Geister-Polarlicht letzte Nacht in Bodø

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Katja Gottschewski
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Geister-Polarlicht letzte Nacht in Bodø

Beitrag von Katja Gottschewski » 12. Mär 2004, 20:59

Hallo,

letzte Nacht gab es endlich mal wieder klaren Himmel und Polarlicht. Das hellste Polarlicht gab es so zwischen 20:30 und 21:00 MEZ, mit schoenen Koronen und Vorhaengen. Da war leider die Kamera noch nicht aufgebaut, so dass ich davon keine Bilder habe. Aber das spannendste Polarlicht kam erst viel spaeter, ich glaube, es fing etwa um 1:30 an. Es war vorher mal wieder etwas heller geworden, und ich war draussen, um meine ersten (!) Bilder des Jahres zu machen. War nicht so doll, und ich habe nur sehr wenige Bilder gemacht. Aber dann fing die seltsamste Show an, die ich je gesehen habe. An verschiedenen Stellen des Himmels (aber hauptsaechlich im Osten) tauchten riesige unfoermige Flecken auf und verschwanden nach ein paar Sekunden wieder. Meistens breitet sich das Polarlicht ja allmaehlich aus (auch wenn das wahnsinnig schnell gehen kann), aber diese Flecken erschienen als Ganzes, so, als haette jemand das Licht angeknipst. Das war total faszinierend und beinahe unheimlich - ich konnte zum ersten Mal nachvollziehen, dass das Polarlicht einigen Leuten Angst einjagt. Der zeitliche Abstand zwischen dem Auftauchen eines Flecks und des naechsten Flecks in der Naehe des ersten (nach Verschwinden des ersten) war meistens so um die 4 Sekunden, manchmal auch wesentlich kuerzer oder laenger. Ich glaube, Ulrich hat sowas Aehnliches aus Finnland beschrieben, aber ich hatte das bisher noch nie gesehen (man kann also auch nach 4 Jahren noch Ueberraschungen erleben!) Weiss jemand, wie das zustande kommt? Ach ja, Bilder habe ich in dieser Phase uebrigens fast nicht gemacht - das Polarlicht war eher schwach und waere ohne das ploetzliche Auftauchen und Verschwinden eher langweilig gewesen.

Gruesse aus dem Norden,
Katja (die heute Photos vom 20.11. und 20.12. zurueckgekriegt hat - vom 20.11. gibt es ein paar ganz huebsche Bilder)

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Sebastian G.
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Re: Geister-Polarlicht letzte Nacht in Bodø

Beitrag von Sebastian G. » 12. Mär 2004, 21:17

Hallo Katja.
Katja Gottschewski hat geschrieben: An verschiedenen Stellen des Himmels (aber hauptsaechlich im Osten) tauchten riesige unfoermige Flecken auf und verschwanden nach ein paar Sekunden wieder. Meistens breitet sich das Polarlicht ja allmaehlich aus (auch wenn das wahnsinnig schnell gehen kann), aber diese Flecken erschienen als Ganzes, so, als haette jemand das Licht angeknipst.
Komisch, daß mir das erst jetzt auffällt. Aber das allererste Polarlicht was ich hier in Finnland gesehen habe paßt ziemlich genau zu dem was Du da beschreibst.
Es war am 19.11.2001 abends und ich habe an den Beginn der Show genau diese Erinnerung. Es war so ein wenig als ob jemand mit einem Sykbeamer (buuuh!) am Himmel ganz schnell Flecken hin und her wandern läßt. Ich erinnere mich auch daran, daß es fast weiß war bzw. so erschien.

Ich habe sowas seitdem auch nicht mehr gesehen. Könnte das so eine Art extremer Corona-Effekt sein. Daß man quasi direkt von unten in die Polarlichter hineinschaut? Corona-Ereignisse sind zumindest die einzigen die wenigstens ein bißchen in diese Richtung gehen.

Gruß,
Sebastian

PS: Ich selbst habe irgendwann von 1930-1950 UTC ein paar nette Beobachtungen gehabt, leider aber nur aus der Stadt - und zu allem Überfluß war auch noch das Flutlicht am Skihang an :( Das stärkere Display später am Abend habe ich leider nicht mehr sehen können, ich mußte heute wieder früh raus.

Torsten Serian Kallweit

Kenn' ich glaube ich auch

Beitrag von Torsten Serian Kallweit » 12. Mär 2004, 21:19

Hi Katja,

als ich 1991 das erste mal zwischen Farröern und Island so an und ausgehende Flecken im Himmel gesehen hatte, war ich mir nicht sicher, ob das Polarlicht war oder die Folge des leckeren "Lagers", das auf der Norröna (Fähre nach Island) ausgeschenkt wurde. Irgendwann dachte ich doch: hm, ja, wird wohl PL sein. Ich habe sowas dann erst letztes Jahr in Mittelschweden (März/April) wieder gesehen, dort aber direkt an mehreren Abenden hintereinander. Da ich bei dieser Tour (siehe: http://serian-polarlichtfotos.privat.t- ... ks2003.htm ) aufgrund eines/mehrerer Coronal Holes 13 mal PL in 16 Nächten sehen konnte (ganz leichte grüne Bögen an 2 Nächten gar nicht mitgezählt), nehme ich an, daß sowohl das schnell pulsierende PL als auch das langsamer an und ausgehende PL irgendwie mit CHs zusammenhängen könnten. Da Du jetzt da oben bei Dir unter ausgiebigem Einfluß eines CHs stehst, würde das diese Theorie bestätigen. Warum aber CHs besonders gerne pulsierende PLs erzeugen, werden uns wohl nur die Engel veraten können :roll: .

Grüße

Torsten

Dirk L
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Beitrag von Dirk L » 13. Mär 2004, 02:20

Was du da beschreibst klingt so etwa so wie "pulsating aurora". Es ist dabei in der Regel so dass so ein "Fleck" in etwa gleicher Form wiederkommt, nachdem er verdunkelt ist. Das kann sich mehrmal wiederholen. Die Form aendert sich dabei langsam, und der Fleck kann manchmal insgesamt leicht driften.

Das ist eigentlich gar nicht so selten, bloss wird es selten gesehen. Ein Grund ist, dass das ein Phaenomen ist das normalerweise in den Morgenstunden auftritt. Aber zu einem richtigen Lehrbuch-Substorm gehoert eigentlich die pulsating aurora in den Stunden nach dem substorm. Die pulsating aurora ist auch meistens nicht sehr hell. Die Kombination von fruhem Morgen und maessigen Helligkeit sorgt dafuer dass so wenig Leute diese pulsating aurora sehen. In seltenen Faellen (und offenbar hast Du gestern sowas erlebt) sind die pulasting patches recht hell, dann sieht man auch scharfe Kanten. Das ist dann recht eindruckvoll.

Wenn Du ein all-sky movie (eine ganze Nacht auf ein paar Sekunden zusammen gefasst) anguckst, dann sieht man diese Pulsationen meist recht gut. Ich arbeite gerade am 30 Jan 1998, das sieht man das z.B. in den fruehn Morgenstunden (ganz am Ende des movies in der oberen Bildhaelfte) http://gedds.pfrr.alaska.edu/storage/19 ... 980130.mpg.

Uebrigens, wenn man (mittels Triangulation von 2 oder 3 Stationen) versucht die Dicke dieser patches zu messen, dann stellt man fest dass diese Sorte Aurora sehr duenn (in vertikaler Richtung) ist, ganz im Gegesatzt zu normaler Aurora, deren "Vorhaenge" mehrere hundert kilometer lang (in vertikaler Richtung) sein koennen.

--Dirk

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Katja Gottschewski
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Beitrag von Katja Gottschewski » 13. Mär 2004, 21:10

Hallo Sebastian, Torsten und Dirk,

vielen Dank fuer die Antworten! Unter pulsierendem PL hatte ich mir immer etwas Schnelleres vorgestellt (so wie beim "wellenartigen Pulsieren"). Aber es stimmt wohl, dass die Flecken mehrmals an der gleichen Stelle und in gleicher Form auftraten, dann allerdings in sehr viel laengerem Abstand als 4 sec. Mir ist z.B. ein laenglicher Fleck mehrmals aufgefallen. Ich werde jetzt mal mehr auf solches Polarlicht achten. Ich habe schon oefter "fleckiges Polarlicht" gesehen und habe wohl auch einzelne Flecken auftauchen und verschwinden sehen. Da haette ich wahrscheinlich nur laenger und genauer beobachten muessen. Aber die von Dirk beschriebenen Bedingungen erklaeren auch, warum ich selten die Gelegenheit zu solchen Beobachtungen habe. In den fruehen Morgenstunden kann ich leider eigentlich nur am Wochenende beobachten, und wenn ich von zu Hause aus beobachte, habe ich ausserdem viel Lichtverschmutzung, so dass schwaches Polarlicht schwer zu sehen ist.

Mit CH-Polarlicht habe ich bisher vor allem sehr schnelles, helles Polarlicht mit klaren, feinen Strukturen, oft mit ausgepraegter rosa Unterkante, verbunden, also in gewisser Weise das genaue Gegenteil von diesem ziemlich statischen (in "angeknipstem" Zustand), eher schwachen und strukturlosen Polarlicht. Aber vielleicht ist ersteres der typische Beginn und letzteres das typische Ende?

Gruesse aus Bodø,
Katja

Dirk L
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Beitrag von Dirk L » 13. Mär 2004, 22:33

Wenn die Aurora sehr hell und intensiv wird, dann sieht man gelegentlich auch "flickering aurora" Das sind an-aus Zyklen die wesentlich schneller sind, ein Bruchteil einer Sekunde. Mit entsprechenden Geraeten kann man da sogar Variationen im kHz Bereich messen. Die Mechanismen die zu "flickering" und "pulsating" Aurora fuehren sind nicht vollstaending verstanden, aber es sind auf jeden Fall grundlegend verschiedene Ursachen.

Pulsating aurora tritt mit Perioden auf die vergleichbar sind mit der Zeit die ein Elektron braucht um von einer Hemisphaere zur anderen (und zurueck) zu fliegen, und die Pulsations sind wohl mit diesem "bounce process" verbunden.

Flickering aurora ist notwending ein "lokaler" Prozess (d.h. das muss in einer Hoehe von ca 1000-5000 km oder niedriger seine Ursache haben). Wenn es hoeher waere, dann wuerde das alles voellig verwaschen sein: die schnelleren Elektronen kommen schon an, wenn die langsamen vom vorherigen Puls noch nicht da sind.

Flickering aurora hat uebrigens auch diese "persistence" d.h. ein "Gedaechnis" das die Form erhaelt. Ich finde "flickering aurora" ist ein Schauspiel das aus allen anderen Aurora Vorstelleungen herraussticht. Leider sieht man das recht selten, aber wenn man es sieht ist es das beste was Aurora zu bieten hat!

--Dirk

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Beitrag von Peter Broich » 13. Mär 2004, 23:05

Hallo Dirk.

Deine Ausführungen sind recht interessant. Es macht spass Deine Postings
zu lesen. Leider haben wir in mittel Germany wenig Gelegenheit dieses
Phaenomehn zu beobachten.

Ich wuensche mir das Du mal oeftrs hier in Forun Deine Meihnung in Sachen Polarlicht aeussern wuerdest, und auch Deine Arbeiten hier zum
Teil veroeffendlicht. So wie das letzte Vidio.

Gruß pit03.

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Beitrag von Ralf Pitscheneder » 14. Mär 2004, 11:47

Hallo Dirk,

ich kann mich Peters Worten nur anschliessen. Diese Sonderformen der Aurora waren mir bisher völlig unbekannt, wieder etwas dazugelernt !

Danke für den Beitrag !

Gruß
Ralf
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Re: Geister-Polarlicht letzte Nacht in Bodø

Beitrag von Dieter R » 18. Mär 2004, 22:27

Hallo Katja,
Du beschreibst wahrscheinlich auch das was ich bisher nur einmal sah. Es war gigantisch! Der Himmel war übersät mit "kleinen Bomben". So hatte ich es in Erinnerung. Es tauchten immer neue unsagbar schöne Formen auf über den ganzen Himmel verteilt. Nur sehr kurz. Ich hatte es mir so vergestellt wie bei einem Luftangriff wo am ganzen Himmel immer wieder kleine Bomben explodierten und wieder verschwanden. Es war meine ich auch farbig. Ich konzentrierte mich irgendwann nur euf ein paar wenige Stellen weil es so schnell wieder weg war und ich es dann nicht mehr geniessen konnte. Das Auge kam nicht hinterher. Schade das es da keine Bilder davon gibt.
Gruß Dieter

Tina

Pulsating aurora

Beitrag von Tina » 15. Nov 2004, 06:08

hallo,

ich kann nicht sagen, dass pulsating auroras selten sind, ich habe sie bisher bei jeder sichtung beobachten können. Meistens kurz nach einem substorm um mitternacht oder früher, aber niemals in den morgenstunden. Ich hatte bisher zweimal das vergnügen einer morgentlichen aurora, und jedesmal war es ein grosser sturm mit kp um 9, die lichter traten in verschiedenfarbigen vorhängen auf, waren sehr intensiv und 180 am himmel zu erkennen bis die mörgendämmerung sie übertönte. flackernde bzw. pulsierende auroras waren bei mir immer fächerartig vertikal im zenit oder bezogen sich auf den aurorabogen, welcher sich dann wie eine schlange zu winden scheinte.

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Katja Gottschewski
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Beitrag von Katja Gottschewski » 15. Nov 2004, 15:42

Hallo Tina,

was Du beschreibst, klingt fuer mich nach dem, was im STD-Beobachtungsformular mit "wave-like pulsations" beschrieben wird. Das habe ich auch schon zigmal gesehen. Das "Geisterpolarlicht", das diesen Thread ausløste, war ganz anders - wie beschrieben, handelte es sich um grosse unførmige blasse Flecken, die im Abstand von mehreren Sekunden auftauchten und verschwanden. Ich habe sowas inzwischen mehrmals gesehen, aber nicht oft.

Gruss,
Katja

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