"Dunkles Band" am morgendlichen Dämmerhimmel

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Christoph Gerber
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"Dunkles Band" am morgendlichen Dämmerhimmel

Beitrag von Christoph Gerber » 21. Mai 2017, 19:16

"Dunkles Band" am morgendlichen Dämmerhimmel

In der vergangenen Nacht nutzte ich die Wolken- und Mondlosigkeit für Meteorbeobachtung. Diese war zwar alles andere als "erfolgreich" hinsichtlich Meteoren (nur 3 Meteore von etwa 1:30–4:30 MESZ), aber sie bot auch andere Ereignisse und Phänomene. Die Beobachtungszeit war (geplant) eingerahmt durch zwei ISS-Transits mit einem weiteren in der Mitte (1:25, 3:00, 4:35), und dazu drei Iridium-Flares in zeitlicher Nähe zu den ISS-Transits. Der mittlere dieser Flares war spektakulär, da er -8.0 erreichen sollte – und es wohl auch tatsächlich tat (s. entsprechenden Thread). Und erneut sichtete ich einen Blitz am absolut wolkenlosen Himmel (s. entsprechenden Thread).
Ab 4:00 war es für die Meteorbeobachtung zu hell, so dass ich Dämmerungsbeobachtungen machte – nicht zum ersten Mal. Aber heute früh ist mir ein Phänomen aufgefallen, dass ich bisher nicht beobachtet habe: Um 4:23 bemerkte ich ein dunkles Band (hier war der Himmel am dunkelsten) quer über den Himmel: zwischen Alpha und Eta UMa (also über die gesamte Breite des Großen Wagens) im W über den Zenitbereich (zwischen Deneb und Wega) bis zwischen Atair (Alpha Aql) und Epsilon Peg im Westen. Dieser auffällig dunklere Streifen am Himmel erinnerte mich sofort an den dunkleren Himmelsbereich in 90° Sonnenabstand bei tiefsteheder Sonne und sehr klarem Himmel, der durch die Rayleigh-Streuung verursacht wird. Hier aber stand die Sonne noch 9° unter dem Horizont. Die Ausrichtung des Bandes war aber genau quer zur Sonnenrichtung (s. Bild). Als ich mich um 4:41 auf den Heimweg machte, war das Band immer noch zu erkennen.

Ich habe schon des öftern in der Morgendämmerung beobachtet, aber dieses Band hatte ich bisher noch nie bemerkt. Hat jemand eine Erklärung dafür???

Gruß,
Christoph
Lage des "dunklen Bandes" auf einer stellarium-Darstellung der Himmelsansicht
Lage des "dunklen Bandes" auf einer stellarium-Darstellung der Himmelsansicht

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Bertram Radelow
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Re: "Dunkles Band" am morgendlichen Dämmerhimmel

Beitrag von Bertram Radelow » 22. Mai 2017, 04:13

Hoi Christoph
Das Licht ist dort stark polarisiert, jedenfalls lässt sich der Effekt mit Polfilter verstärken. Ich kenne den Effekt gut von meinen Modellflugbildern:

Bild

(Sonne spätnachmittags, links)

LG
Bertram

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Christoph Gerber
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Re: "Dunkles Band" am morgendlichen Dämmerhimmel

Beitrag von Christoph Gerber » 22. Mai 2017, 11:28

Hallo Bertram,

genau so sah es aus und so kenne ich es auch vom Taghimmel. Ich frage mich nur: wie funktioniert die Polarisierung, wenn die Sonne noch so tief unter dem Horizont (-9°) steht ?!? Diese Dämmerungs-Erscheinung ist mir jedenfalls neu bzw. bisher noch nie aufgefallen.

Ich habe jetzt doch mal bei Minnaert (Licht und Farbe in der Natur) nachgeschaut (§200. Die Lichtverteilung am Himmel): Dort heißt es: Der dunkelste Punkt liegt stets im Sonnenvertikal, und zwar 95° von der Sonne entfernt, wenn sie tief steht, und 65°, wenn sie hoch steht. Da das von mir beobachtete "Band" nahezu auf den Zenit zentriert war, befand es sich etwa 100° von der Sonne entfernt. Das würde gut zu den 95° "bei tiefem Sonnenstand" passen. Anscheinend gilt dies sogar für negative Sonnenhöhen.
Minnaert schreibt weiter, dass das Blau vom Ozon beeinflusst wird: Diese schwache Farbe des Ozons kommt zum Vorschein, wenn die Sonne zum Horizont hin absinkt. Spielte nur Streuung eine Rolle, würde der Himmel in Zenitnähe grau oder gar gelblich. Durch das Ozon bleibt der Himmel auch noch nach Sonnenuntergang blau.
Gab es gestern eine Besonderheit mit der Ozonkonzentration, die dieses Band so auffällig werden ließ?

und @alle: gibt es einen Namen/Begriff für diesen (Polarisations-)Effekt? Ich würde ihn auf die Liste der "Atmosphärischen Erscheinungen" aufnehmen wollen.

Gruß,
Christoph

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