wo ist die Dunkelheit geblieben?

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Moderator: Claudia Hinz

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Bertram Radelow
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wo ist die Dunkelheit geblieben?

Beitrag von Bertram Radelow » 19. Sep 2018, 21:51

hi,
ich war gerade eine Nacht in der Erb Chegaga im Süden Marokkos, unendlich weit weg von irgendwelchen Lichtquellen. Nach Monduntergang um ca. 1 Uhr nachts war die gesamte Lichtleistung im Umkreis von 100km wohl unter 10 Watt...
Zu meiner grossen Überraschung war es "taghell", ich konnte problemlos in der Wüste und durch das stockdunkle Camp herumlaufen, einen Stuhl holen usw. Von früher kenne ich absolut schwarze Nächte vom Truppenübungsplatz (Hand vor Augen nicht gesehen, Augen waren maximal akkommodiert und sahen auch ohne Drogen Unmengen von leuchtenden verrottenden Wurzeln und Pilzen) und aus Namibia (kein Horizont erkennbar!!! Allerdings keine maximale Akkommodation).

Und diesmal konnte ich meine Armbanduhr ablesen, nur im Sternenlicht... Ist das normal? Der Himmelsanblick war aber auch so gigantisch. Von M31 wusste ich nur irgendwo bei Kassiopeia, fand ihn dann auch mit blossem Auge und konnte sogar die Scheibe schwach sehen, nicht nur den Bulge! Und die Pleijadensterne waren gut erkennbar verschleiert - ich habe mehrfach mit anderen Sternen verglichen um auszuschliessen dass ich mir einbilde etwas zu sehen von dem ich weiss dass es da sein müsste.

Für diese Nacht hatte ich mir extra ein Milchstrassenglas gekauft. Wer es nicht kennt: ein extrem lichtstarker (und schwerer!) Monster-Operngucker mit nur 1,4×1,4-facher Vergrösserung, der vor allem als Lichtsammler dient und nur bei voll offener Pupille etwas bringt. Alle Blicke dadurch liessen daheim enttäuschenderweise eigentlich gar keinen Unterschied zum blossen Auge erkennen, aber jetzt: WOW!! Im rechten V des Kassiopeia-Ws waren locker 6 schwächere Sterne klar zu sehen, wo ich mit blossem Auge nichts gesehen habe. Die Kassiopeia passt locker ins Bildfeld übrigens. Wer auch mal die Chance auf so eine Nacht hat: unbedingt besorgen!
_____

Aber: woher kam das Licht am Boden? Es war wie schwacher diffuser Mondschein, aber der Mond war ja definitiv untergegangen...

Bertram

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wolf-peter hartmann
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Re: wo ist die Dunkelheit geblieben?

Beitrag von wolf-peter hartmann » 20. Sep 2018, 14:53

hallo bertram,
ev kann ich darüber aufschluss geben, woher das licht kam: wohl von der milchstraße, vermute ich.
am SSFT(SüdSternFreundeTreffen) und auf dem gamsberg dieses jahr waren nicht nur "nordlichter" erstaunt, wenn man ihnen zeigte, dass die milchstraße schatten wirft! zuden könnte mars auch dazu beigetragen haben.
meine erfahrungen mit namibia sind übrigens anders als deine: da knipst der horizont die sterne an und aus - und ist sehr gut zu sehen
mstfrg

wolf

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Bertram Radelow
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Re: wo ist die Dunkelheit geblieben?

Beitrag von Bertram Radelow » 20. Sep 2018, 16:03

Milchstrasse, ja, bleibt wohl nichts anderes übrig. Mit Namibia meinte ich wohl dasselbe wie Du: der Horizont selbst war nicht erkennbar, es fing einfach der Sternenhimmel an, in gleicher Intensität wie im Zenith. Vielleicht stand damals (1995) die Milchstrasse anders, ich erinnere mich nicht mehr.
Bertram

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