Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

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Jürgen

Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Jürgen » 12. Okt 2013, 16:29

Hallo erst mal, ich bin Lehrer an einer Schule in Baden Württemberg. Heute erzählt mir eine Kollegin eine Geschichte, die ich nicht glauben kann, bitte um eure Meinungen:

Vor einem Jahr sah die Kollegin mit Schülern etwas vom Himmel fallen. Es war ein Gesteinsbrocken, der genau neben dem Fußballtor auf dem Schulhof (Kunstrasen) aufschlug, einmal abhüpfte und dann liegen blieb.
Die Kollegin nahm den "Meteorit" in die Hand, aber er war noch sehr warm. Später wollen mehrere Kollegen dieses Teil gesehen haben. Der Schüler hat es mit seiner Mutter (Polizistein) zu einem Museum gebracht und man bestätigte, dass es ein Meteorit sei, der ca. 500 Euro Wert sei. Der Meteorit sei ca. 2,5 kg schwer und vielleicht Faustgroß oder auch etwas größer.

Die Kollegin bestand drauf, dass sich das wirklich so ereignete, dass auch der Schüler glaubwürdig sei und ein weitere Kollege hat den Stein später gezeigt bekommen.


Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Meteorit dieser Größe zufällig in der großen Pause neben den Schülern runterfällt, dass er keinerlei Geräusche macht und noch warm liegenbleibt, dass er keinen Krater hinterlässt.

Meine Kollgen sind sich aber sicher, dass sich das so zugetragen hat. Allein von der Wahrscheinlichkeit halte ich es für fast unmöglich.

Aber ich kann es mir auch pyhsikalisch nicht vorstellen. Hätte es keine Druckwelle, Krater, Knall usw. bei dieser Größe geben müssen? Hätte man das Ding in die Hand nehmen können, müsste es nicht glühend heiß sein?

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Laura Kranich
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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Laura Kranich » 12. Okt 2013, 18:25

Hallo Jürgen,

ich bin kein wirklicher Experte aber für mich ist das eine durchaus plausible Geschichte.
Meteoroiden, die den Erdboden erreichen, hinterlassen längst nicht immer einen Krater und hörbare Geräusche. Ausschlaggebend sind meines Wissens Masse, Dichte, Form, Eintrittswinkel und Geschwindigkeit des Meteoroiden, vielleicht habe ich auch noch was vergessen.
Häufig werden sie beim Eintritt schon in den oberen Atmosphärenschichten so stark abgebremst, dass sie irgendwann mehr oder weniger senkrecht nach unten fallen und während dieser Zeit (das wären bei 20-30km Fallhöhe durchaus mehrere Minuten) können sie wieder abkühlen.
Es würde wohl passen wenn der Meteoroid sehr dicht und kompakt war und keinen sehr steilen Eintrittswinkel hatte, dann käme er m. E. am ehesten in einem Stück und ohne viel Aufhebens am Boden an.
Und was Zufälle angeht, für den Meteoriten macht es ja keinen Unterschied ob er in der Sahara, Antarktis oder im Ländle auf nem Pausenhof runterkommt. ;) Wo war es denn genau, da gab es doch bestimmt auch Aufmerksamkeit aus der Presse..?

Ich bin mal gespannt, was die wirklichen Experten dazu sagen.
Zuletzt geändert von Laura Kranich am 12. Okt 2013, 18:33, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße aus Kiel,
Laura

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Hermann Koberger
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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Hermann Koberger » 12. Okt 2013, 18:29

Hallo Jürgen,

herzlich willkommen im Forum !

Eine interessante, aber auch sehr komische Geschichte.
Zunächst mal - einen faustgroßen Meteoriten als Fall in Deutschland würde ich um 500 Euro sofort kaufen und sogar freiwillig noch was dazu geben - ein Jahrhundertschnäppchen :wink:
Was an sich richtig ist und wie Chris schon geschrieben hat, dass eine faustgroße Restmenge eines Meteoriten bereits in der Atmosphäre so viel Energie verloren hat und mehr oder weniger nur mehr auf die Erde "plumpst" und kaum einen Krater verursacht.
Als Geräusch müsste man eventuell in der Nähe eines Meteoritenfalles eine Art Donnergrollen hören.

Da nun ja ein Meteoritenfall in Deutschland ein äusserst seltenes Ereignis ist, wäre es sehr verwunderlich, dass seitens des Museums usw. bislang nichts bekannt ist.

Am ehesten würde man der Geschichte vielleicht auf die Spur kommen, wenn man das besagte Museum herausfindet um dort mal nachzufragen.

Viele Grüße
Hermann

Jürgen

Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Jürgen » 12. Okt 2013, 20:31

Eigentlich hatte ich gehofft, ihr erklärt mir, dass es auch theoretisch nicht möglich ist, dass sich die Sache so ereignet hat, dann hätte ich das abhaken können. Aber jetzt muss ich der Sache nachgehen.
Ich werde mir diesen Meteorit zeigen lassen, falls er noch nicht verkauft ist. Ich bin an unser Schule Physiklehrer und werde sagen, dass man das doch im Physikunterricht gut bearbeiten könnte, was ja auch stimmt.

Mein Problem ist, wenn ich es richtig recherchiert habe, ist kein einziger Fall bekannt, wo jemanden ein Meteorit (in Deutschland) vor die Füße gefallen ist. Bei 4 beobachteten Fällen pro Jahr ist ja die Wahrscheinlichkeit, dass einem so etwas passiert ca. 1 zu einer Milliarde.

Dass mich meine Kollegen anlügen, halte ich auch nicht für wirklich wahrscheinlich.

Ein wenig plausibler scheint mir, dass vielleicht ein Schüler, der sich mit der Thematik auskennt, das inszeniert hat, irgendeinen Stein heiß gemacht hat und rumgeworfen hat, aber so richtig vorstellen kann ich mir es irgendwie auch nicht. Warum sollte dann auch noch dessen Mutter (Polizistin) lügen, wirklich strange.

Das ganze soll sich übrigens letztes Jahr ereignet haben, die Schule steht in Heilbron (BW).
Ich werde dranbleiben und weiter berichten.

Noch eine Frage: Bei meinen Recherchen habe ich bei Ebay (angebliche Meteoriten) entdeckt, die sich preislich schon in der Region bewegen, wie der Schüler das angeblich angeboten bekommen hat. Sind das bei ebay alles Fakes?
Warum gibt es da so viele, wenn die so selten sind? Oder ist es nur sehr selten, so ein Teil runterfallen zu sehen?

Hier der link zu ebay:

http://www.ebay.de/itm/GEBEL-KAMIL-IRON ... 51b2b6c5d3

PS: Interessant auch die Frage, wer hier per Definition Finder und wer Eigentümer wäre, bei einem Schulhof.

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Hermann Koberger
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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Hermann Koberger » 12. Okt 2013, 21:24

Hallo Jürgen,

tut mir leid, dass ich nicht zu einem eindeutigen "abhaken" Ergebnis beitragen kann :wink:
Rein theoretisch ist es natürlich durchaus so möglich, allerdings halt sehr unwahrscheinlich.

Die Geschichte mit dem Museum ist irgendwie komisch.
Die machen wahrscheinlich kaum auf die schnelle eine Analyse mit Wertangaben des Objektes.
Echtheitszertifikate werden meist von Instituten gemacht und kosten auch Geld.

Zu den Preisen - das von dir verlinkte Ebay Angebot sind die bekannten grossen Fälle, wo Material im Tonnenbereich geborgen wurde.
Hier bekommt man durchaus auch ein 500g Stück um 750 Euro.
Das ist aber bei weitem nicht vergleichbar mit einem 2,5 kg Einzelfall aus jüngster Zeit in Deutschland.

Zur rechtlichen Besitzfrage im Fall der Fälle weiß ich leider nichts genaues.
Könnte aber durchaus auch schwierig werden, da es meines Wissens kein wirklich eindeutiges Gesetz dafür gibt.
Ich glaube - Finder und Grundbesitzer müssten sich irgendwie einigen.

Die Erkenntnisse aus deinen Nachforschungen wären auf jeden Fall interessant.

Viele Grüße
Hermann

wolfgang hamburg
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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von wolfgang hamburg » 12. Okt 2013, 22:34

Moin Jürgen,

so sieht es aus wenn ein Meteorit(der eher steinigen Art) in die Einfahrt einschlägt, im April 2031 in Braunschweig.
Bild
Quelle: http://www.lpi.usra.edu/meteor/metbull. ... code=58083

Es ist also möglich, aber eben relativ selten.
Wann genau soll denn Fall erfolgt sein?
Welches Museum hat das untersucht?

Grüße wolfgang

kerstin schulz
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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von kerstin schulz » 13. Okt 2013, 04:25

wolfgang hamburg hat geschrieben:Moin Jürgen,

so sieht es aus wenn ein Meteorit(der eher steinigen Art) in die Einfahrt einschlägt, im April 2031 in Braunschweig.
Bild
Quelle: http://www.lpi.usra.edu/meteor/metbull. ... code=58083

Es ist also möglich, aber eben relativ selten.
Wann genau soll denn Fall erfolgt sein?
Welches Museum hat das untersucht?

Grüße wolfgang
Hallo Wolfgang

Da habe ich wohl sehr lange geschlafen :lol:

Jürgen

Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Jürgen » 13. Okt 2013, 05:59

Am Montag werde ich versuchen, das zu erfragen. Wenn die Beteiligten sich erinnern können, wann das war, dann müsste doch zu dieser Zeit irgendjemand die Phase des Glühens in der Atmosphäre beobachtet haben.
Für mich auch die Frage, wie wahrscheinlich ist es, dass in unmittelbarer Nähe noch mehr von dem Material liegt, vielleicht durch Absplitterung beim Aufprall?

wolfgang hamburg
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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von wolfgang hamburg » 13. Okt 2013, 08:45

Moin Kerstin,
kerstin schulz hat geschrieben:Da habe ich wohl sehr lange geschlafen :lol:
keine Angst ist immer noch 2013, lustiger Zahlendreher.

Grüße wolfgang

Jürgen

Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Jürgen » 14. Okt 2013, 09:48

Hallo nochmal,

inzwischen habe ich den "Meteorit" vor Ort und haben ihn abfotografiert (siehe link)

https://plus.google.com/photos/10969698 ... qjEs_qikgE

Das Teil sieht für mich aus wie Lava, es hat eine Masse von knapp 1 kg, der Schüler meinte heute, es sei mit einem Knall aufgekommen und dann noch einmal mehrere Meter in die Höhe gesprungen. Es seine einige Splitter abgegangen und es sei noch handwarm gewesen.

Wie gesagt, eine Lehrerin an unserer Schule bestätigt die Beobachtung. Ob der Schüler wirklich die Echtheit verifizieren ließ, bin ich mir nicht mehr sicher.

Das Gestein fühlt sich meiner Meinung nach sehr porös an, erinnert mich an Lavagestein. An der Oberfläche befinden sich dunkle, glänzende Stellen, sieht teilweise verschmolzen aus, teilweise verbrannt.
Die Dichte dürfte unterhalb von 4 liegen, also kein Metall. Magnetisch scheint es nicht zu sein.
Insgesamt zerklüftet und rauh, zwischen den Vertiefungen sieht es aus, als wäre Erde dran, als ob es ausgegraben sei. Es ist auch ein großer Riss drin. Auch kleine Pflanzenteile scheinen dran zu sein, der Schüler meinte aber, er hätte den Stein direkt nach dem "Einschlag" zu sich nach Hause genommen.

Wenn die Kollegin nicht darauf bestehen würde, dass sie das Teil hat fliegen sehen und dass es noch "warm" war, hätte ich gesagt, da wollte sich ein Schüler wichtig machen und hat einen Lawastein oder Schlacke in die Luft geworfen und Amagedon simuliert.

Kann man anhand der Fotos ausschließen, dass es ein Meteorit ist? Wenn nicht, an wenn kann ich mich wenden? Ich habe den Stiein jetzt vorläufig bei und darf ihn untersuchen.
Zuletzt geändert von Jürgen am 14. Okt 2013, 13:49, insgesamt 1-mal geändert.

Tobias W
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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Tobias W » 14. Okt 2013, 11:27

Hm, frag vielleicht auch mal bei http://www.jgr-apolda.eu/ nach.
Sieht aber mMn wie Schlacke aus. Ist ggf. ein Algenbewuchs auf der Oberfläche zu erkennen?

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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von André Knöfel » 14. Okt 2013, 13:48

Hallo Jürgen,

das sieht ziemlich eindeutig nach Schlacke aus. Ein frisch gefallener Meteorit hat eine schwarze Schmelzkruste und ist abgerundet.

Gruß
André

Jürgen

Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Jürgen » 14. Okt 2013, 13:51

aknoefel hat geschrieben:Hallo Jürgen,

das sieht ziemlich eindeutig nach Schlacke aus. Ein frisch gefallener Meteorit hat eine schwarze Schmelzkruste und ist abgerundet.

Gruß
André
und er hat vermutlich auch keine irdischen Humusreste und Pflanzenteile zwischen den Ritzen, es sei denn, der Planet von dem er stammt hat ein ähnliches Ökosystem wie unsere Erde :wink:

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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Tobias W » 14. Okt 2013, 19:05

Hallo Jürgen!
Jürgen hat geschrieben: Wenn die Kollegin nicht darauf bestehen würde, dass sie das Teil hat fliegen sehen und dass es noch "warm" war, hätte ich gesagt, da wollte sich ein Schüler wichtig machen und hat einen Lawastein oder Schlacke in die Luft geworfen und Amagedon simuliert.
Wenn ich die Bilder betrachte und die Informationen zu Gewicht und Größe nehme erhalte ich eine Endgeschwindigkeit im Bereich von 150-190 km/h (Annahme: konstante Dichte der Luft). So einen Stein mit der Geschwindigkeit zufällig am Himmel zu erblicken und dann noch von verschiedenen Leuten gleichzeitig halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Gruß.

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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Dennis Hennig » 17. Okt 2013, 22:06

Mein Beitrag ist vielleicht ein bisschen unsachlich :wink: , aber die "Nebeninfo", dass die Mutter des Schülers ausgerechnet Polizistin ist, erweckt unterschwellig sowas wie eine "Schein-Seriosität", die mich eher an der gesamten Geschichte zweifeln lässt. Schade, dass das verlinkte Bild auch nicht mehr zu öffnen geht. :(

Jürgen

Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Jürgen » 17. Okt 2013, 22:13

Inzwischen ist geklärt, dass es definitiv kein Meteorit ist. Die Fotos wurden von einem Fachmann gesichtet. Die Bilderlink funktioniert aber noch.

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Re: Kann diese Meteoriten-Geschichte stimmen?

Beitrag von Dennis Hennig » 17. Okt 2013, 22:22

Jürgen hat geschrieben:... Die Bilderlink funktioniert aber noch...
Stimmt, hier jetzt auch. :)

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