Ein paar Gedanken zu NLC?? - Cirrus?? - Beobachtungen (laaan

Forum für Leuchtende Nachtwolken (NLC)

Moderator: StefanK

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Olaf (IN)

Ein paar Gedanken zu NLC?? - Cirrus?? - Beobachtungen (laaan

Beitrag von Olaf (IN) » 26. Jul 2002, 19:58

Ich habe mir erlaubt, die folgenden Gedanken (Beobachtungsbeispiele) niederzuschreiben, da es manchmal nicht so einfach erscheint, zwischen Cirren und NLC zu unterscheiden.
Durch die Medien, insbesondere dem schnellen Austausch via Internet, gelangen jährlich viele neue Personen in "geheimnisvolle", sprich vielfach unbekannte Phänomene hinein. Das gilt bestimmt auch für die NLC-Beobachtung. Wer nicht schon mehrfach "sichere NLC" identifizieren konnte, mag bei seinen NLC-Observierungen evtl. unsicher sein, ob da nicht normaler Cirrus umherschwirrt.
Da würde ich vorschlagen:
Beobachtung sorgfältig dokumentieren und im Zweifel "gegen den Angeklagten" (sprich: NLC = ??).

Nun würde ich mich freuen, wenn der folgende lääängere Text doch noch zum Lesen anregt und vielleicht Bestätigung erfährt, Korrekturen oder auch zusätzliche Bemerkungen angebracht werden. Vielleicht bringe ich das ‘mal mit einigen Beispielbildern auf meine HP.

Gruß, Olaf

Nachdem die laufende Saison doch eine Reihe von Sichtungen hervorbrachte, bleibt für mich nur festzustellen:
NLC 2002 = Fehlanzeige.
Nun ja, bei etwas unter +49° Breite ist das nicht ganz so überraschend. So datiert meine letzte Beobachtung aus nördlicheren Gefilden aus dem Jahre 1998.

Von meiner ersten Beobachtung an (aus dem Jahre 1995) bis heute ist jede NLC-Entdeckung eine spannende Angelegenheit.
Wenn die ersten fahlen Eindrücke einer NLC am Himmel erscheinen, wechseln die Gefühle zwischen gesundem Zweifel und aufkommender Freude. Unwillkürlich taucht die Frage auf, ob es sich nicht doch noch um normale Schleierwolken / Cirren der hohen Troposphäre handelt. Doch schon entsteht die nächste Frage: Können die Schleierwolken überhaupt noch irgendwelches Licht reflektieren, wenn unser Tagesgestirn längst untergegangen ist?
Wenn die fraglichen NLC bei zunehmender Dunkelheit immer heller werden und deutlich zu "leuchten" beginnen, dann ist ja alles klar. Gut kann es vorab sein, wenn ein paar vorhandene Cirren zum Vergleich heranzuziehen sind. Tagsüber erkennbare Cirren sind ja von seidig weißem Glanz gekennzeichnet. Je nach Mondphase können Cirren auch bei Nacht mehr oder weniger schwach und diffus, teils auch scharf begrenzt, an jeder Stelle des Himmels auftauchen.

Die NLC-Cirrus-Vergleichbarkeit bewegt sich mehr um die Dämmerungsphase herum. Vorhandene Cirren zeichnen sich da quasi schwarz ab, wenn sie:
- in geringer Höhe über dem Horizont

- sich quasi im Gegenlicht befinden (also dem Bereich, wo die Sonne sich unter dem Horizont befindet und der Himmel durch die Dämmerung etwas erhellt ist)

Bis zu welcher Höhe über dem Horizont sich die Cirren schwarz bis schwarzgrau zeigen, hängt ab von:
- Stand der Sonne unter dem Horizont
- Höhe des jeweiligen Cirrus-Niveaus über Grund
- Dichte / Kompaktheit der Cirren

Passende Werte kann ich hier nicht liefern, aber folgendes Beispiel aus mehreren Beobachtungen am (mondlosen) Abendhimmel dazu nennen:

- Die Dämmerung ist bereits so weit fortgeschritten, daß die südliche Himmelshälfte bis über den Zenit hinaus deutlich abgedunkelt erscheint. Mehrere Sterne sind schon deutlich erkennbar. Der NW bis N hat noch einen mehrere Grad hochreichenden, helleren Dämmerungsstreifen. In letzterem heben sich perspektivisch dichte Cirren "im Gegenlicht" schwarz vor dem Dämmerungsstreifen ab.
In großer Höhe über dem Horizont sind auch noch Wolken erkennbar. Cirrusartig, diffus, Sterne können hier und da hindurchleuchten. Farbe: mehr oder weniger fahlgrau, fast schon schwach blausilbergrau. Die NLC-Frage drängt sich auf. Also weiter beobachten. Der Himmel wird dunkler, manche der fraglichen Wolken werden noch etwas markanter.

Da erscheint zum Glück des Rätsels Lösung:
Ein hochfliegendes Flugzeug durchkreuzt diesen Bereich dunkleren Himmels und zieht bei guter Durchsicht einen markanten Kondensstreifen (KS) hinter sich her. Farbe: Im Kontrast zum Himmel ein nettes, wenn auch eher schwächeres "Blausilbergrau". Passend zu den anderen Wolken in den hohen Gegenden wird somit klar, daß diese sich alle noch im Cirrusniveau befinden (im Sommer in unseren Breiten reicht dieses Niveau von etwa 7 - 13km über Grund). Teils lassen sich nun auch einige Bänder deutlich als ältere, bereits veränderte KS identifizieren.
Auch die Beobachtung mit einem kleinen Fernglas zeigte vorab ja bereits keine weiteren, markanten Details in den Wolken (bisher konnte ich bei allen definitiven NLC-Beobachtungen diese kleinen markanten Wellenstrukturen - wenn nicht mit dem bloßen Auge, dann mit einem 8x30 Fernglas recht deutlich ausmachen).
Noch markanter zeigt sich ein Flieger, der direkt von der Dämmerung her vertikal aufzusteigen scheint: Vom Horizont bis einige Grad hoch, ist der KS tiefschwarz. An einem "Übergangspunkt" wechselt die Farbe des KS in hellgrau bis (wie oben beschrieben) in schwach leuchtendes "Blausilbergrau" im dunkleren Himmelsbereich.

Im Gegensatz zu den "schwarzen Cirren" sind die oben genannten "blausilbergrauen Cirren" noch anderen Beleuchtungseffekten durch die Dämmerung und dem Winkel zum Beobachter unterworfen.
Noch einige Zeit später werden dann auch sie schwächer und "verschwinden". Es waren somit keine schwachen NLC (in großer Höhe über dem Horizont) gewesen. In einem noch kleinen Restdämmerungsstreifen sieht man noch ein wenig "schwarzen Cirrus".

Ein Morgenhimmelbeispiel:

Eine mond- und mehr oder weniger wolkenlose, klare Nacht nimmt langsam ein Ende. Der Horizont in Richtung der aufgehenden Sonne wird stetig heller, während der restliche Himmel noch eine Reihe Sterne aufweist.
Weit weit entfernt sind tief über dem Dämmerungshorizont ein paar "schwarzgraue Cirren" erkennbar. Die Dämmerung schreitet fort. Der restliche Himmel liegt schon mehr oder weniger in einem noch tieferen graublauen Ton. Einige Strukturen scheinen auch darin vorhanden zu sein. Sind das Cirren? Etwas später sind dünne grauweißblaue Cirren(?) in großer Höhe über dem Horizont in südlicher bis nordwestlicher Richtung erkennbar. Es wird wohl noch kein direktes Sonnenlicht sein, welches sie in Erscheinung treten läßt; wohl eher eine Art indirekte Beleuchtung durch die zunehmende Dämmerung. In der Nähe des Sonnenaufgangpunktes werden die perspektivisch tiefen "schwarzgrauen Cirren" nun eher hellgrau. Einige Grad höher befindliche Cirren bekommen schon mehr Licht ab und schimmern in zartem Rosa, welches sich langsam über einige Bereiche des Himmels ausdehnen will.
Die vorher genannten dünnen Cirren, hoch über etwa S bis W bis NW sind schon fast nicht mehr zu sehen, eigentlich sind sie schon weg. Es ist schon recht hell.
Waren das vielleicht NLC!? Nein, siehe da! Mit Hilfe einer Sonnenbrille sind noch einige dünne Cirrusflecken erkennbar. Ein anschließender Blick ohne Brille läßt hier und da nun auch noch etwas erahnen. Noch besser kann ab und an eine Sonnenbrille mit Polarisationsgläsern die Cirren erkennen helfen. Wenn man damit bestückt den Kopf ein wenig bewegt und dreht, wird der blaue Himmel 'mal grauer , 'mal blauer. Und die ohne Brille nicht mehr wahrgenommenen Cirren werden entsprechend in ihrem Kontrast verändert. So scheint der Himmelsanblick 'mal wolkenlos und ein anderes Mal zu über die Hälfte mit dünnen Cirrusflecken und -fäden überzogen zu sein. (Man erinnere sich an Haloerscheinungen, welche in einem blauen Areal nicht immer auch den verantwortlichen Cirrus erkennen lassen.)

Man bedenke auch: Cirrus kann in ganz unterschiedlichen Schichten / Höhen gleichzeitig vorhanden sein, auch wenn er in etwa gleicher vertikaler Höhe über dem Horizont erscheint (s.o. / Sommer ca. 7-13km) . Auch dadurch können sich bei einer Beobachtung ganz unterschiedliche Beleuchtungseffekte / Reflektionen ergeben - von den unterschiedlichen Wolkengattungen und Arten im Eiswolkenniveau einmal abgesehen.

Außerdem: Auch großflächige Cirrusbereiche können sich manchmal ziemlich schnell auflösen!

Weiterhin fällt mir noch ein: Im horizontnahen Dunst finden sich in dessen dünneren oder gar teils dunstunterbrochenen Bereichen bei sonst guter Durchsicht auch ab und an scheinbar "helle Streifen"; dort, wo dann direktes, bereits recht helles Dämmerungslicht ungehindert hindurchdringt. Durch den starken Kontrast in dem Dunst- oder auch Wolkenbereich wirken diese Dämmerungsstreifen eventuell heller, als der komplett helle "Rest der Dämmerung" etwas über dem Dunstareal.

Vielleicht helfen diese Beschreibungen bei einiger Unsicherheit etwas weiter.

Schöne Grüße,
Olaf

Peter Broich

Schöner Bericht. Hat mir sehr gut gefallen und wieder was da

Beitrag von Peter Broich » 26. Jul 2002, 20:31

Schöner Bericht. Hat mir sehr gut gefallen und wieder was dazugelernt.*oT*

Alexander (Görlitz)

Sehr gut ...

Beitrag von Alexander (Görlitz) » 27. Jul 2002, 11:41

Hallo Olaf,

ich finde deine Überlegungen sehr gut und sie bestätigen die Schwierigkeiten, die mir dieses Jahr beim Aufspüren von NLC begegnet sind. Hier in der Umgebung von Görlitz haben mir vor allem horizontnahe Dunststreifen Kopfzerbrechen bereitet. Als Kontrollmittel ist dann wohl ein Fernglas und eine Fotodokumentation unerlässlich.

Viele Grüße
Alexander

Karl Kaiser

Re: Habe deine Überlegungen gern gelesen! *o.T.*

Beitrag von Karl Kaiser » 27. Jul 2002, 18:37

Re: Habe deine Überlegungen gern gelesen! *o.T.*

Olaf (IN)

Re: Sehr gut ...

Beitrag von Olaf (IN) » 28. Jul 2002, 07:37

Hallo Alexander,

jo - Fernglas ist immer gut... (...ich muß leider gestehen seit einiger Zeit keines mehr griffbereit zu haben). Und ebenso Deine genannte Fotodokumentation. Besonders praktisch, wie ich auch bei Dir sehen konnte (Aufnahmen vom 05. Juli 2001), sind Vergleiche mit einem leichten Teleobjektiv!

Gruß, Olaf

Olaf (IN)

Das freut mich! *o.T.*

Beitrag von Olaf (IN) » 28. Jul 2002, 07:42

Das freut mich! *o.T.*

Alexander (Görlitz)

Noch 'ne Idee

Beitrag von Alexander (Görlitz) » 28. Jul 2002, 20:49

Da ich gerade vom "NLC-Kontrollgang" zurück komme, hier noch eine Idee: Eine Digiknipse (die ich noch nicht besitze) könnte auch einige Zweifel beseitigen, da die Langzeitbelichtungen sofort verfügbar sind. Feinstrukturen sollten deutlich sichtbar sein und außerdem fallen NLC durch ihr weißliches Licht auf, sofern sie durch Dunst nicht gerötet sind.

Grüße
Alexander

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