Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Forum für Leuchtende Nachtwolken (NLC)

Moderatoren: Claudia Hinz, StefanK

Antworten
Benutzeravatar
Michael Theusner
Beiträge: 996
Registriert: 30. Jan 2004, 10:33
Wohnort: 5 km östl. Bremerhaven
Kontaktdaten:

Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von Michael Theusner » 24. Mär 2014, 16:37

Hallo,

ich hatte heute eine hochinteressante Studie des IAP zur NLC-Häufigkeit zu bestimmten Tageszeiten gelesen. Diese Studie wurde bereits im Dezember 2013 in den Geophysical Research Letters veröffentlicht:
M. Gerding, M. Kopp, P. Hoffmann, J. Höffner und F.-J. Lübken, 2013: Diurnal variations of midlatitude NLC parameters observed by daylight-capable lidar and their relation to ambient parameters. Geophys. Res. Lett., 40, 6390-6394, doi:10.1002/2013GL057955

PDF kann kostenlos hier abgerufen werden: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... 057955/pdf

Ergebnisse: Die meisten NLC gibt es morgens, mit einem spitzen Maximum um 4 Uhr lokaler Sonnenzeit (das ist ca. 5:15 MESZ Ende Juni in Kühlungsborn, weiter östlich entsprechend früher, westlich entsprechend später). Das Minimum tritt abends auf. Die NLC-Häufigkeit nimmt auch erst nach lokaler Mitternacht zu, dann aber deutlich bis zum Maximum (6-fach verglichen mit dem Abendminimum). Die hellsten (also dichtesten) NLC gibt es ebenfalls morgens.
Das entspricht auch meinem Gefühl, die besten und hellsten NLC-Displays am Morgenhimmel gesehen zu haben.

Förderlich für die Sichtung von NLCs ist eine Windrichtung aus dem Polargebiet in der Mesopausenregion. Dort gibt es eh viele NLC, die dann auch weit nach Süden geweht werden können. Sonst wird das Auftreten von NLC in unseren Breiten wohl vor allem von großen planetarischen Wellen in der Atmosphäre bestimmt. Dadurch wird nämlich das Temperaturniveau an der Mesopause gehoben oder gesenkt. Sinkt die Temperatur, können besser NLC entstehen -- dann nimmt nämlich die relative Feuchte der Luftmasse zu, so dass sich Wolken, also NLC, bilden können.

Viele Grüße,
Michael
Zuletzt geändert von Michael Theusner am 24. Mär 2014, 21:19, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
StefanK
Beiträge: 3594
Registriert: 10. Jan 2004, 19:44
Wohnort: Bonn (50°43'N / 7°06' E; 60m ü. NN.)
Kontaktdaten:

Re: Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von StefanK » 24. Mär 2014, 21:04

Hallo Michael,

ich habe den Artikel vor ein paar Tagen überflogen. Wäre natürlich für die Beobachtungsplanung interessant, wenn man Echtzeit-Daten über die Windrichtung in der Mesopause bekommen könnte. Andererseits: es ist doch ohnehin schon lange bekannt, dass die globale Strömung in der Höhe ganz überwiegend nach Süden bzw. wg. Corriolis-Kraft nach SW gerichtet ist.

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan

Benutzeravatar
Andreas Möller
Administrator
Beiträge: 2546
Registriert: 1. Mai 2011, 20:47
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von Andreas Möller » 24. Mär 2014, 21:09

Hallo Micha,
das Thema habe ich auf dem AKM Seminar ebenfalls angesprochen. Ich glaube ebenfalls, aufgrund meiner Beobachten, dass die NLCs in der 2. Nachthälfte intensiver und heller sind. Im AKM-Seminar wurde die IAP-Studie auch kurz erwählt und ein anderer Beobachter bestätigte dieses Empfinden.

Grüße, Andreas

Benutzeravatar
StefanK
Beiträge: 3594
Registriert: 10. Jan 2004, 19:44
Wohnort: Bonn (50°43'N / 7°06' E; 60m ü. NN.)
Kontaktdaten:

Re: Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von StefanK » 24. Mär 2014, 22:15

Hallo Andreas,

dass NLCs am Morgen heller sind, ist schon mehrfach in wissenschaftlichen Publikationen erwähnt worden; dabei hat es sich allerdings um Beispiele aus einzelnen Nächten gehandelt. Der Befund scheint jetzt auf etwas breiterer Basis zu stehen. Aus der praktischen Beobachtung gibt es aber auch Bespiele, wo NLCs am Abend heller sind oder am Morgen gar nicht mehr auftauchen.

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan

Benutzeravatar
OlafS
Beiträge: 942
Registriert: 13. Nov 2006, 17:18
Wohnort: HRO 54.2°N / 12.1°E
Kontaktdaten:

Re: Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von OlafS » 28. Mär 2014, 17:14

Michael Theusner hat geschrieben: ...Diese Studie wurde bereits im Dezember 2013 in den Geophysical Research Letters veröffentlicht:
M. Gerding, M. Kopp, P. Hoffmann, J. Höffner und F.-J. Lübken, 2013: Diurnal variations of midlatitude NLC parameters observed by daylight-capable lidar and their relation to ambient parameters. Geophys. Res. Lett., 40, 6390-6394, doi:10.1002/2013GL057955

PDF kann kostenlos hier abgerufen werden: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... 057955/pdf
...


Danke Michael, für den Hinweis auf diese Veröffentlichung.
Das hilft schon mal aus dem Winterschlaf aufzuwachen + neben der kümmerlichen PL-Saison etwas Bildungsaktivität zu entwickeln.
StefanK hat geschrieben: ... Wäre natürlich für die Beobachtungsplanung interessant, wenn man Echtzeit-Daten über die Windrichtung in der Mesopause bekommen könnte. Andererseits: es ist doch ohnehin schon lange bekannt, dass die globale Strömung in der Höhe ganz überwiegend nach Süden bzw. wg. Corriolis-Kraft nach SW gerichtet ist.
...
...
Hmmmm, Stefan.
Die gibt es doch auch schon recht lange. Natürlich nicht flächendeckend, aber die IAP-Daten aus Norwegen + Rügen sind schon viele Jahre abrufbar und auf der IAP RADAR Datenseite, wie auch auf meiner Linksammlung verlinkt ("windfields"):

http://www.iap-kborn.de/index.php?id=46&L=0

http://3sky.de/NLC/Noctilucent_Clouds.html#top


Interessant wäre sicherlich eher noch die Lidar-Temperaturmessungen nahezu in Echtzeit abrufen zu können.
Da kann der Trend aufzeigen, ob es evtl. viieeellll zu "warm" da oben ist.
Nur eine Punktmessung über K'born oder Skandinavien reicht da aber auch nicht wirklich.
Wenn in Nordskandinavien die Bedingungen gut sind, müssen wir hier davon noch gar nichts haben.
Und wenn es über K'born ~warm ist, können ja durchaus lokale Ausprägungen nördlich von uns dafür sorgen, daß es in unserem Beobachtungsfenster doch etwas zu sehen geben könnte.
So ein paar zusätzliche Meßeinrichtungen "nur für uns" ;-)
so z.B. auf Bornholm bis Kopenhagen / Norddänemark wären nicht übel...

Gruß, Olaf
http://3sky.de/NLC/Noctilucent_Clouds.html#REALTIME
Meine PL, NLC, PSC-Beobachtungen, Wetterlinks u.a.: http://3sky.de

Benutzeravatar
StefanK
Beiträge: 3594
Registriert: 10. Jan 2004, 19:44
Wohnort: Bonn (50°43'N / 7°06' E; 60m ü. NN.)
Kontaktdaten:

Re: Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von StefanK » 28. Mär 2014, 19:53

Hallo Olaf,

in den Wind-Diagrammen kennzeichnen die Pfeile offenbar die Windrichtung. Interpretierte ich das richtig, dass ein nach oben zeigender Pfeil bedeutet, dass der Wind nach Norden gerichtet ist, ein nach rechts zeigender, dass der Wind nach Osten gerichtet ist usw.?
D.h., wenn in der Hühenschicht um 82 km die Pfeile über die Zeitachse hinweg permanent nach Süden zeigen und orange gefärbt sind, handelt es sich um eine heftige nach Süden gerichtete Strömung, die bei geeigneten Temperaturen NLC-trächtig ist?

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan

Benutzeravatar
StefanK
Beiträge: 3594
Registriert: 10. Jan 2004, 19:44
Wohnort: Bonn (50°43'N / 7°06' E; 60m ü. NN.)
Kontaktdaten:

Re: Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von StefanK » 30. Mär 2014, 20:44

Hallo zusammen,

hier noch ein älterer Beitrag von Wilfried Schröder mit Daten aus den 1960er-Jahren - schon damals war statistisch klar belegbar, dass die NLCs am Morgen häufiger und heller sind: http://verplant.org/history-geophysics/ ... V/Main.htm .

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan

Benutzeravatar
Michael Theusner
Beiträge: 996
Registriert: 30. Jan 2004, 10:33
Wohnort: 5 km östl. Bremerhaven
Kontaktdaten:

Re: Tagesgang der NLC-Häufigkeit -- Studie des IAP

Beitrag von Michael Theusner » 31. Mär 2014, 08:31

StefanK hat geschrieben:Hallo Olaf,
in den Wind-Diagrammen kennzeichnen die Pfeile offenbar die Windrichtung. Interpretierte ich das richtig, dass ein nach oben zeigender Pfeil bedeutet, dass der Wind nach Norden gerichtet ist, ein nach rechts zeigender, dass der Wind nach Osten gerichtet ist usw.?
D.h., wenn in der Hühenschicht um 82 km die Pfeile über die Zeitachse hinweg permanent nach Süden zeigen und orange gefärbt sind, handelt es sich um eine heftige nach Süden gerichtete Strömung, die bei geeigneten Temperaturen NLC-trächtig ist?

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan
Das ist richtig. Die Windpfeile in der Meteorologie geben an wohin der Wind weht. Pfeil nach unten und orange bedeutet in der entsprechenden Schicht starken Wind aus Norden (also Nordwind). Das wäre dann günstig für NLC.

Viele Grüße,
Michael

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste