Mit einiger Verspätung hier noch die versprochene kurze Zusammenfassung der gestern veröffentlichten Ergebnisse bzgl. der nassen Vergangenheit von Meridiani Planum.
Bereits unmittelbar nach der Landung von Opportunity in einem kleinen Krater, waren die freiliegenden Gesteinsschichten mit ihrer extrem feinen Schichtstruktur aufgefallen, wie sie häufig durch Sedimentation in Gewässern entstehen.

Landeplatz von Opportunity als 3-D Modell
Am "El Capitan" genannten Punkt wurde in den letzten Wochen alle wissenschaftlichen Instrumente des Rovers, die dieser auf dem IDD (instrument deployment device, kurz Arm) mitführt, einem vollen Einsatz unterzogen.

El Capitan
Das Mikroskop (microscopic imager, MI) konnte Aufnahmen von der feinen Schichtstruktur machen. Dabei fielen besonders kleine, flache Aushölungen von der größer einer 10 Cent Münze auf. Diese ähneln Strukturen auf der Erde, die entstehen, wenn Kristalle durch Wasser aus festem Gestein ausgewaschen werden.

MI Aufnahme mit zahlreichen Aushölungen
Weiterhin konnte man innerhalb der Gesteinsschichten kleine, fast perfekt runde Kugeln (Spherulen) finden, die man scherzhaft auch Blaubeeren nennt, da sie in den häufig durch einen Blaufilter aufgenommenen Bildern besonders auffallen. Diese Kugeln sind teilweise rundherum von den oben erwähnten Aushölungen umgeben. Da die Kugeln gleichmäßig innerhalb der Gesteinsstruktur verteilt sind, schließt man eine Entstehung durch Vulkanismus oder Meteoriteneinschläge aus, denn bei diesen Szenarien sollte es eine Anhäufung der Kugeln in speziellen Schichten geben. Vielmehr handelt es sich bei den Kugeln höchstwahrscheinlich um "Kongregationen". Sie entstehen, wenn ausgewaschene Salze innerhalb eines Gesteins an Kristallisationskeimen wieder aus der Salzlauge auskristallisieren. Da dieser Prozess langsam, aber kontinuierlich vonstatten geht, entstehen perfekte Kugeln.

MI Aufnahme
Die endgültige Untermauerung der These, dass die Region in der Opportunity gelandet ist, durch Wasser geformt wurde, gelang dann mit den beiden in Mainz und Darmstadt entwickelten Spektrometern.
Mit dem APX-Spektrometer wurde, nachdem man mit dem Rock Abrasion Tool die Oberfläche abgetragen hatte, in El Capitan eine so hohe Konzentration von Schwefel gemessen, wie man sie nie zuvor auf Mars gesehen hatte.

Ausschnitt eines APX Spektrums der Teilregion McKittrick in El Capitan (blaue Kurve) im Vergleich mit einem Staubspektrum vom Boden des Kraters (rote Fläche)

Komplettes APX-Spektrum der Teilregion McKitrick in El Capitan
Der gefundene Schwefel liegt hier in Form von Sulfaten vor, was man mit Hilfe des Mössbauer Spektrometers eindrucksvoll beweisen konnte.
Dieses Spektrometer kann unterschiedliche Eisenhaltige Mineralien nachweisen. In El Capitan konnte man das auf der Erde seltene Mineral Jarosit nachweisen, bei dem es sich um eine Eisen-Hydroxid-Sulfat Verbindung handelt und das sich nur in Gegenwart von Wasser bildet.

Mössbauer Spektrum von El Capitan
Einen weiteren Beweis für das Vorliegen des Schwefels als Sulfat lieferte das miniTES Instrument, mit dem Infrarotspektren der Gesteine aufgenommen wurden.

miniTES Spektrum von El Capitan (weiß), Sulfatverbindung im Labor (gelb), Silikat- und Eisenoxidverbindung im Labor (blau) und Fit an die Daten (grün).
Aus der guten Übereinstimmung des Minimums bei etwa 7 mikroMeter Wellenlänge schließt man auf das Sulfatvorkommen.
Wie geht es jetzt weiter?
Zunächst ist man gestern zu einem weiteren Punkt in der Gesteinsformation gefahren, den man "Last Chance" nennt.
Hier hat man mit der PanCam gebogene Schichten gefunden, wie sie in fast allen Fällen nur durch fließendes Wasser entstehen. Diese Strukturen will man sich in einer große MI Kampagne ansehen, d.h. man wird mit viele Mikroskopaufnahmen einen Großteil der Region aufnehmen.
Natürlich wird es auch dort wieder Spektrometer-Einsätze geben, aber wohl nicht mehr mit Messzeiten von 24 Stunden.

PanCam Aufnahme von Last Chance
Wenn man das abgeschlossen hat, geht es noch zu einer kleinen Mulde, in der sich viele der Kugeln gesammelt haben, so dass man eine geschlossene Fläche dieser Objekte mit den Spektrometern untersuchen kann. Hier sollte sich dann endgültig zeigen, ob es sich bei den Kugeln um die schon erwähnten Kongregationen handelt.
Längerfristig, wohl so in ca. 2 bis 3 Wochen soll es dann aus dem Krater heraus und in die eigentliche Meridiani Ebene hineingehen.
Hier wird man dann zunächst den Boden untersuchen, wo man die großen Hämatitvorkommen noch bestätigen will. Mittels des miniTES Instrumentes hat man sie aber dort bereits deutlich gesehen.
Weiter geht es dann zum 160m durchmessenden Krater "Endurance", der etwa 720 Meter entfernt vom aktuellen kleinen Karter ist.

PanCam Aufnahme des Kraters Endurance
Soviel ersteinmal zu Opportunity.
Zum Abschluss noch ein kurzer Bericht zu Spirit.
Im Gusev Krater sitzt Spirit gerade vor dem Stein Humphrey und versucht ein Loch in ihn zu bohren. Das hat gestern nur zum Teil geklappt und wird morgen fortgesetzt. Anschließend nimmt man in diesem gebohrten Loch wieder APX und Mössbauerspektren auf.

Humphrey nachdem mit dem RAT 3 Stellen vom Staub freigebürstet wurden.
In 1 oder 2 Tagen soll es dann wieder weiter auf die Reise zum Krater Bonneville gehen. Bis zum Rand des Kraters will man in ca. 2-3 Wochen gekommen sein.
Mal sehen, ob es sich dabei dann auch um eine wissenschaftliche Goldmine handelt, wie dies ja bereits bei Spirits Schwester Opportunity der Fall ist.
Schöne Grüße
Ulrich