Bevor die Sonne endgültig aufging, war bereits mind. 1 Minute lang ihr stark verzerrtes Spiegelbild über dem Horizont zu sehen. Das kommt auf dem Fichtelberg immer mal wieder, jedoch nicht allzu häufig vor, deshalb haben wir uns umso mehr gefreut.
Nachfolgende Fotos sind von Wolfgang, da ich die falsche Brille aufhatte und deshalb die Schärfe nicht erwischt habe
Noch ein paar Infos zum Novaya Semlja-Effekt. Die erste Dokumentation geht auf eine Tagebuchaufzeichnung des Schiffzimmermanns Gerrit de Veer zurück. Dort beschreibt er am 24. Januar 1597 einen Sonnenaufgang auf der russischen Nordpolarmeerinsel Novaya Semlja, der zwei Wochen früher als berechnet stattfand. Ähnliche Beobachtungen machten auch Nansen (1894, Arktischer Ozean), Shackleton (1915, Antarktis) und Liljequist (1951, Antarktis), welche die zu früh am Horizont stehende Sonne als horizontalen Streifen oder Quadrat beschrieben.
Erst 1998 wurde eine Erklärung dafür gefunden: Eine arktische Luftspiegelung. Während der Polarnacht sackt die Temperatur über der Schneedecke ab und steigt dann nach oben hin erst einmal an. Entlang der Temperaturgrenzlinie wird das Licht zur kälteren Schicht hin gebrochen, das heißt, der Lichtstrahl vollführt eine Art Wellenbewegung um die Grenzschicht herum und kann auf diese Art eine bedeutend größere Entfernung zurücklegen, als auf einer gerade Linie.
Bei einer Inversion herrschen auf dem Fichtelberg ähnliche Bedingungen. Über einer markanten kalten Schicht liegt eine sehr warme Luftmasse, deren Temperatur in der Höhe wieder allmählich abnimmt. Die Folge ist, dass die Sonne bis zu 14 Minuten vor dem astronomischen Sonnenaufgang bereits als Perlschnur oder Quadrat unterhalb der Inversionsschicht zu sehen ist, bevor sie über den Horizont „wächst“.
LG Claudia
P.S. Ich bevorzuge die "alte deutsche" Schreibweise, da ich mit der Amerikanisierten nichts anfangen kann ...