[Halo] 2018-11-25 Helle Nebensonnen u.a.

Forum für Halo-Erscheinungen, Regenbögen, Blitze und alle anderen Lichterscheinungen, die neben Polarlichtern in der Erdatmosphäre auftreten.

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Elmar Schmidt
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[Halo] 2018-11-25 Helle Nebensonnen u.a.

Beitrag von Elmar Schmidt » 25. Nov 2018, 17:25

Hallo,

heute vormittag gab es an verwehten Kondensstreifen gleißend helle Nebensonnen. Hier eine linke, eingefangen auf der A5 (keine Fragen bitte ...) gegen 10:30 kurz vor der Abfahrt Karlsruhe-Nord.

Bild

Auf einem nur wenige Sekunden später gemachten Bild ist der weiße Schweif überbelichtet, so hell waren die.

Gruß, Elmar


PS: Micha, zu dem ich u.a. fuhr, hat auch welche und einen ZZB, stellt die später hier ein.

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Bertram Radelow
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Re: [Halo] 2018-11-25 Helle Nebensonnen u.a.

Beitrag von Bertram Radelow » 28. Nov 2018, 23:31

Elmar Schmidt hat geschrieben:
25. Nov 2018, 17:25
Auf einem nur wenige Sekunden später gemachten Bild ist der weiße Schweif überbelichtet, so hell waren die
Hoi Elmar
Du stösst da an ein grundlegendes Problem der Halo-Fotografie: die Belichtung kleiner heller Objekte in dunklen Himmeln... Als Fotograf von kleinen schneeweissen Segelflugzeugen in dunkelblauen Himmeln kenne ich mich da ein wenig aus.
Exakter formuliert geht es um die Gradation der Belichtung - Dunkelkammeroldies wissen was ich meine: Die DSLR-Chips liefern Bilder wie früher mit den extraharten Papieren. Dem gegenüber stehen die Video-Chips, die fast ultraweiche Bilder abliefern. Dazwischen stehen die Handy-Chips, die ordentliche Bilder abliefern.
Mathematisch ausgedrückt haben die DSLR-Chips eine lineare Kurve, die Video-Chips (z.B. auch in Action-Cams wie GoPro) eine exponentielle Kurve, und die Natels möglicherweise das was wir wollen: einen S-Schlag wie früher beim Kodachrome 50, also: sowohl das Absaufen im Weiss wie auch das im Schwarz wird verhindert oder zumindest stark abgeschwächt.

Aktuell sieht es so aus:
Bei den GoPro-Bildern muss ich kaum etwas ändern. Wenn ich es für nötig halte, erhöhe ich einfach ein wenig den Kontrast und schiesse die Landschaft ins Schwarz.
Bei den Nikon-Bildern wähle ich Programm "P" und drehe die Belichtung 1/3 bis 4/3 DIN ins Dunkle. Dieses Bild der Nebensonne...
Bild
...ist viel zu dunkel, der Himmel war eigentlich heller. Mit einer Gamma-Korrektur hätte ich die Helligkeit anheben können, auf Kosten der Farbigkeit. Das Bild entstand nebenbei bemerkt mit "-3 Strichen" Belichtungskorrektur, also -1DIN = -50% Unterbelichtung. Damit habe ich zumindest Rohmaterial, bei dem mir die hellen Stellen nicht im Weiss abgesoffen sind.

Unser Auge ist JEDER Abbildungstechnologie weit überlegen. Relativ deutliche ZZBs heute habe ich mit der ansich kontraststarken Nikon trotz heftiger Nachbearbeitung nicht so abbilden können wie ich sie eigentlich empfunden habe. Das habe ich aber nicht als Nachteil empfunden: alle Astrobilder von Hubble etc. sind eh völlige nie so sichtbare Kunstbilder - und jetzt kommen wir zum Paradigmenwechsel: versuche nicht die (ohnehin nicht definierbare) Realität zu zeigen, sondern Deine Empfindung. Stelle das Schöne dar, nicht die Realität. (Mir ist schon bewusst, dass es bei der Bestimmung von objektiven Himmels- und anderen Helligkeiten um ganz etwas anderes geht)

Eine Nikon hat bei der Belichtungsmessung im Prinzip zwei Optionen: Durchschnitt und mittenbetont.
Bei einer bildfüllend gezoomten (also 400+ Brennweite) Nebensonne oder einem Segelflugzeug ist das egal, aber je kleiner das Objekt (also NS in der Übersicht), desto überbelichteter wird es. "Mittenbetont" hilft da nicht wirklich. Deswegen gehe ich so vor:
Haloaufnahmen im P-Programm, mit mindestens 3 Strichen (1 DIN bzw. halbe ASA) Unterbelichtung. Bei extremen Nebensonnen 6 Striche (= Viertel ASA). In der Regel ist die hellste Stelle dann minimal unterbelichtet, das gleiche ich als erstes aus.
Wenn dann die dunklen Bereiche noch defintiv zu dunkel sind, hebe ich sie mit der Gammakorrektur vorsichtig an. Je stärker ich anhebe, desto farbloser wird der helle Teil, also meist der Halo. Eine Erhöhung des Farbkontrastes macht dann meist nur einen unnatürlich blauen Himmel. Das kann ich aber mit einer farbgetrennten Gammakorrektur (Blau absenken, Rot anheben) beheben.
Trotz aller Erfahrungen: die Korrekturen sind des Teufels. Manchmal habe ich nach 10 Eingriffen ein tolles Bild, aber es ist nicht das was ich sah... Und anders herum schaffe ich es manchmal etwas zu zeigen, was ich gar nicht gesehen hatte: vor allem bei ZZBs kann ich gelegentlich herausmodellieren, dass die Innenkante noch blauer ist als der Himmel (bei dieser Situation hatte ich es definitiv nicht gesehen!):
Bild

Es ist mir ein grosses Vergnügen herauszumodellieren was ich zentral gesehen habe, auch auf Kosten der Bergwälder (die dann meist zu dunkel geraten). Den Anspruch auf "objektive" Bilder habe ich schon längst aufgegeben. Ich betrachte den von der Kamera als "Foto" gelieferten Pixelsalat als Rohmaterial, das ich in eine betrachtenswerte Form überführen muss. Ich kann fast alles beheben, aber eines niemals: Überbelichtung... Was im Weiss abgesoffen ist, bleibt weisse Wüste, irreparabel.
Deswegen fotografiere ich Segelflugzeuge und Halos stark unterbelichtet und führe anschliessend ein heftiges Postprocessing durch.

Bertram

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Michael Johler
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Re: [Halo] 2018-11-25 Helle Nebensonnen u.a.

Beitrag von Michael Johler » 29. Nov 2018, 15:40

Danke für den interessanten Beitrag, Bertram!

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Elmar Schmidt
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Re: [Halo] 2018-11-25 Helle Nebensonnen u.a.

Beitrag von Elmar Schmidt » 30. Nov 2018, 15:06

Hoi Bertram,

auch von mir danke für die Ausführungen. Mein Bild wurde übrigens - unabsichtlich - eine Blende unterbelichtet, ist ansonsten kaum weiter bearbeitet (10%-Bereich).

Gruß aus Bozi Dar*

Elmar

*heute leider fieses Glatteis

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Re: [Halo] 2018-11-25 Helle Nebensonnen u.a.

Beitrag von Michael Großmann » 4. Dez 2018, 16:47

Hi Elmar,

hier der Link zum "Teil ZZB"
http://lightsearcher.de/4images/details ... 7e49e79f18

Gruß, Micha

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