ich hatte letzten Sonntag auch endlich mal wieder richtiges Glück: Eisnebelhalos in der Niederlausitz, ohne Berge, Schneekanonen, extrem tiefe Temperaturen oder was man sonst alles an Zutaten normalerweise für nötig hält.
Kurz nach 15.00 (MEZ), also noch vor Sonnenuntergang, kam ziemlich plötzlich Nebel auf, jedoch nur als eine dünne Schicht bis vielleicht 30 m Höhe - nach oben konnte man noch den Himmel sehen. Nach Sonnenuntergang sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, gegen 19.00 hatten wir in Hörlitz etwa -3,5 °C.
Gegen 21.00 war ich auf der A13 Richtung Dresden unterwegs und kam am BASF-Werk Schwarzheide vorbei. Plötzlich Lichtsäulen an den Scheinwerfern auf der Gegenfahrbahn? Einbildung oder streifige Scheibe? Nein, tatsächlich echt. Dazu "Sektgläser" an den Straßenlampen am Werk. Ich geriet da schon etwas aus dem Häuschen. Dazu muss man wissen, dass es in der Gegend nur alle paar Jahre mal zu einer glitzernden Eisnebellichtsäule reicht, andere Eisnebelhalos (auch 22°-Berührungsbögen) habe ich dort das letzte Mal 2006 gesehen und davor zuletzt in den 90ern.
Also bin ich in Ruhland abgefahren und zurück in Richtung Werk. Schnell auf einen Parkplatz und Kamera und Stativ gegriffen. Wie letztes Jahr auf dem Keilberg trieben die glitzernden Eiskristalle regelrecht vor mir her und es gab diesen wunderbaren 3D-Effekt (ich hatte aber keine Stereoausrüstung mit). Ich habe dann die Autoscheinwerfer als Lichtquellen benutzt (deswegen ist alles doppelt), aber der Hintergrund war durch die Straßenbeleuchtung ziemlich hell. Auf der Autobahn hatte ich noch den Eindruck, dass Plättchen mit dabei waren (wegen der Lichtsäulen), nun dominierten aber ganz klar Säulenkristalle (einfach orientiert, d.h. keine Vertreter der Parry-Familie waren dabei) und zufällige Orientierungen. Moilanenbogen gabs keinen.
Hier ein Video von 21.24: https://www.youtube.com/watch?v=UYpQB7B1cpA
Fotografieren ist bei diesen Glitzergeschichten ja so eine Sache für sich. Hab mich dann für eine Intervallaufnahme mit 1 s Taktung entschieden, Belichtungszeit jeweils 1/25 s bei Blende 4,5 und f = 13 mm an der Pentax K-5 bei ISO 1600. Meine Geduld reichte für 42 Bilder. Ich hab dann wie bei den Keilbergvideos (siehe Haloblog) ein Kompositbild berechnet, aber nicht einfach die Summe bzw. den Durchschnitt, sondern für jedes Pixel die jeweils hellste Ausprägung der 42 Varianten genommen. Das ist meiner Meinung nach das, was in Finnland als "maximum stack" bekannt ist:

(21:28 MEZ)
Dazu hier noch das normale Durchschnittsbild (bzw. die Summe, wegen der Normalisierung ist das das Gleiche), d.h. das was auch bei 42/25 s Belichtungszeit rausgekommen wäre:

(Man kann auch noch einen "minimum stack" berechnen, wo nur die dunkelsten Pixel zum Ergebnis beitragen, aber das sieht hier fast genauso aus wie das Durchschnittsbild.)
In diesem Bild sieht man ziemlich deutlich einen Schneedeckenhalo, weil der sich zeitlich nicht verändert. Der ist mir visuell wegen des Glitzerns entgangen. Nebenbei: Im Gebäude im Hintergrund haben Richard und ich 1998 den "Jugend forscht"-Landeswettbewerb im April 1998 gewonnen. Mit dem Thema Schneedeckenhalos. Und genau dort und bei dieser Gelegenheit hab ich auch meine ersten Pyramidalhalos gesehen (aber in Cirrus).
Reihenaufnahmen lohnen sich also immer, denn man kann nachträglich viel damit machen!
Daran hab ich mich aber selber in dem Moment nicht gehalten. Als ich mir nämlich den Gegenlampenbereich angeschaut hab, und dort das Glitzern auch "haloverdächtig" erschien, hab ich nur zwei Bilder in die Richtung aufgenommen. Der helle Hintergrund hat mich zu sehr gestört. Hier ein Bild mit 1 s Belichtung:

(21.29, unscharf maskiert)
Ich werd mir auch nochmal die Differenz der zwei Bilder, die ich davon hab, genauer ansehen. Bei der Lampenhöhe um 0° und Säulenkristallen könnten "diffuse Bögen" (Greenler oder Tränkle) dabeigewesen sein.
Aber vor Ort hab ich mir eingeredet, es könnte ja ein paar 100 m weiter alles noch zehnmal besser laufen, vielleicht sogar mit mehr Haloarten und dunklem Hintergrund? Also wieder rein ins Auto und Richtung Norden weiter.
Interessanterweise sah ich aus dem Auto 22°-Ringe um die Straßenlaternen durch die Kristalle auf der Windschutzscheibe, bis die wegen der Heizung wegtauten. Am Ende des Werksgeländes waren auch die Halos "zuende"! Also wieder zurück. Ich landete wieder auf dem gleichen Parkplatz, aber etwas weiter hinten, wo es dunkler war. Trotz verschiedener Versuche mit der Kamera im und unter dem Scheinwerferlichtkegel kam nichts Neues mehr dazu.
Aber es gab noch einen schönen Blick auf die Sektgläser:

(21.58)
Interessant zu erleben, wie die Haloerscheinung bei einer nahen Lampe glitzert und bei einer entfernten kontinuierlich wird.
Bin dann nach einer Stunde Haloerlebnis wieder nach Süden weitergefahren. Dort war auch am Ende des Werksgeländes Schluß mit den Halos. An der Autobahnauffahrt Ruhland gabs normalen "flüssigen" Nebel. Noch vor Ortrand war auch das Nebelgebiet zuende und der Orion funkelte durch das Seitenfenster.
Ich komme ja immer mal wieder an der BASF vorbei und hab schon immer (vor allem wenns richtig kalt war) gedacht, dass es ja dort am ehesten mit Eisnebel klappen müsste, immerhin lassen sie dort Wasserdampf raus und Kondensationskeime wirds auch geben. Was aber nötig war, das war wohl einfach richtig feuchte Luft durch den reinziehenden Nebel! Und die Beschränkung auf das Werksgelände zeigt dann das Verbreitungsgebiet der Kondensationskeime. Ich kenn auch ein paar Leute, die dort arbeiten, und werd mal fragen, ob die dort was Neues kochen... Die Temperatur dürfte um -5°C gelegen haben, hab leider keinen Sensor am Auto, aber kann später nochmal in die Wetterdaten aus Hörlitz (ca. 6 km nordöstlich vom Beobachtungsort) schauen.
Was lernt man nun daraus? Immer eine Halolampe mitnehmen, am besten die in Finnland erprobte Technik? Schleichwege studieren um bei Bedarf dunkle Ecken parat zu haben? Notizen an sich selbst in der Fototasche, für den Fall dass man zu nervös wird? Und dann wieder 10 Jahre warten? Ich weiß es nicht und will auch nicht das Erlebnis mit zuviel Perfektionismus nachträglich kaputtreden... Es war einfach wundervoll, sowas in der Heimat, und noch dazu in einer für mich sehr haloarmen Zeit, erlebt haben zu dürfen. Und es motiviert unheimlich fürs Halotreffen!
Viele Grüße,
Alex
