Venus und Jupiter am Tage

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Christoph Gerber
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Venus und Jupiter am Tage

Beitrag von Christoph Gerber » 10. Jul 2012, 15:51

Venus und Jupiter am Tage (10.07.2012)

Heute bot sich mir endlich die Gelegenheit, am späten Vormittag (ab 10:00 MESZ) Ausschau nach der Venus zu halten. Hilfe bot der Mond trotz seiner Entfernung von etwa 60° (!), aber diese half mir, die ungefähre Stelle am Himmel abzuschätzen (die Sonne ist bis mittags vom Gebäude bedeckt - mein Balkon liegt auf der Westseite). Demnach musste Venus bereits sichtbar nahe der Dachkante stehen. Die Suche gestaltete sich wie üblich: zunächst war sie nicht aufzufinden, als ich sie dann aber hatte, strahlte sie unübersehbar hell. Vorbeiziehende Wolken (tiefe und recht schnelle Cu) erleichterten das Auffinden, da sie das Auge zu fokussieren halfen.

Als ich die Venus hatte und problemlos wiederfinden konnte, machte ich mich -nun mit dem Fernglas- auf die Suche nach dem nahe stehenden Jupiter. Mit Hilfe von Stellarium-0.10.2 konnte ich schnell die relative Position zu Venus herausfinden: 6° rechts oberhalb. 6° beträgt der Blickfelddurchmesser meiner Ferngläser. Unerwartet schnell hatte ich Jupiter mit 6x30 (gegen 10:15 MESZ): eine wie erwartet blasse Scheibe, im Gegensatz zu der hell strahlenden sichelförmigen Venus. Ich konnte Jupiter mehrfach wiederfinden, auch mit dem größeren Fernglas (12x60) war Jupiter gut auszumachen.

Den Durchmesser der Jupiterscheibe schätzte ich auf etwa 2/3 des Venusdurchmessers. Die tatsächlichen Werte betragen (nach Stellarium): Venus: 38"4, Jupiter: 34"5. Beide sollten also etwa gleichgroß sein. Der Unterschied in der Größenwahrnehmung ist auf den Helligkeitsunterschied zurückzuführen: die hellere Venus erscheint größer als der blasse Jupiter. Dieses Phänomen habe ich bereits wiederholt beobachtet: steht der Mond ganz in der Nähe eines Planeten oder hellen Sternes (meistens vor bzw. nach Bedeckungen), scheint er mit bloßem Auge deutlich näher zu stehen als es durch das Fernglas der Fall ist - weil der Mond dem freien Auge größer erscheint, als er tatsächlich ist.
Die kommende Jupiterbedeckung (am Sonntagmorgen 15.7. gegen 4:00 MESZ) wird hierzu eine schöne Überprüfungsmöglichkeit bieten. Ferner wird es sehr interessant werden, da kurz nach der Bedeckung die Dämmerung beginnt. Bei guten Wetterverhältnissen sollte es möglich sein, Jupiter mit bloßen Auge mindestens bis Sonnenaufgang zu verfolgen. Es ist nicht auszuschließen, daß Jupiter auch nach Sonnenaufgang noch eine Zeitlang mit unbewaffneten Auge zu sehen wird. In meiner Jugend gelang es mir, Jupiter bis 1 Std. 40 min. nach Sonnenaufgang zu verfolgen bzw. bereits 2 Stunden vor Sonnenuntergang mit bloßem Auge zu erfassen (s. Sterne&Weltraum 3/1998, 281).

Klares Wetter und viel Erfolg am 15. Juli !
Christoph

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Christoph Gerber
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Beitrag von Christoph Gerber » 24. Jul 2012, 14:35

Weitere Beobachtungen (23. und 24.07.2012)
Venus ist mit -4.4 mag z.Z. so hell, daß ich sie nahezu problemlos am Tageshimmel auffinden kann. Wie sonst der Mond als Wegweiser für das Auffinden der Venus dient, ist es jetzt Venus, die mich zu Jupiter führt. Am späten Vormittag des 23.07. (10:45 MESZ) schien mir Venus so hell zu sein wie ein Stern von etwa 2.5–3.0 mag am Nachthimmel. Sie war stets leicht wiederzufinden. Der Himmel war trotz einiger Cirren so klar, daß ich mich wieder auf die Suche des Jupiter machte (Fernglas 12x60). Jupiter war zwar 10° von der Venus entfernt, aber dennoch habe ich ihn sehr schnell im Blickfeld gehabt (freihändig, nur an Wand angelehnt). Ich konnte ihn wiederholt auffinden. Allerdings habe ich ihn nicht mit bloßem Auge erfasst - dazu fehlte mir dann doch ein direkter Wegweiser. Außerdem ist Jupiter etwa 2.5 mag schwächer als Venus; dann müsste er wie ein Stern 5.0–5.5 mag am Nachthimmel erscheinen - aber 5.5 mag ist schon am Nachthimmel nicht so einfach...
Heute hatte ich noch einmal Erfolg und habe das Jupiterscheibchen gesehen (10:15 MESZ). Allerdings war der Himmel bereits deutlich dunstiger als gestern.

Aussichten:
Da sich Venus nun rasch von Jupiter entfernt, kann in den nächsten Monaten nur der Mond als Wegweiser dienen. Leider ist der Mond am 11. und 12.8. zu weit weg vom Jupiter (am 12. bei Sonnenaufgang schon etwa 5°); am Mittag des 9.9. (12:00 MESZ) steht Jupiter 2° genau oberhalb des Halbmondes - eine sehr günstige Gelegenheit, ihn mit dem Fernglas aufzusuchen. Am 6.10. ist der Abstand auch wieder zu groß. Eine letzte Gelegenheit, in diesem Jahr Jupiter am Taghimmel zu sehen, besteht dann am Morgen des 2.11., wenn Jupiter 3° rechts vom Mond steht (8:00 MEZ in etwa 20° Höhe über dem Westhorizont).

Christoph

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Christoph Gerber
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Beitrag von Christoph Gerber » 8. Sep 2012, 16:54

Der "helle Wahnsinn": Jupiter am Tage mit bloßem Auge!

Wie oben bereits angegeben, stand heute Vormittag der Mond nahe Jupiter. Gegen 10:00 MESZ befand er sich fast genau 2° oberhalb des Mondes und knapp links von ihm. Ein Blick auf stellarium zeigte mir, wo ich Jupiter zu suchen hätte. Mit einem12x60-Fernglas ausgestattet, machte ich mich auf die Suche - und war überrascht, daß Jupiter völlig problemlos sichtbar im Blickfeld "herumtanzte" (Beobachtung aus freier Hand). So auffällig hatte ich ihn mir nicht vorgestellt! Da musste mehr drin sein. Aber diesen großen, blassen Flecken mit bloßem Auge zu erfassen? Der Versuch sollte zumindest gemacht werden, weil der Himmel außerordentlich klar war. Schon Nachts während der Beobachtung der September-Perseiden war es sehr auffällig, daß die Himmelserhellung um den Mond herum lediglich einen "Hof" von 10° Durchmesser bildete (die Grenzgröße lag entsprechend trotz Mond bei 5.8 mag!). Erfolglos. Dann versuchte ich, den Jupiter wenigstens fotografisch zu erfassen - indem ich mit meiner kleinen Digitalkamera durch das Fernglas hindurchfotografierte. Nachdem ich die Blickfeldgröße mittels des Sendemasten auf dem Königstuhl "kalibriert" hatte (also festgestellt habe, in welcher Entfernung vom Mond sich der Jupiter auf dem Bild befinden müsse) habe ich ihn tatsächlich erwischt:
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Und auch ohne Hilfsmittel, lediglich mit dem Digitalzoom meiner (bereits betagten) Canon Powershot A510, hatte ich erfolg. Hier ist jedoch zu bemerken, daß die Tagesbilder von Venus (und Jupiter) oft nicht gelingen. Hier spielt offenbar der Zufall eine große Rolle: wenn der "Stern" genau einen Pixel trifft, ist er gut zu sehen, verteilt sich sein Licht aber auf mehrere Pixel, geht er im Rauschen einfach unter. Von mehreren Aufnahmen ist dies die beste:
Bild

Dieser Erfolg spornte mich an, den Jupiter auch mit bloßem Auge zu suchen. Die "Sendemasten-Kalibration" erwies sich dabei als sehr wichtig - denn ich hatte Jupiter deutlich weiter weg vom Mond vermutet und gesucht! Jetzt "fiel" er mir förmlich ins Auge! Ich konnte es kaum fassen: Jupiter am hellichten Tag mit bloßem Auge!!! - und dann noch so deutlich sichtbar. Entgegen der Fernglasansicht fiel die Blässe der Jupiterscheibe gar nicht ins Gewicht. Er erschien natürlich sternförmig, und die Helligkeit überraschte mich. Jupiter erschien mir wie ein Stern etwa der Größe 4.5 am Nachthimmel - problemlos für das bloße Auge. Ich wundere mich jetzt, daß über Jupitersichtungen am Tage kaum etwas bekannt ist. Die Situation ähnelt der von Venus: wie viele Beobachter sind überrascht, wie hell die Venus am Taghimmel ist, wenn sie neben dem Mond steht. Jupiter ist ebenfalls - wenn man ihn mal geortet hat - ebenso leicht sichtbar, nur eben etwa 2 bis 3 Größenklassen schwächer! Interessenten kann ich nur wärmstens auf den Morgen des 2.11. hinweisen, wenn sich nochmals eine ähnlich günstige Situation ergibt. Allerdings muss dann die Beobachtung in den frühen Vormittagsstunden erfolgen, da Mond und Jupiter nach Tagesanbruch schon viel tiefer stehen!

Und noch eine Bemerkung zur Sichtbarkeit von Venus: ich hatte einmal vermutet, daß sie am Tage so schwer sichtbar ist, weil das Auge beim rein blauen Himmel Fokussierungsschwierigkeiten haben könnte. Das ist aber nicht der Fall. Seit etwa zwei Monaten verfolge ich Venus möglichst an jedem klaren Spätvormittag, und sie ist eigentlich jederzeit problemlos zu finden, wenn ich ungefähr weiß, wo ich zu schauen habe. Von meinem Balkon aus ist das recht einfach, da sie zu einer bestimmten Stunde an etwa einer bestimmten Stelle zu finden ist. Aber auch anderswo kann ich Venus ebensoleicht auffinden. Es ist also einfach die Übung bzw. Gewohnheit, die Venus einem leicht auffallen lässt. Hier noch ein (Such-)Bild von gestern: Venus war trotz der Cirren mit bloßem Augen ein auffälliger "Stern".
Bild
(Venus befindet fast genau in der Bildmitte - knapp nach rechts unten versetzt, rechts neben den helleren "Wolkenknoten")

Bleibt festzuhalten: heute habe ich nach über 30 Jahren erstmalig wieder Jupiter am Taghimmel mit freiem Auge gesehen - aber auch zum ersten Mal wieder nach ihm gesucht! Vielleicht auch deshalb, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Himmel über Deutschland so klar sein kann. Ich bin überzeugt, dass noch viel mehr Beobachter den Jupiter am Taghimmel sehen könnten, wenn sie nur hinschauen würden. Doch wer sagt einem, daß sich die Suche überhaupt lohnt? Die heutige Beobachtung ist der Beweis! Also: ich wünsche jedem, der es bei nächster Gelegenheit versucht, viel Erfolg!

Viele Grüße,
Christoph

AlexHaege
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Beitrag von AlexHaege » 9. Sep 2012, 18:52

Hallo Christoph!

Schön zu sehen das es doch ein paar Tageslicht Astronomen zu geben scheint!
Auch mir ist die Beobachtung von Jupiter am Samstag (08.09.2012) gegen 09.50 MESZ von Ulm aus gelungen. Ist immer wieder faszinierend Planeten am Tage zu beobachten! Interessant könnte es auch am Mittwoch (12.09.2012) werden wenn die Mondsichel bei Venus steht.

Hier noch mein Beweisfoto vom 08.09.2012 gegen 09.50 MESZ
Jupiter und Mond

Grüße Alex

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