2012-08-22 Zirkumzenitalbogen

Forum für Halo-Erscheinungen, Regenbögen, Blitze und alle anderen Lichterscheinungen, die neben Polarlichtern in der Erdatmosphäre auftreten.

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AnjaHoff
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2012-08-22 Zirkumzenitalbogen

Beitrag von AnjaHoff » 24. Aug 2012, 15:03

Hallo,

ich glaube ich habe am Mittwoch meinen ersten Zirkumzenitalbogen fotografiert!? Dazu kam noch eine schöne Nebensonne und ein interessanter Effekt wenn die Kondensstreifen Schatten auf die noch höher gelegene Wolkenschicht werfen (richtig erklärt?).


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Viele Grüße aus Bonn
Anja

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Werner Krell
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richtig..

Beitrag von Werner Krell » 25. Aug 2012, 09:53

Hallo Anja, alles richtig und Glückwunsch zu Ersten :-)
Gruß…Werner
Gruß und bis später...

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Gerald Ochsenhofer
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Beitrag von Gerald Ochsenhofer » 28. Aug 2012, 10:38

Ich hätte eigentlich gedacht, dass sich Wolke und Schatten unterhalb des Kondensstreifens befinden?

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Werner Krell
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Beitrag von Werner Krell » 29. Aug 2012, 09:39

Hallo, also wenn ich das Bild richtig interpretiert habe, ist, wie zu sehen, die Sonne schon am Horizont. Von daher ist es eigentlich nur möglich, dass der Schattenwurf nach oben erfolgt. Was noch dafür spricht, ist der frische Kondensstreifen links, der sich klar und deutlich vor dem Cirrus abhebt. Was, meiner Meinung nach, so nicht möglich wäre, wenn sich dieser Kondensstreifen über dem Cirrus befinden würde.
Gruß…Werner
Gruß und bis später...

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Christoph Gerber
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Beitrag von Christoph Gerber » 29. Aug 2012, 20:47

Hallo Anja und Werner,

ACHTUNG!, dieser perspektivischen Täuschung erliegen viele:
vom Beobachter auf der Erdoberfläche erscheint das Flugzeug über der Sonne, und diese ist noch deutlich über dem Horizont. Aber vom Flugzeug aus gesehen ist die Sonne etwa ebenso hoch über dem Horizont wie vom Erdboden aus - der Schatten kann sich also nur unterhalb von Flugzeug und Kondensstreifen befinden. Die Kondensstreifen befinden sich demnach über der Cirrenschicht.

Viele Grüße,
Christoph

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Werner Krell
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Beitrag von Werner Krell » 1. Sep 2012, 17:07

Hallo Christoph. Nochmals zu dem Schattenwurf. Der Bildmittelpunkt liegt etwas rechts neben der Sonne, etwa in der Mitte der im Vordergrund stehenden Baumgruppe. Das ermöglicht, nach links, eine etwas seitliche Sicht zwischen Kondensstreifen und Schatten. Wenn wir bei meiner Interpretation bleiben würde, also Schatten oben, würde das ja schon ganz gut passen. Wenn aber die Kondensstreifen, bei der gleichen Sicht, über den Cirren liegen würden, sollte da nicht der Schatten etwas nach links unten verlagert werden? Ein kleines Experiment dazu. Ein Blatt Papier nehmen, darauf einen etwa Bleistiftstarken schwarzen Strich malen, am besten am Rand, und eine Bleistift parallel dazu, in ca. 2, 3, 4 cm Entfernung darüber halten und etwas von der Seite, links wie auf dem Bild der Kondensstreifen, etwas über Augenhöhe anschauen. Einmal den Bleistift unterhalb und einmal oberhalb des Blattes über dem Strich. Papier ist Cirrus, Strich ist Schatten und das Bleistift, na ja, halt der Kondensstreifen. Ich finde, so kann man recht gut den Schattenwurf nachvollziehen. Oder irre ich mich da auch?

Gruß...Werner
Gruß und bis später...

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Heiko Ulbricht
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Beitrag von Heiko Ulbricht » 2. Sep 2012, 13:39

Hallo Anja,

alles fein gemacht! Glückwunsch zum ersten ZZB und den tollen Bildern an sich :wink:
Viele Grüße,
Heiko

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Christoph Gerber
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Beitrag von Christoph Gerber » 2. Sep 2012, 22:24

Schattenwurf von Kondensstreifen

Hallo Werner,

ich habe mal Antjes Bild genommen und darin drei Strahlen eingezeichnet, die von der Sonne ausgehen und Schatten werfen:
1. Schatten des Flugzeugs (und Kondensstreifen)
2. und 3. Schatten der Kondesstreifen an markanten Stellen

Der Schatten befindet sich immer auf der anderen Seite des Objektes als die Sonne, in unserem Beispiel also stets oberhalb (weil die Sonne tief steht!)
Der Schatten des Kondensstreifens unmittelbar hinter dem Flugzeug fällt sogar auf einen Kondensstreifen: es sind Schatten auf zwei Ebenen sichtbar.

Deine Vermutung würde stimmen, wenn die Sonne sich "in" der Atmosphäre befinden würde - d.h. tiefer, als das Flugzeug fliegt (es würde damit einer irdischen Lichtquelle entsprechen). Aus der Sicht des Beobachters ist es tatsächlich nicht zu entscheiden, ob sich die Schatten oberhalb oder unterhalb befinden: er sieht in beiden Fällen die Schatten oberhalb. Unsere Alltagslogik sagt: die Schatten müssen sich darüber befinden, weil die Sonne tief steht: logisch - aber leider falsch!
Beide Skizzen mögen diesen Sachverhalt klärend darstellen (Ideen, diese zu verbessern, sind willkommen!).
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Meine Erfahrung ist: sobald der Mensch den Erdboden verlässt, ist er von seiner Alltagslogik verlassen!
Bestes Beispiel hierfür sind die zufällig beobachteten Feuerkugeln: sie sind so hell, das der überraschte Beobachter meint, sie sei "im Garten des Nachbarn" heruntergekommen - weil wir aus dem Alltag kein Phänomen kennen, das so hell, aber hunderte von Kilometern entfernt ist.
Ein anderes Beispiel: bei der Beobachtung von Meteoren (Perseiden, Leoniden) wird immer wieder berichtet (ich habe es auch selber beobachtet), daß die Sternschnuppen in Gruppen oder Pulks auftreten. Dies ist lediglich eine Folge der normalen statistischen Verteilung: wenn die Meteore nicht regelmäßig alle x min oder sec kommen, entstehen zwangsläufig diese Verdichtungen: sie sind nichts als Zufall, aber der Beobachter meint, einen besonders dichten Abschnitt von Partikeln zu sehen.

Ich hoffe, die Skizzen machen deutlich, warum die Schatten nur unter dem Flugzeug sein können. Es gibt sogar den Fall, dass ein Flugzeug genau auf die untergehende Sonne zufliegt: dann beschattet das Flugzeug seinen eigenen Kondensstreifen (bzw. der Kondensstreifen sich selbst!). Das habe ich auch schon einmal gesehen!

Viele Grüße,
Christoph

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 3. Sep 2012, 10:22

Hallo Christoph,

danke für die Mühe und Aufklärung. Die dritte Dimension hat ihre Tücken, die auf noch so schönen Bildern zu Täuschungen führen. Bei Les Cowley wurden schon ähnliche Beispiele zu Kondensstreifenschatten gezeigt und erörtert.

Natürlich gibt es bei ganz tiefem Sonnenstand schon auch die Möglichkeit, daß Sonnenstrahlen hohe Wolken "untertunneln", die Schatten dürften sich dann aber extrem in die Länge ziehen und unscheinbar werden.

Gruß, Elmar

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Werner Krell
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Beitrag von Werner Krell » 5. Sep 2012, 12:39

Hallo, also ich fasse mal für mich zusammen. Es ist bei fast jedem Sonnenstand so, dass die Schatten unter den Kondensstreifen liegen, egal welchen visuellen Eindruck man gewinnt. Zumal, wenn man noch dazu in einem etwas hügeligen Gelände wohnt und keine direkte Sicht auf den ‚richtigen’ Horizont hat. Wie Elmar schon angedeutet hat, besteht dennoch die andere Möglichkeit, aber nur bei sehr tiefem Sonnenstand, was zum Bsp. am Meer zu beobachten wäre, da dort keine Hügel den Horizont ‚künstlich’ nach oben bringen. Ok Christoph, natürlich auch von mir ein Dankeschön für die Mühe und Arbeit die Du dir gemacht hast.
Gruß…Werner
Gruß und bis später...

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Christoph Gerber
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Beitrag von Christoph Gerber » 5. Sep 2012, 16:15

Hallo Werner,

- richtig erfasst ! Ich füge noch ein Bild vom Sonntag bei, das die selbe Situation zeigt: Kondensstreifen wirft Schatten auf Cirrenschicht. Da aber hier die Sonne höher steht, kommt der Gedanke, die Cirren lägen über dem Kondensstreifen, gar nicht auf. (Aber man drehe das Bild um 180° und ...!)
Bild

Gruß,
Christoph

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