Venustransit photographieren mit 2 Polfilter?

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Hartmut Fiedler
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Venustransit photographieren mit 2 Polfilter?

Beitrag von Hartmut Fiedler » 3. Jun 2004, 11:00

Hallo,

als "unprofessioneller" Gelegenheits-astrophotograph eine Frage, vielleicht hat jemand eine Antwort. Meine Idee ist den Venustransit mit einer analogen Spiegelreflexkamera, Teleobjektiv und zwei gekreuzten linearen Polfiltern zu photographiern. Durch das 90Grad-Stellung der Polfilter zueinander kommt ja fast kein Licht durch, als hätte man einen starken Graufilter. Die Frage nun. sollte man dies tun oder ist es zu gefährlich für das Auge? (z.B. weil irgendeine Strahlung (IR z.B) durch die Polfilter doch durchkommt und mein Auge ausbrennt)
Danke und euch allen hoffentlich gute Sicht.

Wolfgang Dzieran
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Risiko

Beitrag von Wolfgang Dzieran » 3. Jun 2004, 11:51

Hallo,

ich muß ganz ehrlich sagen, das wäre mir zu risikoreich. Denn ein kleiner Verwackler oder Verschieber und schon ist alles durchgebrannt.

Auch weiß ich nicht, wie stark diese Polfilter tatsächlich dämpfen. Denn Du mußt immer berücksichtigen, das sichtbare Licht ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem gesamten Spektrum der Sonnenstrahlung. Infrarot-, Wärme-, besser Hitze geht wahrscheinlich kräftig durch, dafür wären mir Kamera und Auge zu schade.

Der einzig sinnvolle Schutz ist echte Sonnenfilterfilter (z.B. von Baader), dort

http://www.baader-planetarium.de/aktuel ... tm#warnung

oder bei anderen Astrohändlern direkt erhältlich, oder mal auf einer benachbarten Volkssternwarte fragen.

Wolfgang
aus Bad Lippspringe

Uwe Bachmann
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Beitrag von Uwe Bachmann » 3. Jun 2004, 15:07

Hallo Hartmut,

davon würde ich Dir dringend abraten, ich kann mich da Wolfgangs Meinung nur anschließen. Das Ganze ist so sicherlich ziemlich riskant und gefährlich, Folie ist allemal besser geeignet.

Gruß, Uwe

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Thomas_K
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Beitrag von Thomas_K » 3. Jun 2004, 15:16

Hallo Leute,
macht das nicht, es lohnt nicht.
Ich selbst habe das früher mal probiert, um mit dem Teleobjektiv Sonnenflecken zu fotografieren - die Dämpfung reichte bei meinen Polfiltern bei weitem nicht aus, um auch bei einem 1000stel mit normalempfindlichem Diafilm eine Überstrahlung der Sonnenscheibe zu verhindern.
Ergo: Kann für's Auge nicht tauglich sein, selbst wenn zwischenzeitlich die Fertigungstoleranzen von Polarisationsfiltern sicherlich besser geworden sein dürften.
Schönen Gruß
-Thomas aus Nauheim-
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André.Müller
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Beitrag von André.Müller » 3. Jun 2004, 18:18

Hi

Naja, optimal ist das natürlich nicht mit den gekreuzten Polfiltern, aber ich denke für Bilder sollte es reichen. Man sollte lediglich vermeiden durch den Sucher zu blicken. Ich habe 1996 die Sonnenfinsternis fotografiert in dem ich mein 400mm Objektiv manuel auf unendlich gestellt habe und dann die Frontlinse mit unterbelichtetem Diafilm beklebt habe. Auf die Sonne zielen geht ja auch ohne direktes hindurchblicken. Also entweder schräg in den Sucher gucken wann dort ein heller fleck zu sehen ist, oder gucken wann der Schatten des Objektivs auf sich selbst fällt, dass also der Rand des Objektivs nicht mehr Sonnenbeschienen ist.
Die Belichtung musst du am besten mal ausprobieren, aber da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Sonne=Weiß Venus=Schwarz. Solange die Sonne also nicht derart überbelichtet ist, dass sie die Umgebung mit beeinflusst (überläuft) sollte es keine Probleme geben!
Die 1996 SoFi hat sogar die Automatik meiner Kamera richtig hinbekommen (Mittenbetonte Integralmessung, Spot hatte ich damals noch nicht, sollte aber auch gehen.)

Viel Erfolg!

André

PS:
Mittlerweile hab ich allerdings alle meine Teleskope und Objektive mit Folienfiltern ausgestattet.

CarstenH(carhu)
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Finger Weg!

Beitrag von CarstenH(carhu) » 3. Jun 2004, 19:21

Hallo Hartmut,

BITTE FINGER WEG VON POLFILTERN UND UNTERBELICHTETEN DIA's, RETTUNGSDECKEN, CD's und und...

Das ist es echt nicht wert!
Als Hintergrund zu den Polfiltern:
Ich arbeite in einer Firma für Fiber-Optics und optischen Richtfunk und vor einiger Zeit hatten wir versucht bei einem Richtfunkgerät, das im Infrarotbereich (bei 850nm) arbeitet unerwünschte Reflektionen dadurch zu bekämpfen den Sender und Empfänger mit "gekreuzen" linearen Polfilterfolien zu versehen. Es stellte sich jedoch schon nach kurzer Zeit heraus, daß die Methode NICHT funktioniert, da die erhältlichen photografischen Polfilter bei 850nm schlichtweg unbrauchbar sind!

Als Beweis hier nochmal ein Bild von meinem Schreibtisch hier aus:

Bild

Wie man auf dem Bild sieht klappt es eigentlich ganz gut durch das Kreuzen das Licht von Draußen abzudunkeln. Währe da nicht der helle Punkt, an der Stelle etwas links neben der Stelle wo sich die Polfiltergewinde berühren.
Der kommt von meiner Fernseh-Fernbedienung die ich in der rechten Hand halte und damit durch die gekreuzen Polfilter auf die Kamera ziele.
Dieser Punkt wird sichtbar, da der Sensorchip in der Kamera im Gegensatz zu Deinem Auge für den Infrarotbereich empfindlich ist.
Im Spektrum der Sonne ist jedoch jede Menge Infrarot enthalten!
Und wie Du schon geschrieben hast, das IR KOMMT durch und WIRD Dein Auge ausbrennen.

@André
Ich halte es echt für riesiges Glück, daß Deine Augen und Deine Kamera noch funktionieren!


Mit besten Grüßen

Carsten

André.Müller
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Beitrag von André.Müller » 3. Jun 2004, 21:17

Hi Carhu

Meine Augen funktionieren noch sehr gut, da ich nicht durch den Sucher blicke, sondern nur nach dem Schatten sehe oder den Sucher von schräg betrachte, so dass ich im Sucherfenster sehen kann wann hier der Hellste Punkt getroffen ist, dann ist die Sonne im Bild.
Wegen der Mattscheibe der Kamere hab ich sogar mal mit Nikon direkt telefoniert. Ich mache hin und wieder auch Mehrfachbelichtungen, wo die Sonne dann über den Tag hinweg den Himmel entlangwandert. Bei Nikon hat man mir versichert, dass es der Mattscheibe bei einem WW gar nichts aus macht wenn die Sonne im Gesichtsfeld ist und bei einem Tele keinen Schaden nimmt, wenn man es nicht mehr als einige Sekunden auf die Sonne richtet. Allerdings hat er auch davor gewarnt in diesem Fall NICHT durch den Sucher zu schauen!!

Allerdings muss man natürlich sagen, sind 20,- Für ein Din A 4 Blatt Sonnenfilterfolie tatsächlich nicht viel, wenn man bedenkt wie viele Objektive man damit bedecken kann. Und aus den Resten kann man nochmal jede Menge Brillen für die Schaulustigen oder mini Filter für die alten 8x30 aus dem Aldi oder Plus machen ;)

Ich bin nicht Leichtsinnig, aber ich denke auch das man technische Geräte ruhig bis an ihre Grenze treiben darf. Das "biologische" Auge natürlich NIEMALS!!!!

André

Hartmut Fiedler
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War wohl blöde Idee

Beitrag von Hartmut Fiedler » 3. Jun 2004, 22:43

Danke für die Antworten,

ich hatte so ein Polfilterphoto mal mit einer schwachen Glühlampe gemacht, den Glühfaden photographiert.
Aber bei der Sonne laß ich es dann besser.
Da ich bis Dienstag keine Folie bekomme, (wo bekommt man die? , in Kaiserslautern gibt keinen vernünftigen Photohändler mehr), versuche ich eine Kamera mit Mattscheibe aufzutreiben (ohne Sucher), damit soll es ja sicher sein.
Viel Spaß beim beobachten.

André.Müller
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Beitrag von André.Müller » 4. Jun 2004, 10:50

Hi

Von "sicher sein" hab ich nichts gesagt. Es geht damit ohne deine Augen zu gefährden!
Was hast du denn für eine Kamera? Eine Kamera mit Mattscheibe und ohne Sucher wird es wohl nicht geben. Du Benötigst einfach nur eine Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv!

Folie bekommst du z.B. bei http://www.s-p-a-c-e.de/ oder bei http://www.teleskop-service.de/vorschau ... /sonne.htm

Und wenn du da heute anrufst und sagst es sei ein "Notfall" dann sollte die bis Montag in deinem Briefkasten sein ;)

Viel Erfolg bei der Venusbeobachtung!

André

Dieter R
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Beitrag von Dieter R » 6. Jun 2004, 20:28

Hallo Andre,
doch es gibt Kameras mit Mattscheibe und (ohne) Sucher. Z.B. Nikon F3 F4, F5, Canon F1, Pentax LX, die meisten Mittelformatkameras von 4,5/6 bis 6/9 bei diesen Kameras kannst Du den "Kopf" austauschen gegen einen Schachtsucher, Winkelsucher etc. Und auf der Mattscheibe kannst Du schön klein die Sonne sehen und damit auch Dein Objekt der Begierde scharfstellen.

Gruß Dieter

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