zeit der Konjunktion zu erkennen (12:20); weiter weg vom Mond war es doch schwierig, den genauen Ort des Jupiters mit freiem Auge zu bestimmen.
Die Schwierigkeit, den Jupiter nur so schwer erfassen zu können, dürfte v.a. an der nicht ganz sauberen Luft gelegen haben. Vormittags gegen 11:00 fiel mir auf, dass der horizontnahe Bereich des Himmels im SO (unterhalb der Sonne) heute blendend war – offenbar war doch so einiges an Aerosolen in der Luft. Am Nachmittag kamen sich bildende Wolken-Schwaden hinzu, so dass auch Venus heute (14:20 MESZ) nicht besser als Jupiter zu sehen war: Aufblitzen bei Absetzen des Fernglases, um dann wieder in der Unsichtbarkeit zu verschwinden...

Gruß aus HD,
Christoph
10:48 MESZ (mit 200mm-Tele) (Hjup: 54°)
10:48 MESZ (mit 200mm-Tele) (Hjup: 54°)
12:21MESZ (mit 200mm-Tele) (Hjup: 45°)
12:21MESZ (mit 200mm-Tele) (Hjup: 45°)
13:02 MESZ (mit 200mm-Tele) (Hjup:39°)
13:02 MESZ (mit 200mm-Tele) (Hjup:39°)
13:55 MESZ (mit 80mm-Tele) (Hjup: 31°)
13:55 MESZ (mit 80mm-Tele) (Hjup: 31°)
Das 80mm-Tele ist sehr grenzwertig – auf nur einer von 10 Aufnahmen war Jupiter zu "entdecken". Das entpricht in etwa der Erfahrung mit dem bloßen Auge heute...
Auf den Fotos kann man übrigens erkennen, wie die Helligkeit vom Jupiter mit sinkender Höhe abnimmt... (lt. stellarium fiel die extinktionskorrigierte Helligkeit in diesem Zeitraum "nur" um 0.13 mag: von -1.64 auf -1.51 mag – auf den Fotos sieht es nach deutlich mehr aus...!)
Wolfgang Speckert
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Wolfgang Speckert »

Da ich mit keinerlei halbprofessionellem Gerät ausgestattet bin, habe ich dennoch mal mit meiner bestimmt 20 Jahre alten Casio Exilim EX-P600 draufgehalten. Vom letzten Gebrauch, vermutlich Sonnenfinsternis 12. August, war noch Restakku vorhanden. Dummerweise hatte sich die Kamera von da noch ASA 100 gemerkt, was mir erst später aufgefallen ist.

So oder so wäre vielleicht nix von Jupiter zu sehen, weil das im allgemeinen Rauschen untergeht. Mit viel Phantasie könnte ich noch eine Stelle ausfindig machen, die diffus auf Jupiter hinweisen könnte. Visuell hatte ich einen Moment auch den Eindruck, einen diffusen Fleck wahrzunehmen, was allerdings nicht so hochgradig verwunderlich wäre, da ich eigentlich Brillenträger bin, aber seit 9 Jahren keine Brille oder sonstigen Hilfsmittel mehr trage.

Mit 2112 x 2816 Pixeln aufgenommen, 4fach-Zoom, 35mm-Brennweite: 132, hier ein unverkleinerter Ausschnitt 374 x 643, Blende 3,0
Aufnahmezeit: grob ca. 12:06 Uhr MESZ
Mond_bei_Jupiter.png
Vielleicht entdeckt ja jemand darauf Jupiter... :roll:
Wolfgang Speckert
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Wolfgang Speckert »

Danke nochmals, Christoph, für Deinen Hinweis.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich "Hjup"?

Gruß
Wolfgang
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Christoph Gerber
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Christoph Gerber »

Hjup = Höhe des Jupiter (über dem Horizont) – ich ging davon aus, das sich das aus dem Zusammenhang ergeben würde - sorry!

Gruß aus HD,
Christoph
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Christoph Gerber
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Re: Jupiter am Tageshimmel (Herbst 2026)

Beitrag von Christoph Gerber »

Jetzt ist es wieder so weit: Der Mond nähert sich erneut dem Jupiter. Vor Tagesanbruch (5:00 MEZ) konnte ich die durchaus beeindruckende Konstellation Mars-Jupiter-Regulus bestaunen. Die Entfernung Mond-Jupiter schätzte ich zu etwa 35°. Morgens dann (8:10–8:15 MEZ) nutzte ich die Gelegenheit, nach Jupiter zu schauen. Entfernung vom Mond Richtung Sonne angepeilt, mich so positioniert, dass Jupiter über den Haseltrieben stehen sollte – und gleich (!) mit 12x60 gefunden. Nach etwas Suchen mit bloßem Auge dann auch den Jupiter schön deutlich und konstant gesichtet.
Die Daten: Entfernung Mond-Jupiter: 37°
Jupiter: Helligkeit -2.0 mag (durch Extinktion -1.8 mag), Höhe 54°, Elongation von der Sonne: 74° (Daten nach stellarium).

Morgen (1.11.) beträgt die distanz Mond-Jupiter 22°, übermorgen 9° (westl.) und am 3.11. 5° (östlich). Diese Konstellation sollte man am dunklen Morgenhimmel nicht verpassen: Mond bei Regulus und dazu Jupiter fast genau in der Mitte zwischen Mars und diesem Paar!

Leider ist gegen mittag hier in Heidelberg die Hochnebeldecke aus Osten angekommen, so dass jetzt nur noch klare Sicht über den Wolken herrscht. In den kommenden Tagen scheint es keine Besserung zu geben. Damit hat wohl der "trübe November" bereits heute begonnen...

Gruß aus HD,
Christoph


NACHTRAG am 1.11.: Wider erwarten war der Morgen heute wieder wolkenlos, so dass ich die Gelegenheit nutzte, nochmals mit bloßem Auge nach Jupiter zu schauen (der richtige Standort war von gestern bekannt). Gegen 8:40 MEZ habe ich ihn einmal kurz klar und deutlich sehen können – nachdem vermutlich ein Meteor knapp am Jupiter vorbeiflog. Bis zu seinem Verschwinden hinter den Bäumen am Hang um 10:30 MEZ habe ich verschiedentlich versucht, ihn mit BA aufzuspüren, allerdings erfolglos. Lediglich gegen 10:25 war er nochmals für einige Augenblicke deutlich zu erkennen, um dann wieder zu verschwinden – ein Phänomen, dass ich schon mehrmals hatte (evtl. doch ein Fokussierungsproblem?).
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