interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Forum für Halo-Erscheinungen, Regenbögen, Blitze und alle anderen Lichterscheinungen, die neben Polarlichtern in der Erdatmosphäre auftreten.

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Manfred Laudahn
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interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Manfred Laudahn » 25. Okt 2013, 22:32

Bild
in groß: http://www.abschweb.de/tagebuch/251013-1.htm

Ich vermute verursacht durch einen Kondensstreifen. Aber dieser 3-D-Effekt ist mir nicht klar.

Grüße
Manfred

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Christian Mencke
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Christian Mencke » 27. Okt 2013, 10:13

Das sieht ja fast ein bisschen aus wie ein sehr großer und sehr gerade Staubteufel :D

MfG
CMM

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Manfred Laudahn
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Manfred Laudahn » 27. Okt 2013, 12:16

Ein Staubteufel (mir ist nur der englische Begriff "dust devil" geläufig) ist eine extrem energiereiche und kleinräumige Thermik. Die wäre nie so schnurgerade. Aus meiner Sicht kann das wegen der perfekten Ausrichtung auf die Sonne nur eine optische Himmelserscheinung sein.

Grüße
Manfred

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Christoph Gerber
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Christoph Gerber » 27. Okt 2013, 15:23

Hallo Manfred,

da ist dir ein sehr interessantes Bild gelungen. Da zwei ganz verschiedene Arten von Schatten zu sehen sind, wirkt ihr Zusammenspiel etwas verwirrend auf den Betrachter. Die Verwirrung wird noch dadurch gesteigert, dass das menschliche Hirn dazu neigt, den relativ scharf definierten Kondensstreifen mit dem Schlagschatten in Verbindung zu bringen - und dann fängt das Rätselraten an. Es sind folgende zwei Schattenarten zu sehen:
1. Ein Kondenstreifen (im Folgenden KS) und sein auf eine daruntergelegene Wolke projezierter Schatten. Dieser Schatten ist rechts neben dem verursachenden Kondensstreifen zu sehen. Er ist aus perspektivischen Gründen nicht ganz parallel zum KS.
Im diesem Fall ist der Abstand zwischen Kondensstreifen und Wolke so, daß der KS von der Wolke aus gesehen die Sonne vollständig bedeckt und ein Kernschatten entseht. Die Projektion dieses Kernschattens ist unabhängig vom Standort des Beobachters zu sehen. Dieser Schatten ist also "real". Diese "Realität" ist auf deinem Foto sogar noch dadurch dokumentiert, dass -wenn ich mich nicht irre- sogar das Spiegelbild der Wolke mit dem Schatten im See (!) zu erkennen ist.
(Ich habe mir erlaubt, in deinem Bild die entsprechenden Beschriftungen einzutragen):
Bild
2. Der andere Schatten ist der Schlagschatten eines weiteren Kondensstreifens. Er durchquert das Bild und ist sehr auffällig. Dies ist im Gegensatz zum ersten Schatten kein Schattenwurf auf eine Wolke, sondern in den atmosphärischen Dunst über der Erdoberfläche. Diese Schlagschatten entstehen, wenn sich für den Beobachter ein ausreichend dichter Kondensstreifen vor die Sonne schiebt. Für den Beobachter liegt in diesem Moment die Sonne genau in dem Großkreis, den der Kondensstreifen bildet. Der gesamte Schatten, den dieser KS in der unteren Atmosphäre bildet, verdichtet sich dann auf diese eine Sichtlinie. Diese Schattenlinie ist gewissermaßen "virtuell", da sie allein von der Geometrie Kondensstreifen-Beobachter-Sonne abhängt und somit ein räumliche Erscheinung ist, die der Beobachter nur dann sehen kann, wenn er sich selbst im Schatten befindet. Der "reale" Teil des Schattens wäre seine Projektion auf den Erdboden, den er aber meistens nur noch als "Halbschatten" erreicht. Deshalb verschwindet er vom Boden aus gesehen noch oberhalb des Horizontes. Siehe (Kondensstreifen-Schattenwurf mit 3D-Effekt) und:
Bild
Je länger der (gerade) Kondensstreifen ist, desto weiter reicht auch sein Schattenwurf, d.h. umso mehr Luft wird "verfinstert" und um so auffälliger wird er. Im Idealfall schneidet dann ein auffällig dunkler Schattenstreifen den Himmel in zwei Hälften. Da für seine Sichtbarkeit eine bestimmte geometrische Konstellation notwendig ist, kann er sich auch nicht im See spiegeln: Dies ist ein weiterer Hinweis auf den Unterschied der beiden Schattenwürfe.
Da du gewissermaßen "von oben" herunterschaust, verdichtet sich der Schatten auf deiner Aufnahme auch noch unterhalb des Horizontes. Vor dem Berg und über dem See ist der Schatten so schwach, dass er sich nicht mehr abzeichnet. Hier fehlt einfach die räumliche Tiefe, um den Schattenwurf bis zur Sichtbarkeit zu addieren, bzw. hier fehlt der Kernschatten.


Ich nutze gleich die Gelegenheit, um auf ein anderes Bild zu verweisen, das ebenfalls beide Schattenarten enthält. Es stammt von Richard Henkes (s. Peter Krämer und Claudia Hinz Double Contrail Shadows). Mein Erklärungsversuch zu diesem Bild:
(hier ein in dem Blog verlinktes Bild mit zusätzlicher Beschriftung zum besseren Verständnis):
Bild

1. Die "realen" Schatten sind die fünf (oder gar sechs) Schatten der KS auf dem Wolkenstreifen. Das "V" sollte zu den beiden sich am rechten oberen Rand des Bildes sich kreuzenden KS stammen. Rechts daneben sind zwei (evtl. drei) weitere parallele Schatten zu sehen; sie dürften von den hellen KS am rechten oberen Bildrand stammen. Dann ist noch ein weiterer Schatten links, parallel zum linken des "V"s. Soweit die Schatten der KS auf der Wolke.
2. Dann sind die beiden Schatten in der Atmosphäre zu sehen (am auffälligsten auf dem oben verlinkten Bild im Blog): es sind die üblichen Schlagschatten, wenn ein KS vom Beobachter aus gesehen die Sonne kreuzt. Daher sind die Schlagschatten auf den beiden Bildern auch unterschiedlich ausgebildet (räumliche Veränderung in Bezug auf den Beobachter). Der Schlagschatten (KS1) geht von dem KS aus, der die linke Seite des "V"s bildet: er bildet die Fortsetzung dieses KS und verläuft etwas oberhalb des Schattens des selben KS auf der Wolke (vgl. gelben Pfeil). Die Tatsache, daß gleich zwei Schlagschatten zu sehen sind, heißt, dass sich im Moment der Aufnahme KS1 und KS6 direkt vor der Sonne kreuzten! Beide Male sind die "atmosphärischen" Schattenstrahlen gegenüber den Schatten auf der Wolke knapp nach links versetzt, was der Perspektive verschuldet ist.

Ich hoffe, hiermit die Erscheinung etwas verständlicher zu machen.

Viele Grüße,
Christoph

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Manfred Laudahn
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Manfred Laudahn » 27. Okt 2013, 15:31

Danke Christoph,

deine lichttechnischen Darlegungen leuchten ein.

Jetzt aber zwei forumstechnische Fragen:

1. Wie geht das, dass dein Beitrag nun vor allen anderen Beiträgen steht?

2. Wieso ist das Thema nun aus der Themenliste des Allgemeinen Forums verschwunden?

Grüße
Manfred

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Andreas Möller
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Andreas Möller » 27. Okt 2013, 15:33

Manfred Laudahn hat geschrieben: 1. Wie geht das, dass dein Beitrag nun vor allen anderen Beiträgen steht?

2. Wieso ist das Thema nun aus der Themenliste des Allgemeinen Forums verschwunden?
Das war ich :oops: :roll: :oops:
Ich hätte das Forum lieber offlien stellen sollen als ich die Archive importiert habe.
Ist alles wieder i.O.

Grüße, Andreas

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Manfred Laudahn
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Manfred Laudahn » 27. Okt 2013, 15:34

Seltsam, mit der Einstellung meines letzten Beitrags sind die forumstechnischen Probleme beide behoben.

Grüße
Manfred

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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Andreas Möller » 27. Okt 2013, 15:36

Wie gesagt, das war ich ;) Und ich habs auch wieder heile gemacht.
Grüße, Andreas

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Christian Mencke
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Christian Mencke » 27. Okt 2013, 15:47

Manfred Laudahn hat geschrieben:Ein Staubteufel (mir ist nur der englische Begriff "dust devil" geläufig) ist eine extrem energiereiche und kleinräumige Thermik. Die wäre nie so schnurgerade. Aus meiner Sicht kann das wegen der perfekten Ausrichtung auf die Sonne nur eine optische Himmelserscheinung sein.

Grüße
Manfred
Das ist mir schon klar, es sieht halt so aus

MfG
CMM

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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Elmar Schmidt » 27. Okt 2013, 17:14

Hallo Christoph,

tolle Analyse. Tue mich nur etwas schwer mit dem Begriff "Schlagschatten", der m.E. doch eher für einen auf eine Fläche treffenden Kernschatten steht. Sollte man den räumlichen Schatten nicht eher als Schattenstrahl bezeichnen?

Gruß, Elmar


PS: hatte vor längerem schon mal auf eine natur- und kulturgeschichtliche Studie hingewiesen, wiederhole das aus ggb. Anlaß nochmals hier

http://www.perlentaucher.de/buch/robert ... ttens.html

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Christoph Gerber
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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Christoph Gerber » 27. Okt 2013, 21:58

Hallo Elmar,

danke für den Hinweis - du hast recht, es ist nach der Definition ein Schattenstrahl: Name für atmoshärische Erscheinung gesucht

viele Grüße,
Christoph

PS: zur (nicht mehr aktuellen Platzierung des Beitrags): ich wunderte mich, dass das Thema aus der Liste verschwunden war. Dann entdeckte ich, dass meine Antwort mit dem Datum 1.1.1970 01:00 versehen war. Das Thema befand sich somit als allererster Eintrag ganz ganz unten (auf S. 217)! Aber das ist ja schon behoben...

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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Michael Großmann » 28. Okt 2013, 18:55

Hallo Zusammen,

wunderbar erklärt Christoph !!!

Gruß, Micha

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Re: interessanter Schattenwurf: Tegelberg 25.10.13

Beitrag von Claudia Hinz » 5. Nov 2013, 22:14

Glückwunsch zur Beobachtung und danke an Christoph für die grafische Erklärung. Das wäre auf jeden Fall auch eine Bereicherung für den Blog!

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