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Andreas Weller

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Beitrag von Andreas Weller » 28. Okt 2003, 11:17

http://www.heise.de/newsticker/data/uma-28.10.03-000/

Sonnenaktivität sehr hoch
[28.10.2003 11:45 ]

Obwohl das so genannte Sonnenfleckenmaximum schon einige Jahre zurückliegt[1], hat sich die Aktivität auf der Sonnenoberfläche in den vergangenen Tagen überraschend um ein Mehrfaches verstärkt[2]. Derzeit sind auf der der Erde zugewandten Seite mehrere große Fleckengruppen[3] zu sehen, die größten von ihnen sogar mit bloßem Auge. Zwei große Fleckengruppen sind stabil, eine dritte vergrößert sich sehr schnell. Für die Beobachtung ist allerdings ein geeignetes Filter erforderlich, beispielsweise eine SoFi-Brille. Der Blick in die Sonne mit ungeschütztem Auge kann bereits nach wenigen Sekunden zu schweren Schäden an der Netzhaut führen.

Solch große Fleckengruppen bergen die Gefahr intensiver Strahlungs- und Masseausbrüche. In den vergangenen Tagen ereigneten sich bereits mehrere Röntgenstrahlungsausbrüche[4], die die Stufe 3 auf der 5-teiligen Skala[5] der US-amerikanischen NOAA[6] erreichten. Auch ein Protonenereignis ist im Gange, dabei steigt die Zahl der Protonen von der Sonne, die die Erde erreichen, um einige Zehnerpotenzen. Bislang erreichte die Partikeldichte aber lediglich die Stufe 2 der 5-teiligen NOAA-Skala.

Kritisch kann die Situation werden, wenn die Protonenwerte die Stufe 4 oder 5 erreichen. Auf den Menschen hat das keine Auswirkungen, da die Atmosphäre Strahlung und Partikel restlos herausfiltert, gefährdet sind jedoch Insassen von Flugzeugen, die in den Polarregionen unterwegs sind. Die Strahlenbelastung bei einem transpolaren Flug während eines schweren Protonensturms, beispielsweise von Europa nach Hawaii, entspricht 10 bis 100 Röntgenaufnahmen des Brustraums. Solche schweren Protonen-Stürme treten allerdings nur drei bis vier Mal in zehn Jahren auf, zuletzt Anfang April 2001.

Satelliten, die außerhalb der schützenden Lufthülle um die Erde kreisen, können von der Strahlung beeinträchtigt oder beschädigt werden. Besonders die Mikroelektronik an Bord ist empfindlich; Speicherbausteine können ihre Informationen verlieren, Digital-Kameras liefern verrauschte Bilder. Auch die Sonnensegel können von hochenergetischen Protonen beschädigt werden.

Eine weitere Gefahr, die von der hohen Sonnenaktivität ausgeht, ist die Störung des Erdmagnetfeldes. Während Röntgenstrahlung und Protonen die Erde sofort beziehungsweise nur wenige Minuten nach einem Ausbruch auf der Sonne erreichen, benötigen von der Sonne freigesetzte Gasmassen zwei bis drei Tage bis zum Eintreffen auf der Erde. Die Gasmassen bewirken eine Deformation des Magnetfeldes der Erde und erzeugen damit Polarlichter.

Sehr starke geomagnetische Stürme können sogar zu Stromausfällen führen. Die Aktivität im Erdmagnetfeld induziert sehr hohe Gleichspannungen in Überlandleitungen, die dann Kurzschlüsse durch Überschläge erzeugen. Dies passierte zuletzt 1989 in der kanadischen Provinz Quebec während eines geomagnetischen Sturmes der Stärke 5 auf der 5-teiligen Skala. Auch Satelliten können in Schwierigkeiten geraten: Das schwankende Erdmagnetfeld kann die Lagekontrolle beeinträchtigen.

Die derzeitige Aktivität der Sonne kann im Internet in Echtzeit verfolgt werden: Das Space Environment Center[7] der NOAA stellt ständig aktualisierte Grafiken[8] mit Röntgenstrahlung (X-Ray-Flux), Protonendichte (Proton Flux) und Zustand des Erdmagnetfeldes (Hp/Kp) bereit -- SpaceWeather.com preist sogar[9] einen entsprechenden telefonischen Alarmierungsdienst an. (uma[10]/c't)

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[2] http://www.dxlc.com/solar
[3] http://www.bbso.njit.edu/Images/daily/images/wfullb.jpg
[4] http://sohowww.nascom.nasa.gov/pickofth ... otsUsm.mpg
[5] http://sec.noaa.gov/NOAAscales/
[6] http://www.noaa.org
[7] http://sec.noaa.gov
[8] http://sec.noaa.gov/today.html
[9] http://spaceweatherphone.com/
[10] mailto:uma@ct.heise.de

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