Feuerkugel 2015-12-09 23:51

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Christoph Gerber
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Feuerkugel 2015-12-09 23:51

Beitrag von Christoph Gerber » 10. Dez 2015, 01:20

Feuerkugel 2015-12-09 23:51

Vorhin habe ich während einer kurzen Beobachtungszeit zwischen Nebel mal wieder einen Feuerkugel-Blitz gesehen (2015-12-09 23:51 MEZ = 22:51 UT): plötzlich erhellte ein Blitz meine Umgebung (Nebel und Bäume). Der Blitz war so kurz (ca. 0.1 sec), dass er gar keine Reaktion auslöste, so dass ich ihn im ersten Moment nicht als Feuerkugel-Blitz erkannte. Erst Augenblicke später (nach Ausschließen eines "Blitzes aus heiterem Himmel" - das Thema hatte ich gerade vor kurzem "aufgefrischt"!) mich umgedreht - und da "stand" eine etwa 10° lange Nachleuchtspur unmittelbar unterhalb von Delta Cep. Erst nach etwa 10–15 sec war sie bis zur Unsichtbarkeit verblasst.
Die Rückverlängerung der Bahn führt nur durch einen Radianten: der der Leo-Minoriden (LMI). Aber dieser Strom ist m.W. nicht für Feuerkugeln bekannt. Ansonsten war es ein Sporadischer (SPO).
Helligkeit? Schwer zu sagen: so wie die Umgebung aufgehellt war, dürfte er schon (Voll)Mondhelligkeit gehabt haben - aber es fiel der bläuliche Schein gegenüber dem eher gelblich-warmen Mondschein auf! Ungewöhnlich auch der sehr kurze Blitz - möglicherweise war nur die "Endexplosion" so hell. Da ich nach Osten schaute, kann die Leuchtspur nicht östlich des Polarstens begonnen haben, da bis dorthin mein Blickfeld reichte. Da die Feuerkugel etwa in 40° Höhe über dem Nordwesthorizont aufleuchtete, dürfte sie über NW-Deutschland (Ruhrgebiet?) höher am Himmel erschienen sein.

Auf der Karte (stellarium 0.10.2, gnomische Projektion) ist die Nachleuchtspur blau eingetragen, und in grau die Rückverlängerung der Spur. Die Radiantenpositionen der DLM, HYD und GEM sind ebenfalls eingetragen.

Gibt es weitere Sichtungen, die den Radianten klären können?

Christoph
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Die Nachleuchtspur der Feuerkugel ist in blau dargestellt
Die Nachleuchtspur der Feuerkugel ist in blau dargestellt

TorstenHansen
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Re: Feuerkugel 2015-12-09 23:51

Beitrag von TorstenHansen » 12. Dez 2015, 11:42

Hallo Christoph,

an besagtem Termin, zur von Dir angegebenen Zeit, war mir der Meteor auf dem Bild unten ins Netz gegangen. Ein Übertrag der Position in den Atlas BRNO liefert mir den Geminidenradianten.

Originalgröße: http://hanastro.de/download/meteore/Met ... b2932m.jpg

Viele Grüße,
Torsten

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Christoph Gerber
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Re: Feuerkugel 2015-12-09 23:51

Beitrag von Christoph Gerber » 12. Dez 2015, 21:06

Hallo Torsten,

vielen Dank für das Posten des Fotos. Das kurze, helle Maximum mitten in der Spur dürfte der Blitz gewesen sein, der meine Umgebung erhellt hat. Ich hätte auf eine Endexplosion getippt, aber das war sie offensichtlich nicht. Dass dieser Blitz etwa Mondhell gewesen ist, kann das Foto nicht einmal andeuten – dafür war er vermutlich viel zu kurz. Selbst bei der Annahme, die Erscheinung hätte insgesamt 1,0 sec gedauert, wäre der Blitz kaum länger als 0,1 sec gewesen. Die beobachtete Fotoblitz-artige Erhellung spricht für eine so kurze Zeitdauer.

Noch interessanter ist die Sache mit dem Radianten. Die Rückverlängerung deiner Spur führt zwar in die Nähe des GEM-Radianten, würde aber wohl noch viel besser zu einem HYD passen. Ein HYD war auch meine erste Vermutung, aber die Rückverlängerung verpasst den Radianten viel zu weit. Deine Beobachtung hätte ich wohl glatt als HYD bestimmt – zudem die Nachleuchtspur typisch für helle Sigma Hydriden ist. Ich kann meine Beobachtung jedoch nicht zu einem HYD "umbiegen". Aufgrund des langen Nachleuchtens konnte ich die Richtung recht genau festhalten.
Auch meine Vermutung (DLM) scheint nicht zu stimmen, denn der Schnittpunkt beider Spuren liegt in der Nähe des Polarsternes! Demnach müsste es ein SPO gewesen sein. Vielleicht gibt es ja noch eine weitere Aufnahme, anhand derer der Radiant genau bestimmen werden könnte. Und ich die Genauigkeit meiner visuellen Beobachtung prüfen könnte – wann hat man schon diese Möglichkeit?!

Christoph
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Ausschnitt der BRNO-Karte mit Schnittpunkt
Ausschnitt der BRNO-Karte mit Schnittpunkt
Eintragung der Rückverlängerung der fotografierten Spur
Eintragung der Rückverlängerung der fotografierten Spur

TorstenHansen
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Re: Feuerkugel 2015-12-09 23:51

Beitrag von TorstenHansen » 15. Dez 2015, 19:24

Hallo Christoph,
Christoph Gerber hat geschrieben:...
Noch interessanter ist die Sache mit dem Radianten. Die Rückverlängerung deiner Spur führt zwar in die Nähe des GEM-Radianten, würde aber wohl noch viel besser zu einem HYD passen. Ein HYD war auch meine erste Vermutung, aber die Rückverlängerung verpasst den Radianten viel zu weit. Deine Beobachtung hätte ich wohl glatt als HYD bestimmt – zudem die Nachleuchtspur typisch für helle Sigma Hydriden ist.
...
Ich habe die Spur auch nochmal in die Karten des BRNO-Atlasses übertragen und über drei Karten hinweg finde ich auch, dass die Spur sogar recht gut zu einem Hydriden passt (siehe Bild), da sie nur knapp 2° neben der Position aus dem Schauerkalender verläuft.

Bild


Weiterhin habe ich die Spur mal über die gesamte Länge über die Histogrammphotometriefunktion in fitswork geschickt. Sieht halt ziemlich dramatisch aus und zeigt die erhebliche Überbelichtung.

Bild

Das Nachleuchten würde ich übrigens nicht als Auschlusskriterium für Geminiden nehmen. Fast alle helleren Geminden zeigten auch visuell Nachleuchten. Fotografisch konnte ich aus vorvoriger Nacht bei enem -3er Geminiden sogar mindestens 20 Minuten das Nachleuchten verfolgen.


Viele Grüße,
Torsten

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Christoph Gerber
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Re: Feuerkugel 2015-12-09 23:51

Beitrag von Christoph Gerber » 28. Dez 2015, 23:52

Hallo Torsten,

die Histogrammfotometrie der Feuerkugel-Spur ist ja ausgesprochen interessant. Mich wundert zweierlei:
1. der horizontale Bereich bei etwa 65000 mit den Fluktuationen (etwa 62000–66000): ist dies tatsächlich Sättigung/Übersättigung? Diese Homogenität scheint mir auf die Nachleuchtspur zurückzugehen: sie war anfänglich sehr hell und dauerte mehrere Sekunden, so dass die lange Spur auf dem Foto evtl. eine Helligkeit des Meteors vortäuscht, die gar nicht vorhanden war!
2. Das, was mir als Blitz erscheint, zeigt in der Fotometrie eine fast fluktuationsfreie Linie (im Bereich zwischen 925–975, bei 65000), die ich eigentlich knapp oberhalb des langen horizontalen Bereiches erwartet hätte (etwa bei 67000 oder noch höher). Die Gradlinigkeit könnte hier tatsächlich auf Übersättigung hinweisen! Wer hat Erfahrung in der Interpretation solcher Histogramme???

Gruß,
Christoph

wolfgang hamburg
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Re: Feuerkugel 2015-12-09 23:51

Beitrag von wolfgang hamburg » 29. Dez 2015, 00:21

Moin Christoph,

also ich denke von X 850-1100 war das die volle Sättigung. Dazu passen auch die Y-Werte. 65536(2^16) dürfte der maximale Wert des genutzten Formates sein. Darüber hinaus gehende Werte könnte man aus der Breite der Spur abschätzen. Mehr als Abschätzen ist da aber nicht.

Grüße wolfgang

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