Feuerkugel mit möglichem Meteoritenfall 22.1.2022

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jrendtel
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Feuerkugel mit möglichem Meteoritenfall 22.1.2022

Beitrag von jrendtel » 2. Feb 2022, 08:43

Pavel Spurny machte mich auf ein Ereignis am 22.1.2022 aufmerksam, das sicher den meisten angesichts des Wetters verborgen blieb. Unter dem Titel "Jasný bolid z 22. ledna 2022 pravděpodobně skončil pádem meteoritů na polsko-německé hranici" (http://www.asu.cas.cz/~meteor/bolid/202 ... index.html - dort auch mit den Abbildungen) steht:

Helle Feuerkugel am 22. Januar 2022 mit möglichem Meteoritenfall an der deutsch-polnischen Grenze

Am Samstagabend, dem 22. Januar 2022, kurz vor 20 Uhr MEZ, erschien eine helle
Feuerkugel. Leider war es zu dieser Zeit in den meisten Teilen Mitteleuropas
bewölkt. Daher gab es nur wenige Zufallsbeobachtungen und auch die meisten
Kameras des Feuerkugel-Netzes waren unter Wolken. Lediglich die Station Frýdlant
in Böhmen (relativ nahe der Bahn) und die weit entfernte Station Rimavská Sobota
in der Slowakei konnten das Ereignis fotografisch festhalten. Desweiteren gibt es
Aufzeichnungen von einer speziellen Videokamera aus Frýdlant und das Ende der
Bahn mit einer anderen Videokamera am Observatorium in Jičín.
Zusätzlich zu diesen Bildern haben die schnellen Fotometer aller nahe gelegenen
Stationen (auch unter Wolken) den genauen Helligkeitsverlauf aufgezeichnet. Die
zeitliche Auflösung von 5000 Werten pro Sekunde erlaubt sowohl die genaue Bestimmung
der Aufleuchtzeit der Feuerkugel als auch des Helligkeitsverlaufes. Dies wird zur
Modellierung des Zerfalls beim Durchgang durch die Atmosphäre verwendet.

Die Daten zeigen, dass die Feuerkugel fast die Helligkeit des Vollmonds erreichte
und tief in die Atmosphäre eindrang, was wiederum darauf schließen lässt, dass
Meteoriten auf die Erdoberfläche fielen.
Deshalb haben wir nach anderen Aufzeichnungen gesucht, die unsere Daten ergänzen
könnten. Wir haben eine Videoaufzeichnung des AllSky7-Systems gefunden, das
ebenfalls für die Aufzeichnung von Feuerkugeln konzipiert ist. Der Leiter
dieses Projekts, Mike Hankey, hat uns die Aufnahmen des Stationsbetreibers
Peter Lindner aus Hoyerswerda, zur Verfügung gestellt. Auf den Bildern ist
ein Teil der Feuerkugel zwar hinter den Wolken zu sehen. Die Aufnahme
erhöht die Genauigkeit unserer ursprünglichen Ergebnisse deutlich.


Was genau geschah also am Abend des 22. Januar über Westpolen?

Um 18h 48m 57s UT trat ein Meteoroid von der Größe eines Basketballs
und einem Gewicht von etwa 25 kg in die Erdatmosphäre ein. Der Beginn der
leuchtenden Bahn befand sich in einer Höhe von 90 km über dem Boden nördlich
der polnischen Stadt Swiebodzin. Zu diesem Zeitpunkt bewegte sich der Körper
mit einer Geschwindigkeit von weniger als 17 km/s und setzte seinen Flug
in etwa westlicher Richtung entlang einer um 49° zur Erdoberfläche geneigten
Bahn fort. Seine Helligkeit nahm rasch zu und erreichte für etwa 2 Sekunden
fast die Helligkeit des Vollmonds. Die Helligkeit variierte während des Fluges
mehrmals und erreichte ihr Maximum in 37 km Höhe während einer dieser kurzen
Aufhellungen, als der Körper in der Atmosphäre zerbrach. Zu diesem
Zeitpunkt war der Meteoroid schon deutlich abgebremst. Die gesamte
leuchtende Bahn von fast 92 km wurde in 6,7 Sekunden durchlaufen. Die
Feuerkugel erlosch sehr tief in der Atmosphäre in nur 21 km Höhe bei einer
Geschwindigkeit von etwas mehr als 3 km/s nahe der polnischen Stadt Kostrzyn.
Der erwartete Meteoritenfall ereignete sich südlich dieser Stadt. Meteorite
können auf beiden Seiten der Oder liegen. Die größeren Meteoriten, deren
Hauptstück bis zu einem Kilogramm wiegen kann, befinden sich im nordwestlichen
Teil des Gebiets in Deutschland. Kleinere Meteoriten mit einem Gewicht von
weniger als 200 Gramm sollten auf polnischem Gebiet gefallen sein. Die
Gesamtmasse der Meteoriten dürfte etwa zwei bis drei Kilogramm betragen.
Sollten die Meteoriten gefunden werden, würden sie zu der exklusiven Kategorie
der Meteorite mit bekannter Herkunft gehören.

Bevor er mit der Erde zusammenstieß, umkreiste der Meteoroid die Sonne auf
einer elliptischen Bahn mit einer sehr geringen Neigung mit einem Perihel
zwischen den Bahnen von Venus und Erde und einem Aphel im Bereich des
Hauptasteroidengürtels in rund 2,4 Jahren.

("wir" bezieht sich in dem Text auf die Kollegen vom Observatorium Ondrejov.)

André Knöfel
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Re: Feuerkugel mit möglichem Meteoritenfall 22.1.2022

Beitrag von André Knöfel » 2. Feb 2022, 09:20

Leider liegt das Fallgebiet auf deutscher Seite komplett in der Zone 1 des Kerngebietes der Afrikanischen Schweinepest. Das Gebiet ist mit einem Elektrozaun abgeriegelt und das Betreten ist untersagt (und wird kontrolliert)...

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Re: Feuerkugel mit möglichem Meteoritenfall 22.1.2022

Beitrag von André Knöfel » 2. Feb 2022, 09:22

Hier das Video der AllSky7-Station AMS88 in Hoyerswerda: https://youtu.be/vxpWjyFhSmU

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