Photometrie des "Supermondes" am 26./27. April 2021

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Elmar Schmidt
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Photometrie des "Supermondes" am 26./27. April 2021

Beitrag von Elmar Schmidt » 27. Apr 2021, 09:53

Hallo,

von meinen Vorträgen wißt Ihr ja, daß ich den Begriff "Supermond" für ziemlich unwissenschaftlich halte, und das nicht nur, weil er auf einen Astrologen zurückgeht. Selbiges trifft erst recht auf den angeblich "pinken" Vollmond der gestrigen Nacht zu, auf den ich angesprochen wurde, ohne jemals davon gehört zu haben. (Ohne Arroganz paßt das - und noch einiges andere - für mich alles in ein neues Mittelalter medialer Pseudowissenschaft, aber das nur mal am Rande...)

Allerdings traten gerade tatsächlich kleine Phasenwinkel zu der Perigäumsnähe von 357 000 km hinzu, so daß ich den hellsten* Vollmond seit 2018 messen konnte:

Bild

Die drei Meßpunkte (von rechts nach links) datieren vom 26.4. um 23:05 und 23:57 MESZ und dann vom 27.4. um 2:06 MESZ, wobei der Phasenwinkel von 2,88 Grad erreicht wurde. Als der Wecker anderthalb Stunden später klingelte, betrug er 2,4 Grad, bei immer noch ca. 20 Grad Mondhöhe, aber da waren leider schon Cirren aufgezogen, in denen der obere Teil eines 22-Grad-Rings stand. Die Messung mußte daher verworfen werden. (Zum eigtl. Vollmondzeitpunkt um 5:32 MESZ betrug der Phasenwinkel sogar nur knapp 2 Grad, aber das fiel in die Morgendämmerung mit einer Mondhöhe von nur noch 8 Grad, bei welcher Photometrie hierzulande illusorisch ist.)

Wenn man (in gebotener Vorsicht) die reduzierten Helligkeiten extrapoliert, käme man unter 2 Grad auf fast -13,1 mvis. Das stimmt mit meinen früheren Messungen und Modellierungen zum Oppositionseffekt überein und ist fast 40% heller als ein Durchschnittsvollmond von -12,74 mvis bei ca. 5 Grad Phasenwinkel. Unterhalb von 1,5 Grad Phasenwinkel ist der Vollmond übrigens i.a. schon in den Erdhalbschatten eingetreten.

Apropos Modellierung: mein Mondhelligkeitsmodell ist in Andreas Möllers https://www.sky-calc.com/moon/data/ eingebaut. Zuletzt am 21. März aktualisiert (noch nicht in SkyCalc...), bildet es die gestrigen Werte auf 0,02 mvis (besser als 2%) genau ab, vgl.

viewtopic.php?f=1&t=60038

Zum Verständnis muß man noch wissen, daß alle Mondhelligkeiten bei mir immer auf 0 Grad Zenitdistanz (und Meereshöhe) reduziert werden; denn in Höhen zw. 28 und 30 Grad bei den gestrigen Messungen wird der Mond um 11-12%% abgeschwächt, das sind mehr als +0,12 mvis.

Gruß, Elmar


*das stimmt nur bedingt, wenn man, wie ich es zum Studium des Oppositionseffekts sonst mache, die Vollmondhelligkeit auf mittlere Abstände des Mondes von Erde und Sonne standardisiert. In der Hinsicht wurden gestern Nacht nur -12,80 mvis erreicht, während der "standardisierte" Vollmond am 28. Januar 2021 schon bei 4 Grad Phasenwinkel -12,88 mvis hell war. Das dürfte so aber eigentlich nicht sein; denn die Phasenhelligkeitskurve sollte zu betragsmäßig kleineren Winkeln hin monoton ansteigen. (Allenfalls die - zwischen den beiden genannten Messungen im Betrag um 4 Grad unterschiedliche - Libration könnte qua Mondtopographie noch zusätzlich Einfluß auf die Helligkeiten nehmen, was aber erst nach dem großen Aufwand einer Betrachtung der Residuen aller meiner Messungen nachweislich zu sein verspricht, vorausgesetzt, der Effekt ist im Prozentbereich der Mondhelligkeit merklich.)

Einstweilen hat der scheinbare Widerspruch in diesen Werten für mich mit den unterschiedlichen Mondhöhen zu tun, die im Januar über 53 Grad betrugen, verbunden mit der im Tiefland immer etwas problematischen Annahme einer weitgehend aerosolfreien Rayleigh-Atmosphäre zur Zenitreduktion. Dies ist heuristisch in die asymmetrischen Fehlerbalken des Diagramms "eingepreist", welche so interpretierbar sind, daß der gestrige Vollmond "besser hochstehend" auch etwas über -13 mvis hätte ausfallen können. Sorry, aber Absolutmessungen beim Mond sind ein hartes Brot :(

In der meist trockenen Luft im Hochland von Hawai'i wurden nahe der Totalen Mondfinsternisse selbst in den dann von 3400 m auf Meereshöhe künstlich "verschlechterten" Mondhelligkeiten bis über -13,2 mvis erreicht! Apropos Hawai'i: die hier völlig unsichtbare und vom Mondabstand her fast identische "Supermondfinsternis" am 26. Mai 2021 wird mir wohl leider ausfallen, weil meine dreimalige Meßstation 700 m unter dem Gipfel des Mauna Loa seit 2020 nur Stammpersonal reinlassen darf.

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