Mars am Taghimmel (und in Mondnähe)

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Elmar Schmidt
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Mars am Taghimmel (und in Mondnähe)

Beitrag von Elmar Schmidt » 3. Jan 2023, 15:40

Hallo,

Mars steht heute nahe des Dreiviertelmondes. Die größte Annäherung von knapp einem Grad wird gegen 20:50 erreicht.

Und tatsächlich konnte ich Mars mit dem Pentax Papilio 6,5x21 um 16:10 etwa 2 Grad neben dem Mond unschwer ausmachen. Da stand die Sonne noch 3 Grad hoch. Eine Freisichtigkeit würde ich zu der Zeit noch nicht behaupten. Man bildet sich durch Lichtblitze und ähnliche Sensationen im Auge gern etwas ein.

Dîe Leuchtdichte des Blauhimmels beim Mond betrug um 16:15 762 cd/m^2, der Mond fügte dem 356 cd/m^2 in der Meßblende hinzu. Meine gestrige Nachthimmelsmessung von Mars ergab (nach Untergrundabzug) 0,024 cd/m^2. Das setzt sich in Größenklassen auf +10,4 mvis an Differenz um. Der Mond lag laut EasySky bei ca. -11,7 mvis; der Mars folglich bei -1,3 mvis. All das in befriedigender Übereinstimmung mit meiner unabhängig ausgewerteten gestrigen Nachthimmelsmessung (-1,22 mvis).

Heureka: spätestens um 16:45 war Mars eindeutig mit bloßem Auge zu sehen; die Sonne stand dann aber schon 1,6 Grad unter dem Horizont, es war also keine Taghimmelssichtung mehr. Die Blauhimmelsleuchtdichte war auf etwa ein Zehntel abgefallen (85 cd/m^2). Dabei waren die Bedingungen durch Schleierwolken insgesamt nicht optimal.

Von daher scheint klar, daß auch Sirius (-1,46 mvis) unter solchen Bedingungen - und bei besseren auch am Taghimmel - noch sichtbar sein müßte (Jupiter sowieso). Ein Grenzfall am Südhimmel wäre Canopus (-0,74 mvis).

Dein Aufschlag, Christoph :)

Gruß, Elmar

PS: hIer noch ein Stimmungsbild in der blauen Stunde mit Erdschatten hinter den Bäumen

Bild
Aufnahmedaten: 3.1.2023 17:01 MEZ
Olympus TG-6, Bl. 3,5/10,4 mm (ca. 9% gecroppt, d.h. etwa KB 62 mm), Bel.zeit 1/30 s (ISO 250; -1,3 EV)
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Christoph Gerber
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Re: Mars am Taghimmel (und in Mondnähe)

Beitrag von Christoph Gerber » 4. Jan 2023, 09:55

Hallo Elmar,

ich bin erst zur Beobachtung gekommen, als sich schon wieder Wolken vor den Mond geschoben haben. Aber um 16:50 konnte (mit Hilfe des 12x60) Mars für einen kurzen Augenblick in einer winzigen Wolkenlücke auch erkennen. Leider war es zu diesem Zeitpunkt keine "Tagessichtbarkeit" mehr, aber der Himmel war noch sehr hell. Ich bin mir sicher, dass Mars (so nahe am Mond) auch mit der Sonne noch am Himmel gut zu sehen gewesen wäre. Deine Helligkeitsmessung von -1,3 mag spräche auch dafür. Leider ist Mars im kommenden Monat (bei der nächsten Begegnung mit dem Mond) schon deutlich (eine ganze Größenklasse!) schwächer...

Gruß aus HD,
Christoph

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Elmar Schmidt
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Re: Mars am Taghimmel (und in Mondnähe)

Beitrag von Elmar Schmidt » 4. Jan 2023, 21:15

Schade, Christoph!

Da lag ich aber richtig, daß Du auch auf der Lauer warst. Hier waren ebenfalls immer wieder mal dünne bis mitteldichte Wolken vor den beiden, sonst hätte ich vielleicht die Freisichtigkeit am Taghimmel geschafft.

Für den Zeitpunkt meiner Sichtung in der Helldämmerung ergibt sich aus den 85 cd/m^2 etwa eine Himmelshelligkeit von 7,5 mvis/(")^2 [Magnitude pro Quadratbogensekunde]. Nun kommt es darauf an, wie groß das Augenauflösungsscheibchen um den Mars gewählt wird. Für mich ist das sicher nicht viel besser als 1,5' = 90". Dort hinein entfallen dann vom Himmel etwa 6360 [= pi*45^2] solcher "Sterne" mit 7,5 mvis. Das bedeutet logarithmisch etwa -2 mvis an Blauhimmelsrauschen von diesem Scheibchen.* Delogarithmiert führt das für Mars (-1,22 mvis) auf ein abgeschätztes S/N von knapp 1:2 **
* Rechengang: 7,5 - (log 6360)/0,4
** Rechengang: 10^(0,4*(1,22-2,00))

Mit scharfen Augen (Auflösung 0,7-1') kann sich das aber auf 1,1 : 1 bis 2,2 : 1 verbessern, so daß ggf. auch eine bis zu 4-5 mal höhere Himmelshelligkeit tolerabel ist, womit eine Tagessichtung unschwer zu erzielen wäre.

Zu meiner Fernglassichtung am Taghimmel gehört wegen der etwa 10-mal größeren Himmelshelligkeit und der 6,5-mal besseren Auflösung (Scheibchenfläche etwa 40 mal kleiner) ein viermal höherer Kontrast, also etwa 2:1. Mars war da auch sehr deutlich.

Dem Sirius (und Canopus) kommen ja Mond und Venus nicht nahe. Da muß man mit einer entfernten Landmarke arbeiten.

Gruß, Elmar


PS: habe übrigens die gemessene scheinbare Marshelligkeit in meinem früheren Eintrag weiter upgedatet

viewtopic.php?f=1&t=61083&p=239978#p239978

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Elmar Schmidt
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Re: Mars am "Taghimmel" (und in Mondnähe)

Beitrag von Elmar Schmidt » 29. Jan 2023, 16:41

Hallo,

fast eine Lunation später konnte ich an einem nach lauter grauen Tagen endlich aufgeklarten Himmel die oben eingetragene Sichtung wiederholen. Nachdem ich mein kleines Pentax Papilio 6,5x21 am 60% vollen Mond scharf gestellt hatte, schwenkte ich es 18 Grad nach Osten und - schwups - erschien Mars allein und deutlich im Gesichtsfeld.

Durch Beibehalten der Richtung konnte ich ihn um 17:25 gleich auch mit bloßem (bebrillten) Auge erkennen. Wieder keine Tagessichtung, da die Sonne 2,1 Grad unter dem Horizont stand, aber nunmehr für eine Marshelligkeit von nur noch -0,33 mvis (SkyCalc), die ich später noch selber messe.

10 min später war Mars dann auch ohne Fernglasvisier zu finden. Für die grenzwertige Sichtung 10 min früher ist aus meiner Dämmerungsphotometrie von etwa 35 cd/m^2 an Himmelsleuchtdichte auszugehen, was 8,5 mvis/(")^2 entspricht. Tatsächlich maß ich den Mars gerade im Dunkeln mit -0,39 mvis (+/-0,06: er ist und bleibt bei mir heller als die NASA erlaubt...). Das ergibt mit analogen Betrachtungen wie oben ein S/N von 1 : 1,75 und insoweit ziemlich konsistent mit den 1:2 bei der früheren Sichtung des noch -1,22 mvis hellen Mars.

Morgen um dieselbe Zeit steht der Mond übrigens nur noch knapp 6 Grad westlich von Mars, also für kleine Ferngläser im selben Gesichtsfeld.

Gruß, Elmar
Zuletzt geändert von Elmar Schmidt am 30. Jan 2023, 09:31, insgesamt 9-mal geändert.

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Arbeiten von Günther Können zu diesem Thema

Beitrag von Elmar Schmidt » 29. Jan 2023, 17:27

Ich möchte diesen Faden zum Anlaß nehmen, um reichlich verspätet ein paar Worte über Günther Können zu hinterlassen, dessen zu früher Tod (von dem ich aber rasch von seiner Tochter erfahren hatte) zu einem würdigen Nachruf in unserem Mitteilungsblatt Anlaß gab:

https://www.meteoros.de/fileadmin/user_ ... 022_12.pdf

Sowohl zu Halos als auch Regenbögen konnte ich mich anders als Claudia und Alex mit Günther fachlich nicht auf Augenhöhe fühlen. Wir hatten aber nach dem AKM-Zoom-Seminar 2021 vor, uns einmal bei ihm in den Niederlanden zu treffen, um mein Grenzhelligkeitsmodell zu vertiefen, das ich u.a. auch auf Tagessichtungen von Venus und obige Dämmerungssichtungen von Mars anwendete. Günther war an Tagessichtungen von Sirius und Sternen 0. Größe interessiert und hat darüber ein Standardpaper veröffentlicht:

https://www.guntherkonnen.com/articles/ ... light.html

Leider hatten Covid bzw. die "Maßnahmen" noch ein Jahr normale Kontakte erschwert, und nun wird daraus nichts mehr. Schade!

Erstens weil es hier nichts zu suchen hat, zweitens weil mein Humor gedruckt wahrscheinlich noch weniger ankommt als mitunter mündlich, erzähle ich Euch zwei kleine Anekdoten mit Günther von der LC&N - Konferenz in Alaska 2013 nur beim Bier - und immer wieder gern auch eine andere mit Dave Lynch :lol: über Ken Sassen :twisted: von der vorhergehenden in Maryland...

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