2 helle Kometen im April?
Moderator: StefanK
- Christoph Gerber
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2 helle Kometen im April?
Vor einem Jahr (Mitte Januar 2025) zog der letzte (sehr) helle Komet seine Bahn um die Sonne. Im kommenden April werden wieder zwei helle Gäste erwartet – allerdings verläuft ihre Bahn so ungünstig, dass sie selbst um das Perihel herum, wenn sie am hellsten sind, bei uns nicht sichtbar sein werden.
Der erste der beiden wurde bereits vergangenes Jahr entdeckt: C/2025 R3 (PANSTARRS). Seine Bahn ist mit 125° Neigung stark gegen die Erdbahnebene geneigt. Er wandert daher nach seinem Perihel steil nach Süden und wird von unseren Breiten aus nicht (mehr) sichtbar sein. Da er am 24. April 2026 jedoch fast genau zwischen Sonne und Erde vorbeiziehen wird (nur 6° Sonnenabstand), wird er stark vom Effekt der Vorwärtsstreuung profitieren: statt der erwarteten maximalen Helligkeit von +2.5 mag könnte er auf -2.5 mag kommen (so die aktuelle Helligkeitsprognose von van Buitenen). Er müsste jedoch noch heller werden, um am Tage sichtbar zu sein – die einzige Möglichkeit, ihn von unseren Breiten aus zu sehen. Da Kometenhelligkeiten sehr schwer vorherzusagen sind, bleibt abzuwarten, was wir tatsächlich geliefert bekommen. Die beiden „Tageskometen“ 2024/2025 brachten es auf etwa -4.0 mag in unmittelbarer Sonnennähe, für eine Tagessichtbarkeit (mit bloßem Auge) hat es jedoch nicht gereicht.
Der zweite helle Komet im Anmarsch ist ein ganz besonderer Brocken: C/2026 A1 (MAPS) ist ein „Sonnenkratzer“ der sog. Kreutz-Gruppe, der am 4. April 2026 sehr knapp über die Sonnenoberfläche „kratzen“ wird – wenn er es bis dahin durchhält und sich nicht vorher auflöst. Das Besondere an diesem Kreutz-Kometen ist, dass er – als einziger bisher! – schon sehr weit von der Sonne entfernt entdeckt wurde (und sich nicht im Ausbruch befand, wie es bei C/2024 S1 ATLAS der Fall war). Somit liegen keine Erfahrungen zur Entwicklung seiner Helligkeit vor. Kreutzkometen wurden bisher oft erst nach ihrer Sonnennähe entdeckt: ihr Kern löste sich durch die extreme Hitze völlig auf, so dass sie als „Kopflose“ Kometen erschienen. Der letzte spektakuläre dieser Kometen war der „Weihnachtskomet“ 2011 (C/2011 W3 Lovejoy), der den Ritt durch die Sonnenatmosphäre überraschenderweise überstanden hatte, sich danach aber auflöste und einen spektakulären Schweif hervorbrachte. Der neue Kreutzkomet könnte eine ähnliche Show wie Lovejoy liefern. Auch er wird z.Z. mit einer Maximalhelligkeit von -3.4 mag geführt. Da aber der genaue Abstand zur Sonnenoberfläche noch nicht so genau bekannt ist, sind auch die Helligkeitsangaben unsicher. Sicher ist dagegen der Bahnverlauf – und da zeigt sich, dass er während der größten Annäherung hinter der Sonne stehen wird, so dass er dann gar nicht beobachtbar sein wird. Aber die Erfahrung mit Lovejoy hat gezeigt, dass zu diesem Zeitpunkt (bei extremer Nähe zur Sonnenoberfläche) sich gar kein Schweif bilden kann, sondern dieser sich erst Stunden(?) nach dem Perihel wieder entwickelt – aus den Trümmern bzw. Resten des Kernes, die den Höllenritt überstanden haben. Größere Entfernungen zur Sonnenoberfläche könnten eine spektakuläre Show à la Ikeya-Seki 1965 bieten – aber MAPS wird der Sonne deutlich näher kommen. Auch hier bleibt abzuwarten, was uns am Himmel geboten wird. Und wie bei allen Kreutzkometen: mit einer Neigung von 144° ist er nur in unmittelbarer Sonnennähe nördlich der Ekliptik und bleibt daher von unseren Breiten aus so gut wie unsichtbar. Und noch eines scheint absehbar: trotz seiner möglichen großen Helligkeit erreicht er vor/nach seiner Sonnennähe nicht einmal +6 mag, wäre also nicht einmal am dunklen Nachthimmel mit bloßem Auge sichtbar!
Da beide Kometen so nahe an die Sonne herankommen, bleiben sie unsichtbar – aber sie können sehr gut auf den Coronographen-Satelliten SOHO LASCO C3 quasi in Realzeit verfolgt werden – ganz entspannt und ohne Gefährdung für die Augen durch die Sonne.
Links zu weiteren Infos:
Infos von Daniel Fischer auf cosmos4u (zur Bahn um und hinter der Sonne)
Bahn am Himmel und Vergleiche mit früheren Kreutzkometen auf der VdS-Seite
Gruß aus HD,
Christoph
Der erste der beiden wurde bereits vergangenes Jahr entdeckt: C/2025 R3 (PANSTARRS). Seine Bahn ist mit 125° Neigung stark gegen die Erdbahnebene geneigt. Er wandert daher nach seinem Perihel steil nach Süden und wird von unseren Breiten aus nicht (mehr) sichtbar sein. Da er am 24. April 2026 jedoch fast genau zwischen Sonne und Erde vorbeiziehen wird (nur 6° Sonnenabstand), wird er stark vom Effekt der Vorwärtsstreuung profitieren: statt der erwarteten maximalen Helligkeit von +2.5 mag könnte er auf -2.5 mag kommen (so die aktuelle Helligkeitsprognose von van Buitenen). Er müsste jedoch noch heller werden, um am Tage sichtbar zu sein – die einzige Möglichkeit, ihn von unseren Breiten aus zu sehen. Da Kometenhelligkeiten sehr schwer vorherzusagen sind, bleibt abzuwarten, was wir tatsächlich geliefert bekommen. Die beiden „Tageskometen“ 2024/2025 brachten es auf etwa -4.0 mag in unmittelbarer Sonnennähe, für eine Tagessichtbarkeit (mit bloßem Auge) hat es jedoch nicht gereicht.
Der zweite helle Komet im Anmarsch ist ein ganz besonderer Brocken: C/2026 A1 (MAPS) ist ein „Sonnenkratzer“ der sog. Kreutz-Gruppe, der am 4. April 2026 sehr knapp über die Sonnenoberfläche „kratzen“ wird – wenn er es bis dahin durchhält und sich nicht vorher auflöst. Das Besondere an diesem Kreutz-Kometen ist, dass er – als einziger bisher! – schon sehr weit von der Sonne entfernt entdeckt wurde (und sich nicht im Ausbruch befand, wie es bei C/2024 S1 ATLAS der Fall war). Somit liegen keine Erfahrungen zur Entwicklung seiner Helligkeit vor. Kreutzkometen wurden bisher oft erst nach ihrer Sonnennähe entdeckt: ihr Kern löste sich durch die extreme Hitze völlig auf, so dass sie als „Kopflose“ Kometen erschienen. Der letzte spektakuläre dieser Kometen war der „Weihnachtskomet“ 2011 (C/2011 W3 Lovejoy), der den Ritt durch die Sonnenatmosphäre überraschenderweise überstanden hatte, sich danach aber auflöste und einen spektakulären Schweif hervorbrachte. Der neue Kreutzkomet könnte eine ähnliche Show wie Lovejoy liefern. Auch er wird z.Z. mit einer Maximalhelligkeit von -3.4 mag geführt. Da aber der genaue Abstand zur Sonnenoberfläche noch nicht so genau bekannt ist, sind auch die Helligkeitsangaben unsicher. Sicher ist dagegen der Bahnverlauf – und da zeigt sich, dass er während der größten Annäherung hinter der Sonne stehen wird, so dass er dann gar nicht beobachtbar sein wird. Aber die Erfahrung mit Lovejoy hat gezeigt, dass zu diesem Zeitpunkt (bei extremer Nähe zur Sonnenoberfläche) sich gar kein Schweif bilden kann, sondern dieser sich erst Stunden(?) nach dem Perihel wieder entwickelt – aus den Trümmern bzw. Resten des Kernes, die den Höllenritt überstanden haben. Größere Entfernungen zur Sonnenoberfläche könnten eine spektakuläre Show à la Ikeya-Seki 1965 bieten – aber MAPS wird der Sonne deutlich näher kommen. Auch hier bleibt abzuwarten, was uns am Himmel geboten wird. Und wie bei allen Kreutzkometen: mit einer Neigung von 144° ist er nur in unmittelbarer Sonnennähe nördlich der Ekliptik und bleibt daher von unseren Breiten aus so gut wie unsichtbar. Und noch eines scheint absehbar: trotz seiner möglichen großen Helligkeit erreicht er vor/nach seiner Sonnennähe nicht einmal +6 mag, wäre also nicht einmal am dunklen Nachthimmel mit bloßem Auge sichtbar!
Da beide Kometen so nahe an die Sonne herankommen, bleiben sie unsichtbar – aber sie können sehr gut auf den Coronographen-Satelliten SOHO LASCO C3 quasi in Realzeit verfolgt werden – ganz entspannt und ohne Gefährdung für die Augen durch die Sonne.
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Christoph
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Zum Kreutz-Kometen C/2026 A1 (MAPS)
Zum neuen Kreutz-Kometen (MAPS), der am 4. April über die Sonnenoberfläche »kratzen« wird:
1. Nicolas Lefaudeux hat, angeregt durch diesen neuen Kreutz-Kometen, die Schweifentwicklung der vergangenen Kreutzkometen mit seinem Programm simuliert. Es lohnt sich, diese anzusehen, denn sie sind sehr lehrreich – gerade was die Schweifentwicklung in unmittelbarer Sonnennähe angeht: der Schweifabriss und die darauf folgende Schweifneubildung bei der Entfernung des überlebenden Kernrestes von der Sonne. Nach diesen Simulationen erschient es durchaus möglich, dass bei den ganz großen Kreutzkometen der „neue“ Kometenschweif (nach dem Perihel) kurzfristig neben dem „alten“ erscheint, dessen Staub noch auf dem Weg zu Sonne ist... (s.u.)
2. Die Schweifentwicklung von Kreutzkometen im Perihel hat natürlich Folgen für seine Helligkeitsentwicklung. Kreutzkometen folgen hier nicht den Formeln für Standardlichtkurven anderer Kometen. Nach ihnen würden sie Fantasie-Helligkeiten erreichen – im aktuellen Fall liegen Prognosen von bis zu -20 bis -40 mag vor – absolut irreale Werte, die den Kometen heller als die Sonne selbst machen würden! Sie würden für die Minuten der extremen Sonnennähe gelten – wenn der Komet zu dieser Zeit überhaupt einen Schweif entwickeln könnte. In den Stunden der extremen Sonnennähe sind Strahlung und Temperatur so immens groß, dass jeglicher vom Kometenkern weggeblasener Staub sofort verdampft. Kein Schweif = keine Helligkeit! Das haben wir beim o.g. Lovejoy (2011) bereits einmal erlebt. Freuen wir uns also auf einen recht hellen „Sonnenkratzer“-Schweif und lassen uns von Helligkeit- und Schweifentwicklung überraschen. 3. Was diesen Kreutz-Kometen gegenüber den bisher bekannten zu unterschieden scheint, ist seine etwa doppelt lange Umlaufszeit. Kreutzkometen sind in Gruppen klassifiziert, die Umlaufszeiten von etwa 700–900 Jahren haben. Der große Komet von 1106 gilt als Kandidat für den Ursprung einer der Gruppen; er wäre demnach bei dieser Sonnennähe auseinander gebrochen, und die einzelnen Fragmente kehrten in den 1880ern bzw. der 1960ern zurück. Der neue hat jedoch eine etwa doppelt so große Umlaufszeit (1700–2000 Jahre). Was das letzten Ende bedeutet, ist noch unklar.
Möglicher Ursprungskomet aller Kreutz-Kometen könnte der sog. aristotelische Komet sein: (WP) »Die Unterteilung in zwei Untergruppen lässt den Schluss zu, dass sie von zwei verschiedenen Kometen abstammen. Diese könnten allerdings wiederum Bruchstücke eines noch größeren Ursprungskörpers darstellen. Als Kandidat kommt ein Komet infrage, der 373 v. Chr. von Aristoteles und Ephorus beobachtet wurde (Großer Komet von 373 vor Christus). Ephorus berichtet, dass der Komet in zwei Teile zerbrochen sei.«
Die Beschreibung des Ephorus lässt mich aufhorchen: dass der Komet in zwei Teile zerbrochen ist, muss sich nicht notwendigerweise auf eine Teilung des Kernes beziehen (wie es üblich ist), sondern es könnte auch bedeuten, dass zwei Schweife nebeneinander zu sehen gewesen sein könnten!
Gruß aus HD,
Christoph
1. Nicolas Lefaudeux hat, angeregt durch diesen neuen Kreutz-Kometen, die Schweifentwicklung der vergangenen Kreutzkometen mit seinem Programm simuliert. Es lohnt sich, diese anzusehen, denn sie sind sehr lehrreich – gerade was die Schweifentwicklung in unmittelbarer Sonnennähe angeht: der Schweifabriss und die darauf folgende Schweifneubildung bei der Entfernung des überlebenden Kernrestes von der Sonne. Nach diesen Simulationen erschient es durchaus möglich, dass bei den ganz großen Kreutzkometen der „neue“ Kometenschweif (nach dem Perihel) kurzfristig neben dem „alten“ erscheint, dessen Staub noch auf dem Weg zu Sonne ist... (s.u.)
2. Die Schweifentwicklung von Kreutzkometen im Perihel hat natürlich Folgen für seine Helligkeitsentwicklung. Kreutzkometen folgen hier nicht den Formeln für Standardlichtkurven anderer Kometen. Nach ihnen würden sie Fantasie-Helligkeiten erreichen – im aktuellen Fall liegen Prognosen von bis zu -20 bis -40 mag vor – absolut irreale Werte, die den Kometen heller als die Sonne selbst machen würden! Sie würden für die Minuten der extremen Sonnennähe gelten – wenn der Komet zu dieser Zeit überhaupt einen Schweif entwickeln könnte. In den Stunden der extremen Sonnennähe sind Strahlung und Temperatur so immens groß, dass jeglicher vom Kometenkern weggeblasener Staub sofort verdampft. Kein Schweif = keine Helligkeit! Das haben wir beim o.g. Lovejoy (2011) bereits einmal erlebt. Freuen wir uns also auf einen recht hellen „Sonnenkratzer“-Schweif und lassen uns von Helligkeit- und Schweifentwicklung überraschen. 3. Was diesen Kreutz-Kometen gegenüber den bisher bekannten zu unterschieden scheint, ist seine etwa doppelt lange Umlaufszeit. Kreutzkometen sind in Gruppen klassifiziert, die Umlaufszeiten von etwa 700–900 Jahren haben. Der große Komet von 1106 gilt als Kandidat für den Ursprung einer der Gruppen; er wäre demnach bei dieser Sonnennähe auseinander gebrochen, und die einzelnen Fragmente kehrten in den 1880ern bzw. der 1960ern zurück. Der neue hat jedoch eine etwa doppelt so große Umlaufszeit (1700–2000 Jahre). Was das letzten Ende bedeutet, ist noch unklar.
Möglicher Ursprungskomet aller Kreutz-Kometen könnte der sog. aristotelische Komet sein: (WP) »Die Unterteilung in zwei Untergruppen lässt den Schluss zu, dass sie von zwei verschiedenen Kometen abstammen. Diese könnten allerdings wiederum Bruchstücke eines noch größeren Ursprungskörpers darstellen. Als Kandidat kommt ein Komet infrage, der 373 v. Chr. von Aristoteles und Ephorus beobachtet wurde (Großer Komet von 373 vor Christus). Ephorus berichtet, dass der Komet in zwei Teile zerbrochen sei.«
Die Beschreibung des Ephorus lässt mich aufhorchen: dass der Komet in zwei Teile zerbrochen ist, muss sich nicht notwendigerweise auf eine Teilung des Kernes beziehen (wie es üblich ist), sondern es könnte auch bedeuten, dass zwei Schweife nebeneinander zu sehen gewesen sein könnten!
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Christoph
- Christoph Gerber
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weiter zu C/2026 A1 (MAPS)
N. Lefaudeux hat für MAPS verschiedene Szenarien durchgespielt: von einem Kreutz-Kometen, der 1. bereits vor dem bzw. 2. nach dem Perihel auseinander bricht (Vergleiche sind C2024 S1 ATLAS und C2011 W3 Lovejoy), 3. einem mittlerer Größe, und 4. einem großen, Ikeya-Seki-ähnlichen Kometen.
Die bisherige Helligkeitsentwicklung zeigt einen deutlichen Anstieg seit etwa dem 4. Februar – eine übliche Entwicklung von Kometen, die bereits einmal in (großer) Sonnennähe waren. Damit sind die Szenarien 1 und 2 inzwischen fast auszuschließen. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob wir es mit einem mittleren, einem großen (wie 1965) oder sogar einen ganz großen (wie 1882) Kreutz-Kometen zu tun haben.
Die Geometrie Erde-Sonne-Komet in den Tagen um das Perihel bring es mit sich, dass die Erde nahezu in der Kometenbahnebene stehen wird. Das bedeutet zweierlei: 1. einen sehr schmalen und geraden Schweif ohne sichtbare Strukturen, und 2. eine dadurch bedingte größere Flächenhelligkeit des Schweifes, da der Staub auf fast einer Ebene zusammengestaucht ist (vgl. den Gegenschweif von C/2023 A3 Tsuchinshan-ATLAS und dessen Schweif-Passage vor der Sonne).
Im Falle einer mit Ikeya-Seki vergleichbaren Erscheinung, könnten (zumindest auf den Bildern der Koronographen-Satelliten wie SOHO) für kurze Zeit prä- und post-Perihel-Schweife parallel und eng nebeneinander erschienen! (vgl. screenshot auf https://scicomm.xyz/@cosmos4u am 12.2.2026)
Nachtrag zum sog. aristotelischen Kometen (um 373 v.Chr.): Auch wenn es als sehr unwahrscheinlich gilt, dass dieser aufgrund des Zeitpunktes seines Erscheinens zu den Kreutz-Kometen gehört, zeigt die entsprechende Kreutz-Simulation von Lefaudeux (s. vorigen Beitrag, unter 3.) ebenso einen doppelten bzw. „gebrochenen“ Schweif. Nicolas Lefaudeux hat mir erlaubt, beigefügte Stellarium-Simulation mit einen screenshot aus seiner Simulation hier hereinzustellen. Die Montage zeigt die (unter den vorgegebenen Bedingungen simulierte!) Situation am Himmel von Athen am 18.01.371 v.Chr. um die Mittagszeit. Deutlich zu erkennen ist die Position des Kometen (und der Schweife) unterhalb der Sonne – zu diesem Zeitpunkt waren sie also nur am Taghimmel zu sehen. Die Flächenhelligkeit der Schweife hätte sie evtl. am Taghimmel sichtbar werden lassen. In dieser Simulation reichte die Helligkeit aus, dass der Komet noch venushell war, als er am Abendhimmel bei ausreichender Dunkelheit sichtbar wurde (am 27. Jan., ca. 30° unterhalb der Venus und ebenso weit von der Sonne entfernt). Gruß aus HD,
Christoph
Die bisherige Helligkeitsentwicklung zeigt einen deutlichen Anstieg seit etwa dem 4. Februar – eine übliche Entwicklung von Kometen, die bereits einmal in (großer) Sonnennähe waren. Damit sind die Szenarien 1 und 2 inzwischen fast auszuschließen. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob wir es mit einem mittleren, einem großen (wie 1965) oder sogar einen ganz großen (wie 1882) Kreutz-Kometen zu tun haben.
Die Geometrie Erde-Sonne-Komet in den Tagen um das Perihel bring es mit sich, dass die Erde nahezu in der Kometenbahnebene stehen wird. Das bedeutet zweierlei: 1. einen sehr schmalen und geraden Schweif ohne sichtbare Strukturen, und 2. eine dadurch bedingte größere Flächenhelligkeit des Schweifes, da der Staub auf fast einer Ebene zusammengestaucht ist (vgl. den Gegenschweif von C/2023 A3 Tsuchinshan-ATLAS und dessen Schweif-Passage vor der Sonne).
Im Falle einer mit Ikeya-Seki vergleichbaren Erscheinung, könnten (zumindest auf den Bildern der Koronographen-Satelliten wie SOHO) für kurze Zeit prä- und post-Perihel-Schweife parallel und eng nebeneinander erschienen! (vgl. screenshot auf https://scicomm.xyz/@cosmos4u am 12.2.2026)
Nachtrag zum sog. aristotelischen Kometen (um 373 v.Chr.): Auch wenn es als sehr unwahrscheinlich gilt, dass dieser aufgrund des Zeitpunktes seines Erscheinens zu den Kreutz-Kometen gehört, zeigt die entsprechende Kreutz-Simulation von Lefaudeux (s. vorigen Beitrag, unter 3.) ebenso einen doppelten bzw. „gebrochenen“ Schweif. Nicolas Lefaudeux hat mir erlaubt, beigefügte Stellarium-Simulation mit einen screenshot aus seiner Simulation hier hereinzustellen. Die Montage zeigt die (unter den vorgegebenen Bedingungen simulierte!) Situation am Himmel von Athen am 18.01.371 v.Chr. um die Mittagszeit. Deutlich zu erkennen ist die Position des Kometen (und der Schweife) unterhalb der Sonne – zu diesem Zeitpunkt waren sie also nur am Taghimmel zu sehen. Die Flächenhelligkeit der Schweife hätte sie evtl. am Taghimmel sichtbar werden lassen. In dieser Simulation reichte die Helligkeit aus, dass der Komet noch venushell war, als er am Abendhimmel bei ausreichender Dunkelheit sichtbar wurde (am 27. Jan., ca. 30° unterhalb der Venus und ebenso weit von der Sonne entfernt). Gruß aus HD,
Christoph
- wolf-peter hartmann
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Re: 2 helle Kometen im April?
Hallo,
einer der Kometen"gesellen" ist von Thomas Winterer mit dem 10"f4 des Wolfatoriums remote aufgenommen worden: MAPS, LRGB 12/8/8/8, mit der Galaxie ESO 547-1 nebenan
einer der Kometen"gesellen" ist von Thomas Winterer mit dem 10"f4 des Wolfatoriums remote aufgenommen worden: MAPS, LRGB 12/8/8/8, mit der Galaxie ESO 547-1 nebenan
mstfrG
wolf
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- Christoph Gerber
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C/2026 A1 MAPS: Theoretisches Szenario
C/2026 A1 MAPS: Ein theoretisches Szenario
HINTERGRUND: Z. Sekaninas Kreutz-Fragmentierung
Zdenek Sekanina hatte vor bereits 5 Jahren eine These zur Entwicklung der Kreutz-Gruppen aufgestellt. Ihm fehlte allerdings der Nachweis eines bestimmten Zwischenschrittes. Der neue Komet MAPS könnte diese Lücke füllen (s. hier: https://arxiv.org/abs/2602.17626).
Ausgangspunkt ist die außergewöhnlich lange Umlaufszeit von MAPS, die rund der doppelten Umlaufszeit der bisher bekannten Kreutz-Kometen entspricht. Sollte sich die bisher abgeleitete Umlaufszeit von rund 1650 Jahren (bisherige Kreutz-Umlaufszeiten liegen zwischen 700–900 Jahren) bestätigen, könnte es die Wiederkehr eines Kometen sein, den der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus für das Jahr 363 kurz erwähnt. Das Besondere an seiner Schilderung ist, dass er von (mehreren) Tageskometen berichtet – so, als ob es kurz nacheinander mehrere so helle Kometen gab, dass sie am Taghimmel gesichtet worden sind. Diese Erwähnung ist der für Sekanina postulierte fehlende Komet in seiner Fragmentierungsserie.
Zusammengefasst lief demnach der allmähliche Zerfall des Kreutz-Ursprungsköpers folgendermaßen ab: Erscheinen des Urkometen im Jahr 372 v.Chr. (Identifizierung mit dem sog. aristotelischen Kometen). Nach dessen Sonnennähe ist der Kern dann fern der Sonne endgültig auseinander gebrochen (evtl. erst bei der neuen Annäherung an die Sonne). Seine Fragmente kehrten demnach 363 n.Chr. in enger Reihenfolge zurück. Die beiden größten Fragmente kehrten dann 1106 und 1138 wieder (und lieferten dann 1843 bzw. 1882 erneut beeindruckende Erscheinungen). Die Rückkehr im Abstand von etwa drei Jahrzehnten lassen Sekanina auf eine durch Gezeitenkräfte verursachte Fragmentierung während der Sonnennähe 363 schließen. Dabei könnte sich im Augenblick der Sonnennähe ein Bruchstück auf der Außenseite des (größten?) Kernes abgespalten haben. Ein Unterschied von rund 15 km im Abstand zur Sonnenoberfläche würde ausreichen, die Umlaufszeit dieses Fragmentes quasi zu verdoppeln. [Da sich die Kreutz-Kometen im Augenblick der Sonnennähe nahe an der Sonnen-Fluchtgeschwindigkeit von 11 m/sec bewegen, entscheiden oft nur wenige Kilometer Abstand oder eine Trenngeschwindigkeit von knapp unter 1 m/sec vom Kern (was durch die Kernrotation gegeben sein kann) darüber, ob ein Fragment irgendwo zwischen einer kurzen Umlaufbahn (von Jahrhunderten) oder einer (sehr) langen (von Jahrhzehntausenden?) landet.] Und dieses kleinere Fragment wäre das, welches jetzt erstmals wieder in Sonnennähe zurückkommt.
Sollte dieses Szenario von Sekanina Bestätigung finden, bedeutet das für die kommende Erscheinung von MAPS:
Wir hätten es mit einem kleineren Fragment des Kometen von 363 zu tun, das noch der zweiten Generation angehört und erst seine dritte Sonnennähe vor sich hat.
Die Helligkeitsentwicklung hat sich etwa 50 Tage vor dem Perihel wieder verlangsamt und entwickelt sich erwartungsgemäß weiter, allerdings rund 2.5 mag heller als vor dem rascheren Anstieg. Das würde auf einen mittelgroßen Kreutz-Kometen hinweisen (heller als Lovejoy, deutlich schwächer als Ikeya-Seki). Die entsprechende Lichtkurve erreicht im äußerst spitzen Maximum demnach (rechnerisch) etwa -10 mag. Diese Helligkeit ist jedoch rein rechnerisch, denn zu diesem Zeitpunkt wird der Kometenkern weder Koma noch Schweif haben. Der neue Schweif von Komet Lovejoy war etwa 12 Std. nach dem Perihel wieder so weit entwickelt, dass er (in SOHO LASCO C3) gut zu sehen war (s. videos hier: https://spaceweather.com/archive.php?vi ... &year=2011). Erst wenn sich der Schweif nach der Sonnennähe wieder entwickelt, dürften Chancen zur Beobachtung entstehen, da der Schweif durch Vorwärtsstreuung zusätzlich aufgehellt wird. Wie hell er dann erscheint, hängt natürlich sehr vom Zustand des Kometenkernes nach dem Flug durch die Sonnenkorona ab. Der Abstand von MAPS wird mit 160 000 km über der Sonnen-Photosphäre etwa 20 000 km höher als bei Lovejoy liegen.
Hinsichtlich der Helligkeitsprognose betreten wir vermutlich erst dann sichereres Terrain, wenn direkte visuelle Beobachtungen vorliegen werden. Die ersten visuellen Sichtungen könnten im Laufe der ersten Märzwoche eingehen.
Gruß aus HD,
Christoph
HINTERGRUND: Z. Sekaninas Kreutz-Fragmentierung
Zdenek Sekanina hatte vor bereits 5 Jahren eine These zur Entwicklung der Kreutz-Gruppen aufgestellt. Ihm fehlte allerdings der Nachweis eines bestimmten Zwischenschrittes. Der neue Komet MAPS könnte diese Lücke füllen (s. hier: https://arxiv.org/abs/2602.17626).
Ausgangspunkt ist die außergewöhnlich lange Umlaufszeit von MAPS, die rund der doppelten Umlaufszeit der bisher bekannten Kreutz-Kometen entspricht. Sollte sich die bisher abgeleitete Umlaufszeit von rund 1650 Jahren (bisherige Kreutz-Umlaufszeiten liegen zwischen 700–900 Jahren) bestätigen, könnte es die Wiederkehr eines Kometen sein, den der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus für das Jahr 363 kurz erwähnt. Das Besondere an seiner Schilderung ist, dass er von (mehreren) Tageskometen berichtet – so, als ob es kurz nacheinander mehrere so helle Kometen gab, dass sie am Taghimmel gesichtet worden sind. Diese Erwähnung ist der für Sekanina postulierte fehlende Komet in seiner Fragmentierungsserie.
Zusammengefasst lief demnach der allmähliche Zerfall des Kreutz-Ursprungsköpers folgendermaßen ab: Erscheinen des Urkometen im Jahr 372 v.Chr. (Identifizierung mit dem sog. aristotelischen Kometen). Nach dessen Sonnennähe ist der Kern dann fern der Sonne endgültig auseinander gebrochen (evtl. erst bei der neuen Annäherung an die Sonne). Seine Fragmente kehrten demnach 363 n.Chr. in enger Reihenfolge zurück. Die beiden größten Fragmente kehrten dann 1106 und 1138 wieder (und lieferten dann 1843 bzw. 1882 erneut beeindruckende Erscheinungen). Die Rückkehr im Abstand von etwa drei Jahrzehnten lassen Sekanina auf eine durch Gezeitenkräfte verursachte Fragmentierung während der Sonnennähe 363 schließen. Dabei könnte sich im Augenblick der Sonnennähe ein Bruchstück auf der Außenseite des (größten?) Kernes abgespalten haben. Ein Unterschied von rund 15 km im Abstand zur Sonnenoberfläche würde ausreichen, die Umlaufszeit dieses Fragmentes quasi zu verdoppeln. [Da sich die Kreutz-Kometen im Augenblick der Sonnennähe nahe an der Sonnen-Fluchtgeschwindigkeit von 11 m/sec bewegen, entscheiden oft nur wenige Kilometer Abstand oder eine Trenngeschwindigkeit von knapp unter 1 m/sec vom Kern (was durch die Kernrotation gegeben sein kann) darüber, ob ein Fragment irgendwo zwischen einer kurzen Umlaufbahn (von Jahrhunderten) oder einer (sehr) langen (von Jahrhzehntausenden?) landet.] Und dieses kleinere Fragment wäre das, welches jetzt erstmals wieder in Sonnennähe zurückkommt.
Sollte dieses Szenario von Sekanina Bestätigung finden, bedeutet das für die kommende Erscheinung von MAPS:
Wir hätten es mit einem kleineren Fragment des Kometen von 363 zu tun, das noch der zweiten Generation angehört und erst seine dritte Sonnennähe vor sich hat.
Die Helligkeitsentwicklung hat sich etwa 50 Tage vor dem Perihel wieder verlangsamt und entwickelt sich erwartungsgemäß weiter, allerdings rund 2.5 mag heller als vor dem rascheren Anstieg. Das würde auf einen mittelgroßen Kreutz-Kometen hinweisen (heller als Lovejoy, deutlich schwächer als Ikeya-Seki). Die entsprechende Lichtkurve erreicht im äußerst spitzen Maximum demnach (rechnerisch) etwa -10 mag. Diese Helligkeit ist jedoch rein rechnerisch, denn zu diesem Zeitpunkt wird der Kometenkern weder Koma noch Schweif haben. Der neue Schweif von Komet Lovejoy war etwa 12 Std. nach dem Perihel wieder so weit entwickelt, dass er (in SOHO LASCO C3) gut zu sehen war (s. videos hier: https://spaceweather.com/archive.php?vi ... &year=2011). Erst wenn sich der Schweif nach der Sonnennähe wieder entwickelt, dürften Chancen zur Beobachtung entstehen, da der Schweif durch Vorwärtsstreuung zusätzlich aufgehellt wird. Wie hell er dann erscheint, hängt natürlich sehr vom Zustand des Kometenkernes nach dem Flug durch die Sonnenkorona ab. Der Abstand von MAPS wird mit 160 000 km über der Sonnen-Photosphäre etwa 20 000 km höher als bei Lovejoy liegen.
Hinsichtlich der Helligkeitsprognose betreten wir vermutlich erst dann sichereres Terrain, wenn direkte visuelle Beobachtungen vorliegen werden. Die ersten visuellen Sichtungen könnten im Laufe der ersten Märzwoche eingehen.
Gruß aus HD,
Christoph
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Anja Verhöfen
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Re: 2 helle Kometen im April?
Moin,
Lt. Michael Jäger im Forum der Vds-fachgruppe Kometen stagniert der Komet seit einer Woche mit der Helligkeit. Er ist immer noch bei 10mag.
Mal schauen, was der Komet noch drauf hat.
Liebe Grüße,
Anja Verhöfen
Lt. Michael Jäger im Forum der Vds-fachgruppe Kometen stagniert der Komet seit einer Woche mit der Helligkeit. Er ist immer noch bei 10mag.
Mal schauen, was der Komet noch drauf hat.
Liebe Grüße,
Anja Verhöfen
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Re: 2 helle Kometen im April?
... und was macht der zweite helle Komet? C/2025 R3 PANSTARRS befand sich unbeobachtbar hinter der Sonne und ist jetzt am Morgenhimmel (in der Dämmerung) wieder sichtbar. Er entwickelt sich weiterhin wie erwartet, die erwartete Spitzenhelligkeit liegt demnach nach van Buitenen (dank der Vorwärtsstreuung) bei -4 mag. Wenn er der Erde am 26.4. am nächsten kommt, soll er immerhin noch eine Helligkeit von -3.0 mag haben – allerdings unbeobachtbar in nur 6° Sonnenabstand! Trotz der immensen Helligkeit wird der Komet für unsere Breiten kein Objekt am dunklen Himmel sein. Die Maximalhelligkeit liegt sowohl bei van Buitenen wie bei COBS derzeit weiterhin bei etwa +1.0 mag (ohne Vorwärtsstreuung!).
Auch der Kreutz-Komet C/2026 A1 MAPS entwickelt sich weiterhin wie erwartet und hat inzwischen +10.0 mag erreicht. Er wird der Oster-Komet sein, auch wenn er ebenfalls nicht am dunklen Himmel sichtbar sein wird! Sonnennähe am Sa. 4. April (hinter/neben/vor der Sonne!), und einige Grad von der Sonne entfernt am Tag davor (Karfreitag) und am Tag danach (Ostersonntag). Besser können Feiertage für einen solchen Kometen nicht liegen. Für eine mögliche Tagessichtbarkeit werden die Länge und Helligkeit des vermutlich sehr schmalen Schweifes entscheidend sein – beides unbekannte Variabeln, ebenso wie das Wetter. Das ist das reizvolle an Kometen: sie können sowohl positiv (selten) wie negativ (häufig!) überraschen!
Aber unabhängig vom Wetter lässt sich die Entwicklung des Kometen in unmittelbarer Sonnennähe vom 2.–6. April mit SOHO verfolgen. Nun liegt eine Graphik vor, die den Bahnverlauf in LASCO C3 darstellt: In diese Graphik habe ich die Positionen des Kometen am Mittag des 3.4. (Karfreitag) und des 5.4. (Ostersonntag) (bei Sonnenkulmination gegen 13:30 MESZ) mit einem Stern eingetragen. Klar zu erkennen: die Lage unterhalb der Sonne, weshalb es bei uns zu keiner Sichtbarkeit am dunklen Himmel kommen wird.
Gruß aus HD,
Christoph
Auch der Kreutz-Komet C/2026 A1 MAPS entwickelt sich weiterhin wie erwartet und hat inzwischen +10.0 mag erreicht. Er wird der Oster-Komet sein, auch wenn er ebenfalls nicht am dunklen Himmel sichtbar sein wird! Sonnennähe am Sa. 4. April (hinter/neben/vor der Sonne!), und einige Grad von der Sonne entfernt am Tag davor (Karfreitag) und am Tag danach (Ostersonntag). Besser können Feiertage für einen solchen Kometen nicht liegen. Für eine mögliche Tagessichtbarkeit werden die Länge und Helligkeit des vermutlich sehr schmalen Schweifes entscheidend sein – beides unbekannte Variabeln, ebenso wie das Wetter. Das ist das reizvolle an Kometen: sie können sowohl positiv (selten) wie negativ (häufig!) überraschen!
Aber unabhängig vom Wetter lässt sich die Entwicklung des Kometen in unmittelbarer Sonnennähe vom 2.–6. April mit SOHO verfolgen. Nun liegt eine Graphik vor, die den Bahnverlauf in LASCO C3 darstellt: In diese Graphik habe ich die Positionen des Kometen am Mittag des 3.4. (Karfreitag) und des 5.4. (Ostersonntag) (bei Sonnenkulmination gegen 13:30 MESZ) mit einem Stern eingetragen. Klar zu erkennen: die Lage unterhalb der Sonne, weshalb es bei uns zu keiner Sichtbarkeit am dunklen Himmel kommen wird.
Gruß aus HD,
Christoph
- Christoph Gerber
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Re: 2 helle Kometen im April?
Kerndurchmesser von MAPS
Heute (17.3.) erschien eine erste Abschätzung (https://groups.io/g/comets-ml/topic/c_2 ... /118366573) des Kometenkern-Durchmessers anhand von Daten des Webb-Teleskopes (JWST). Demnach dürfte der Kometenkern einen Durchmesser von etwa 0.4 km haben – vergleichbar mit W3 Lovejoy und deutlich größer als die SOHO-Fragmente, die sich im Anflug auf die Sonne auflösen (>0.2 km). Dabei wird betont, dass es die erste direkte Durchmesserabschätzung eines Kreutz-Kometen ist, der Vergleich mit bisherigen also nur bedingt Aussagekräftig ist.
Mit einem Dm von 0.4 km besteht die Hoffnung, dass der Kern den Flug über die Sonnenoberfläche übersteht. Dabei ist jedoch das aktuelle Ausgasen zu berücksichtigen. Und die Gasproduktion ist offenbar so groß (sie entspricht wohl der eines dynamisch neuen Kometen, also einem, der sich das erste Mal der Sonne nähert!), dass ein Auseinanderbrechen des Kernes noch während der Annäherung an die Sonne nicht ausgeschlossen werden kann.
Die erste visuelle Helligkeitsschätzung erfolgte (lt. Meldung in COBS) wohl am 8.3. mit +11.5 mag; inzwischen (15.3. und 16.3.) liegen visuelle Schätzungen bei +9.9/+9.2 mag. Die Helligkeitszunahme scheint – s. auch Hinweis im gestrigen Beitrag von Anja – in den letzten Tagen etwas langsamer zu erfolgen als erwartet. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend entwickelt.
Gruß aus HD,
Christoph
Heute (17.3.) erschien eine erste Abschätzung (https://groups.io/g/comets-ml/topic/c_2 ... /118366573) des Kometenkern-Durchmessers anhand von Daten des Webb-Teleskopes (JWST). Demnach dürfte der Kometenkern einen Durchmesser von etwa 0.4 km haben – vergleichbar mit W3 Lovejoy und deutlich größer als die SOHO-Fragmente, die sich im Anflug auf die Sonne auflösen (>0.2 km). Dabei wird betont, dass es die erste direkte Durchmesserabschätzung eines Kreutz-Kometen ist, der Vergleich mit bisherigen also nur bedingt Aussagekräftig ist.
Mit einem Dm von 0.4 km besteht die Hoffnung, dass der Kern den Flug über die Sonnenoberfläche übersteht. Dabei ist jedoch das aktuelle Ausgasen zu berücksichtigen. Und die Gasproduktion ist offenbar so groß (sie entspricht wohl der eines dynamisch neuen Kometen, also einem, der sich das erste Mal der Sonne nähert!), dass ein Auseinanderbrechen des Kernes noch während der Annäherung an die Sonne nicht ausgeschlossen werden kann.
Die erste visuelle Helligkeitsschätzung erfolgte (lt. Meldung in COBS) wohl am 8.3. mit +11.5 mag; inzwischen (15.3. und 16.3.) liegen visuelle Schätzungen bei +9.9/+9.2 mag. Die Helligkeitszunahme scheint – s. auch Hinweis im gestrigen Beitrag von Anja – in den letzten Tagen etwas langsamer zu erfolgen als erwartet. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend entwickelt.
Gruß aus HD,
Christoph
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Carl Herzog
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Re: 2 helle Kometen im April?
Hallo Christoph,
vielen Dank für die ganzen Infos.
C/2026 A1 ist in meinen Einzelaufnahmen unsichtbar, aber zumindest erscheint es nach dem Stacken (mit Ausrichtung auf die Position des unsichtbaren Kometen). Das Zeitfenster für Aufnahmen dürfte aber jetzt geschlossen sein.
Ganz anders C/2025 R3, der zeigt ein schönes grünes Leuchten bereits in kurzen Aufnahmen und nach dem Stacken kommt ein kurzer Schweif zum Vorschein, der scheinbar etwas verwirbelt ist.
VG, Carl
vielen Dank für die ganzen Infos.
C/2026 A1 ist in meinen Einzelaufnahmen unsichtbar, aber zumindest erscheint es nach dem Stacken (mit Ausrichtung auf die Position des unsichtbaren Kometen). Das Zeitfenster für Aufnahmen dürfte aber jetzt geschlossen sein.
Ganz anders C/2025 R3, der zeigt ein schönes grünes Leuchten bereits in kurzen Aufnahmen und nach dem Stacken kommt ein kurzer Schweif zum Vorschein, der scheinbar etwas verwirbelt ist.
VG, Carl
- Christoph Gerber
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- Wohnort: Heidelberg
Re: 2 helle Kometen im April?
Perihelhelligkeit von Kreutzkometen
N. Lefaudeux hat sich Gedanken gemacht über die Helligkeit von Kreutzkometen in unmittelbarer Sonnennähe (letzte Einträge in https://hdr-astrophotography.com/; s. auch https://groups.io/g/comets-ml/topic/per ... /118409957). Er thematisiert m.W. zum ersten Mal die Sublimation des Kometenstaubes im Perihel, was zu einem „nackten“ Kometenkern und damit zu einem starken Einbruch der Helligkeit gegenüber den unrealistischen Helligkeitn der üblichen Helligkeitsformeln für Kometen führt (s. weiter oben). Folge sind ein Helligkeitsmaximum vor und ein weiteres nach dem Perihel, wenn die Umgebungstemperatur die Bildung von Staub wieder erlaubt. Seiner Einschätzung nach wird das erste Maximum etwa 5–6 Stunden vor dem Perihel eintreten (nach Stand der Dinge für einen „mittelgroßen“ Kreutzkometen evtl. -4 mag), das zweite etwa 4 Std. nach dem Perihel, wenn er die Sonnenscheibe nach dem Transit wieder verlässt (dann evtl. -6 mag aufgrund der dann greifenden Vorwärtsstreuung). Hier die Graphik dazu: Weiterhin macht er sich auch Gedanken zur möglichen „Sichtbarkeit“ (eigentlich Detektierbarkeit mit modernen Mitteln) des Kometen während des Sonnentransits. Allerdings frage ich mich, wie viel „Komet“ um den winzigen Kern (etwa 0.4 km Durchmesser?, s. weiter oben) in diesen Stunden überhaupt möglich ist...
Weiteres zu MAPS
Ich füge noch eine Überlagerung der Graphik von J. Rao (Sichtbarkeit in LASCO C3, s. weiter oben) mit der Schweifsimulation von N. Lefaudeux („mittlerer Kreutz-Komet“) für 18 UT am 5. April an.
Und noch eine Graphik, die den „Status“ von MAPS als „mittlerer Kreutz-Komet“ veranschaulicht
(aus: https://x.com/JAtanackov/status/2033273541907337281, von Jure Atanackov):
Die Bahn am Himmel aus https://theconversation.com/el-cometa-m ... ria-277997: Gruß aus HD,
Christoph
N. Lefaudeux hat sich Gedanken gemacht über die Helligkeit von Kreutzkometen in unmittelbarer Sonnennähe (letzte Einträge in https://hdr-astrophotography.com/; s. auch https://groups.io/g/comets-ml/topic/per ... /118409957). Er thematisiert m.W. zum ersten Mal die Sublimation des Kometenstaubes im Perihel, was zu einem „nackten“ Kometenkern und damit zu einem starken Einbruch der Helligkeit gegenüber den unrealistischen Helligkeitn der üblichen Helligkeitsformeln für Kometen führt (s. weiter oben). Folge sind ein Helligkeitsmaximum vor und ein weiteres nach dem Perihel, wenn die Umgebungstemperatur die Bildung von Staub wieder erlaubt. Seiner Einschätzung nach wird das erste Maximum etwa 5–6 Stunden vor dem Perihel eintreten (nach Stand der Dinge für einen „mittelgroßen“ Kreutzkometen evtl. -4 mag), das zweite etwa 4 Std. nach dem Perihel, wenn er die Sonnenscheibe nach dem Transit wieder verlässt (dann evtl. -6 mag aufgrund der dann greifenden Vorwärtsstreuung). Hier die Graphik dazu: Weiterhin macht er sich auch Gedanken zur möglichen „Sichtbarkeit“ (eigentlich Detektierbarkeit mit modernen Mitteln) des Kometen während des Sonnentransits. Allerdings frage ich mich, wie viel „Komet“ um den winzigen Kern (etwa 0.4 km Durchmesser?, s. weiter oben) in diesen Stunden überhaupt möglich ist...
Weiteres zu MAPS
Ich füge noch eine Überlagerung der Graphik von J. Rao (Sichtbarkeit in LASCO C3, s. weiter oben) mit der Schweifsimulation von N. Lefaudeux („mittlerer Kreutz-Komet“) für 18 UT am 5. April an.
Und noch eine Graphik, die den „Status“ von MAPS als „mittlerer Kreutz-Komet“ veranschaulicht
(aus: https://x.com/JAtanackov/status/2033273541907337281, von Jure Atanackov):
Die Bahn am Himmel aus https://theconversation.com/el-cometa-m ... ria-277997: Gruß aus HD,
Christoph
- Christoph Gerber
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- Wohnort: Heidelberg
Re: 2 helle Kometen im April?
Aktueller Status von MAPS (22.3.)
Die Helligkeitsentwicklung von MAPS erschient widersprüchlich: einige der erfahrenen Beobachter berichten eine Stagnation, andere dagegen von einer geringen Helligkeitszunahme. Die aktuellen Meldungen in COBS zeigen deutlich ein Plateau bei rund +10.0 mag. Die ersten Schätzungen von +10.0 mag gingen bereits am 9.3. ein, und seither gibt es nur wenige Schätzungen, die (etwas) heller sind. Entsprechend ist die Prognose der Maximalhelligkeit bei vanbuitenen auf -5 mag gesunken (in COBS beträgt sie noch -20 mag). Auch scheint es einen ersten Hinweis auf eine mögliche Fragmentierung zu geben, mit der die berichtete geringe Helligkeitszunahme zusammenhängen könnte. Jetzt wird es spannend!
Aktueller Stand (22.3. 17:45 UT) der Meldungen in COBS:
Komet Ikeya-Seki: Helligkeitsschätzungen
Berechtigt ist die Frage, wie die Helligkeitsschätzungen von Ikeya-Seki von ca -10 mag am Tageshimmel zustande gekommen sind. In der Zusammenstellung hier wird auf das Fehlen von Schätzungen in unmittelbarer Sonnennähe hingewiesen, wonach die Helligkeit bei -14 mag gelegen haben sollte. Was ist hier passiert?
Mir fällt in dieser Zusammenstellung folgendes auf: Die "Maximalhelligkeit" von knapp über -6 mag von Okt. 21.0 und 21.5 (etwa 1/4 Tag vor bzw nach der Sonnennähe) einerseits, und die Werte um -10 mag andererseits zwischen etwa Okt 20.7 und 21.7. Vergleiche mit der Vollmondhelligkeit kann ich nicht nachvollziehen, da ich mir die Vollmondhelligkeit nicht auf eine fast stellare Größe reduziert neben der Sonne vorstellen kann.
Gruß aus HD,
Christoph
Die Helligkeitsentwicklung von MAPS erschient widersprüchlich: einige der erfahrenen Beobachter berichten eine Stagnation, andere dagegen von einer geringen Helligkeitszunahme. Die aktuellen Meldungen in COBS zeigen deutlich ein Plateau bei rund +10.0 mag. Die ersten Schätzungen von +10.0 mag gingen bereits am 9.3. ein, und seither gibt es nur wenige Schätzungen, die (etwas) heller sind. Entsprechend ist die Prognose der Maximalhelligkeit bei vanbuitenen auf -5 mag gesunken (in COBS beträgt sie noch -20 mag). Auch scheint es einen ersten Hinweis auf eine mögliche Fragmentierung zu geben, mit der die berichtete geringe Helligkeitszunahme zusammenhängen könnte. Jetzt wird es spannend!
Aktueller Stand (22.3. 17:45 UT) der Meldungen in COBS:
Komet Ikeya-Seki: Helligkeitsschätzungen
Berechtigt ist die Frage, wie die Helligkeitsschätzungen von Ikeya-Seki von ca -10 mag am Tageshimmel zustande gekommen sind. In der Zusammenstellung hier wird auf das Fehlen von Schätzungen in unmittelbarer Sonnennähe hingewiesen, wonach die Helligkeit bei -14 mag gelegen haben sollte. Was ist hier passiert?
Mir fällt in dieser Zusammenstellung folgendes auf: Die "Maximalhelligkeit" von knapp über -6 mag von Okt. 21.0 und 21.5 (etwa 1/4 Tag vor bzw nach der Sonnennähe) einerseits, und die Werte um -10 mag andererseits zwischen etwa Okt 20.7 und 21.7. Vergleiche mit der Vollmondhelligkeit kann ich nicht nachvollziehen, da ich mir die Vollmondhelligkeit nicht auf eine fast stellare Größe reduziert neben der Sonne vorstellen kann.
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