Tagesbeobachtungen Ende August 2024

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Christoph Gerber
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Tagesbeobachtungen Ende August 2024

Beitrag von Christoph Gerber » 28. Aug 2024, 19:32

Tagesbeobachtungen Ende August

Eine kräftige Hochdruckbrücke beschert uns eine längere Hochdruckphase mit (fast) wolkenlosem und meist klarem Himmel über mehrere Tage hinweg. Glücklicherweise zum Zeitpunkt der Konjunktion vom (fast noch) Halbmond mit Jupiter am Morgenhimmel (s. auch Re: Mars und Jupiter... und Mond und El Nath am 27.8.). In diesen Tagen versuchte ich Tagesbeobachtungen von Jupiter und Venus mit bloßem Auge; das Aufsuchen von Sirius scheiterte dagegen.

JUPITER (Elong. etwa 76°w):
Mo. 26.8. ca. 11:00 – 11:18 MESZ: J wider Erwarten mit 12x60 in einer Mondentfernung von 16° erfasst – als recht helles, weißes Scheibchen. Neben dem Geäst des Kirschbaums nicht mit BA gesichtet, aber 2–3x beim „Erstblick“ ganz kurz erhascht.
Di. 27.8. 8:24 MESZ: J für ein paar Sekunden sehr schön zu sehen, ansonsten verliefen alle weiteren Versuche negativ. (J 6.0° vom Mond entfernt). 11:08–11:11 MESZ (neben dem Kirschbaum, wie gestern): Zunächst äußerst schwierig, dann aber doch wiederholt und sicher mit BA, wenn auch knapp oberhalb der Wahrnehmungsgrenze (11:11 verschwindet J hinter dem Kirschbaum).
Mi. 28.8. 10:24–10:30 MESZ: Mondentfernung 12.4°; mit BA an Wahrnehmungsschwelle, keine gesicherte Sichtung. 11:05–11:11 MESZ: um 11:06 J für eine längere Zeit gut sichtbar – aber leider nicht wiederholbar. 11:09 bei Erstblick kurz gesichtet, danach nochmals für mehrere Sekunden. 11:10 nochmals für ein paar Sek gesichtet, knapp über Wahrnehmungsschwelle.

VENUS (Elong. etwa 22°o):
Sa. 24.8. 13:20–13:30 MESZ. V nach einigem Suchen endlich im Blickfeld des 12x60 , aber mit BA erfolglos.
So. 25.8. 15:00 MESZ. V wieder erst nach einigem Suchen mit 12x60 gefunden; mit BA kein Erfolg, auch wenn 2–3x für einen Augenblick erhascht („Erstblick“).
Mo. 26.8. 12:30-12:50 MESZ. Ohne Anhaltspunkt V auch nicht mit 12x60 zu finden. Um 12:35 neben einem kleinen Wolkenfetzen erfasst (der war aber schon wieder weg, als ich es mit BA versuchte), um 12:48 wieder Wolkenfetzen in der Nähe, und diesmal mit BA sicher gesichtet (aber nur in der Nähe der Wolke!). Und auch diesmal wieder: bei „Erstblick“ blitzte sie zweimal deutlich auf! 14:25 MESZ (V nahe Kulmination bei +42° Höhe): diesmal endlich schnell mit 12x60 aufgefunden und mit BA ohne Probleme sichtbar (wie aus vergangenen Jahren gewohnt...). 15:25–15:35 MESZ: erfolglos mit BA.
Di. 27.8. Nachmittags zu trüb (Sonnenumgebung zu hell), um nach der V zu schauen.
Mi. 28.8. 15:30–15:42 MESZ: V mit 12x60 ohne Anhaltspunkt nicht zu finden. Dann über der Spitze der nahen Tujas auch mit BA geortet: Am Anfang plötzlich für längere Zeit (5–10 sec) deutlich und klar zu sehen, und ebenso plötzlich war sie wieder weg... Danach 2–3x bei „Erstblick“ gesichtet, dann aber wieder sofort weg. 15:42 flog dann ein Flugzeug mit kurzem Kondensstreifen ganz knapp westl. an V vorbei. Neben dem KS konnte ich V für einige Sek. deutlich mit BA erkennen, aber nach Auflösung des KS war sie wieder unauffindbar.

SIRIUS:
Sa. 24.8. 10:22–10:28 MESZ: Mein Referenzort ist durch Haseläste verdeckt. Kein Erfolg (mit 12x60), den Sirius vorher zu erwischen.
Di. 27.8. 10:27 MESZ war schon zu spät für Sirius...
Mi. 28.8. 10:00–10:14 MESZ: Sirius mit 12x60 nicht gesichtet.
Ich warte noch auf ein erfolgreiches Wiederauffinden des S mit 12x60 ! (letzte Sichtung war am 24.4.)

ANMERKUNGEN
Gegenüber Tagessichtungen in früheren Jahren fallen mir folgende Punkte auf (vielleicht macht sich jetzt doch allmählich das Alter bemerkbar!):
1. Das Aufblitzen beim Erstblick: Wenn ich mit dem ausgeruhtem Auge auf die Stelle des Objektes schaue, scheint dieses gelegentlich für einen sehr kurzen Augenblick aufzublitzen, aber sobald ich gezielt den entsprechenden Punkt „anstarre“, ist das Objekt wieder weg. Dieses Phänomen ist mir schon seit einiger Zeit geläufig, aber diesmal konnte ich mehrfach bestätigen, dass sich genau dort auch tatsächlich das Objekt befindet. Kann dieses Aufblitzen beim Erstblick also als Sichtung gelten? Fragezeichen...
2. Ohne einen Anhaltspunkt, und sei es nur ein naher Ast im Vordergrund, gelang es mir nicht, ein Objekt selbst mit 12x60 aufzufinden (hinzu kommen hier natürlich Fokussierungs- und Kontrastproblematik).
3. Für Sichtungen mit BA benötigte ich dieser Tage einen sehr (objekt)nahen Referenzpunkt (Wolke, Flugzeug, Geäst eines Baumes) – fehlte bzw. verschwand dieser, verschwand auch das Objekt aus dem Blickfeld. Wiederholt ist es mir nicht gelungen, ein Objekt nach positiver Sichtung wiederzufinden...
4. Gerade bei Sichtungen am Morgen fielen die mouches volantes („fliegende Fliegen“) unangenehm auf. Mich begleiten diese (im Glaskörper des Auges schwebenden) „Würmer“ schon immer, und ich versuche, sie durch Augenbewegungen aus der Blickfeldmitte zu verdrängen; aber am Morgen scheinen sie viel häufiger zu sein und stören die Beobachtung sehr.

Ich gehe davon aus, dass Venus mit zunehmenden Sonnenabstand (und steigender Helligkeit) immer einfacher zu sehen sein wird – allerdings steht sie immer weiter südlich und damit tiefer, was die Beobachtung erschwert. Jupiter ist z.Z. am besten platziert, für Tagbeobachtungen nimmt seine Höhe über dem W-Horizont in den nächsten Wochen zunehmend ab. Für Sirius steht die günstigste Position kurz bevor (am 16.9., s. Beitrag von Elmar Schmidt)

Gruß aus HD,
Christoph

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Elmar Schmidt
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Re: Tagesbeobachtungen Ende August 2024

Beitrag von Elmar Schmidt » 28. Aug 2024, 20:51

Hallo Christoph,

habe vier Deiner sicheren BA-Sichtungen mit in die Auswertung einbezogen (die fünfte von Jupiter ist identisch zu der meinigen). Bei Venus ist das mittl. S/N = 1 : 2,1 (aus 23 Beobachtungen) bei Jupiter 1 : 3,5 (aus 20 Beobachtungen). Das ist nur unwesentlich vom vorigen Stand verschieden. Venus wurde dabei meistens an an Himmeln mit Leuchtdichten von 5000 bis 9500 cd/m^2 gesehen, für Jupiter "dürfen" es nur 1000 und 4000 cd/m^2 sein. Deine Erfahrungen mit dem "Verlust" eines Planeten nach zunächst sicherem Auffinden teile ich fast identisch, auch Ferngläser helfen da nur bedingt.

Ich denke, wir können für Venus und Jupiter nun einen Cut in der quantitativen Auswertung machen bzw. den Ball an Jüngere mit besseren Augen weitergeben. Es werden aber auch da keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr zu gewinnen sein. In den verschiedenen Fäden und unserem Sonneberg-Vortrag steht eigentlich alles, was jemand dazu wissen muß.

Laßt uns in der nächsten Zeit an Sirius gehen und die Sache mit den Mondsicheln am Taghimmel klären, vgl.

https://forum.meteoros.de/viewtopic.php ... 19#p247077
https://forum.meteoros.de/viewtopic.php ... 22#p246288
https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&t=62302

Gruß, Elmar

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