Marsbedeckung 0812_22

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wolf-peter hartmann
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Marsbedeckung 0812_22

Beitrag von wolf-peter hartmann » 8. Dez 2022, 13:46

hallo,
heute früh hat der Mond Mars bedeckt, was nach der nicht gesehenen Bedeckung von Uranus vom 05. zunächst wettermäßig recht schlecht aussah, aber dann geringe Hoffnungen zuließ.
Es sollte etwa 06h losgehen, also Wecker auf 5h gestellt und um diese für einen Pesionär frühe Zeit aufgestanden.
Der Blick aus dem Dachfenster zeigte den Mond als hellen Fleck in der durchgängigen Bewölkung und keinerlei Sterne noch Mars waren zu sehen, das 80mm ED Spektiv ließ sich garnicht scharf stellen und Wolkenlöcher waren lt Bewölkungskarte nicht in Sicht.
Dennoch kurz vor dem erwarteten Austritt (um 06h50) wieder rausgeguckt - wieder nix, also mit den potentiellen Mitbeobachtern abgestimmt und wieder ins Bett.
Dass das falsch war erfuhr ich erst heute früh: einer, Tom (LInthaler) hielt die Viertelstunde bis zum Austritt durch und fotografierte gg 07h08 mit dem I-Phone per einen 80mm Apo das anhängende Bild durch eine kurze Wolkenlücke...
Merke: wenn schon denn schon...
Obwohl ich ein paar km entfernt bin hätte es bei mir auch klappen können!
IMG-20221208-WA0005.jpg
mstfrG

wolf

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wolf-peter hartmann
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Re: Marsbedeckung 0812_22; Korrektur

Beitrag von wolf-peter hartmann » 8. Dez 2022, 18:59

Korrektur: Tom hat es mit seinem I-Phon durch ein Rohr seines achromatischen Binos aufgenommen.
Ich hatte die grünen Ränder auf Fehler in den Okularen zurückgeführt...
mstfrG

wolf

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Elmar Schmidt
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Re: Marsbedeckung 8.12. / Marshelligkeiten

Beitrag von Elmar Schmidt » 8. Dez 2022, 19:03

Hallo Wolf,

ja, mein "Rentnerwecker" klingelte auch um 5:30. Ich hätte mich aber mit dem Schauen durchs Fernglas begnügt. Der Himmel war aber inzwischen voll bedeckt.

U.a. am 7.12. abends konnte ich indessen noch die Helligkeiten von Mars und Mond messen. Das war spannend; denn es gab zunächst einen zu 90% durch hohe Schichtwolken bedeckten Himmel, und die Lücken waren immer an den falschen Stellen, so oft ich auch auf den Balkon hinaus trat. Doch um kurz vor 23 Uhr riß es auf einmal auf, und so blieb es dann bis etwa 1:00 früh.

Grandioser Anblick, der hellorange gleißende, fast punktförmige Mars schon dicht beim trotzdem über 10 Tsd mal helleren Mond. Der so helle Mond machte den Himmel auch fürs bloße Auge sichtbar bläulich. Das Foto zeigt die Situation mit noch ein paar verbliebenen Wolken samt Hof (und mäßiger Korona), was dessen Überstrahlung etwas dämpfte:

Bild
Aufnahmedaten (Bad Schönborn): 07.12.2022 0:00 MEZ
Olympus TG-6 Bl. 2/4,5 mm (KB 25 mm) Bel.zeit 1/8 s (ISO 1000)

Nun zu den Helligkeiten: der Mond hatte am 7.12. -12,81 mag, der Mars sensationelle -(2,29 +/- 0,05) mag. Das ist 30% heller als in allen Ephemeriden. Allerdings sorgte die Mondnähe für um die 60% Untergrund, der zwar an zwei bis vier Stellen um den Mars gemessen und abgezogen wurde, und womöglich doch für einen systematischen Fehler. Das deutet sich aus meiner Messung von früh am 9.12. etwa 27 Stunden später an (beim Phasenwinkel 1,68 Grad, siehe dazu unten). Da betrug die Helligkeit nach Abzug von 30% Untergrund nämlich "nur" -2,08 mag (roter Punkt in der Grafik unten).

Aber auch damit war/ist Mars 10-20% heller als die meisten Planetariums- und Ephemeridenprogramme voraussagen. EasySky etwa gibt -1,9 mag, SkyCalc -1,87 mag und https://theskylive.com/mars-info -1,99 mag an. Ein Exzeß war schon im Oktober festzustellen, und der Oppositionseffekt des Mars wurde höchstwahrscheinlich (wie auch der des Mondes) lange unterschätzt bzw. nicht mehr gemessen. So können sich dann überholte Helligkeitsmodelle in den Ephemeriden halten.

Hier ein vorläufiger Blick auf die von mir gemessene Helligkeitsentwicklung seit August, welche zeigt, daß der Mars in der letzten Woche heller war als -2 mag. Die ansteigende gestrichelte Linie ist eine reine Sichthilfe, die absteigende eine ungefähre Erwartung bis zum Frühjahr:

Bild
Update: 4.2.2023

Ich kann übrigens aus meinen Messungen auch Leuchtdichten und Albedo von Mars und Mond ermitteln. Letztere betrug für Mars gestern 22,4%. Die des gestrigen Vollmondes lag bei 13,5%. Die Leuchtdichten, also wie hell der Boden auf Mars und Mond im Mittel strahlt, betrugen 2913 und 4156 cd/m^2. Dieser scheinbar paradoxe Faktor von 0,70 erklärt sich ziemlich gut durch den quadratischen Effekt im Sonnenabstand (0,988 AE/1,534 AE)^2 mal dem Albedoverhältnis (22,4/13,5). Macht 0,69. Man sieht übrigens auf den Fotos hier, daß der Mars trotz größerer Albedo nicht flächenheller erscheint als der Mond:

https://www.spaceweather.com/archive.ph ... &year=2022

Der Oppositionseffekt bringt ja den Mond - standardisiert auf mittlere Abstände von Sonne und Erde - auf etwa -12,95 mag hoch. Mit derselben Standardisierung hatte er mit meiner Messung gestern -12,86 mag bei 3,40 Grad topozentrischem Phasenwinkel (das ist der Winkel zwischen Sonnenmitte und Erdbeobachter, also mir, von der Mondmitte aus gesehen). Zum Vollmondzeitpunkt kurz vor der Marsbedeckung betrug der Phasenwinkel nur noch 2,41 Grad, da war der Mondrand nur etwa 0,9 Grad vom Halbschatten der Erde entfernt. Leider konnte ich das wegen der Wolken nicht messen; denn ein solcher Vollmond wäre wohl heller als -12,9 mag gewesen.

Mars hatte bei meiner Messung nur einen Phasenwinkel von 1,49 Grad, daher wohl auch jener Helligkeitsexzeß. Das ist fast der Minimalwert in seiner jetzigen Opposition, welcher mit 1,47 Grad etwa ab 3:00 früh am 8.12. erreicht wurde. Deshalb war meine Messung so wichtig. Am 5.12. hatte ich schon mal Glück vom Balkon und konnte -2,12 mag messen.

Nicht so sah es vorher für fast eine Woche aus, bis ich am 3.12. tagsüber auf der Webcam Hornisgrinde im Nordschwarzwald teil- und zeitweisen Blauhimmel sah. Es war unser Webmaster Andreas, der mich zum Hinfahren über 120 km motivierte: "Tu es! Du wirst mir danken." Und tatsächlich erhielt ich in über 1000 m Höhe meinen Meßpunkt bei -2,14 mag. Ein nicht weiter spektakuläres Foto von Mars neben Plejaden und Hyaden von diesem Abend setze ich hier mal ein. Der schon deutlich mehr als dreiviertelvolle Mond verhinderte längere Belichtungszeiten:

Bild
Aufnahmedaten: Mummelsee, Nordschwarzwald (Höhe 1034 m) 3.12.2022 22:49 MEZ
Fufifilm X-E3 mit Fujinon XF 2/23 mm (KB 35 mm) Bl. 2,8 Bel.zeit 8 s (ISO 3200)

Man kann nur jedem Teleskopiker empfehlen, sich den Mars anzuschauen; denn trotz daß er uns in den letzten beiden Oppositionen näher stand, sorgen die aktuellen Höhen von bis um die 65 Grad für eine sehr hohe Transparenz und den Wegfall des atmosphärischen Spektrums.

Mars-Fotostacker mögen ggf. informieren, welche Wetterformationen für den Helligkeitsexzeß in Frage kommen. Im Oktober gab es ja einen Staubsturm, und eine weißliche dünne Wolken- oder Dunstschicht lag fast permanent über der Nordpolarkappe und ähnlich auch im Hellas-Becken. All das ginge erhöhend in die Albedo ein, was natürlich Ephemeriden, die für mittlere Verhältnisse gelten sollen, nicht berücksichtigen können.

Viele Grüße nach Regensburg und anderswohin.

Elmar
Zuletzt geändert von Elmar Schmidt am 5. Feb 2023, 08:54, insgesamt 10-mal geändert.

Rene Winter
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Re: Marsbedeckung 0812_22

Beitrag von Rene Winter » 9. Dez 2022, 08:10

Hallo,
da nicht viele Bilder zu sehen sind, würde ich auch gern ein paar dazu steuern. Der Beitrag wurde schon schön beschrieben, deshalb werde ich nicht zu viel dazu bringen.
Da ich eine kürzlich eine Op hatte und meine Frau am Sonntag bei Blitzeis unglücklich stürzte und sich das Handgelenk brach, haben wir viel Zeit. Zumindest
hatte ich die zum Fotografieren. Ich hatte die Rollos oben gelassen, konnte so auch nicht viel schlafen. Ab 4 Uhr war es ziemlich hell, aber 7/8 bewölkt mit vielen kleinen Lücken. Da stand ich auf. Fotozeug geschnappt und ab, mit dem Auto. Am Ort angekommen, stellte ich das Auto so hin, dass ich den Mond am Seitenfenster hatte. Es waren auch schon größere Lücken unterwegs. Als Mars sich dem Mond näherte, stieg ich aus, setzte den Fotoapparat aufs Stativ und fotografierte. Dies hielt ich nicht lange durch, da ich meine Handschuhe vergessen hatte. Es war sehr windig und kalt. Also wieder ins Auto. Von da fotografierte ich den 1. Kontakt. Dann nach hause und Bilder runterladen. Dann kam der Austritt des Mars hinter dem Mond, den fotografierte ich dann unweit unserer Wohnung. Da waren wieder mehr Wolken unterwegs und somit mehr Schlieren. Leider hatten wir gestern wieder Termine, so dass ich erst heute die Bilder reinstellen kann.
Ich hoffe es gefällt trotzdem.

Wir wünschen allen noch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Grüße aus Thüringen Rene Winter

alle Bilder mit der Sony Alpha 7 m 3 und FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS, Die kontakte mit 800 ISO und Korrektur -0,7
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Jan Hattenbach
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Re: Marsbedeckung 0812_22

Beitrag von Jan Hattenbach » 9. Dez 2022, 20:40

Hallo,

und Glückwunsch an alle, die erfolgreich beobachtet haben. Hier auf La Palma sind wir der Bedeckung diesmal entgangen (genau umgekehrt zu 2020)!

2023 wird es insgesamt 5 Marsbedeckungen geben, leider keine davon über Mitteleuropa. Dafür dürfen wir uns auf eine Venusbedeckung am 9. November am morgendlichen Taghimmel freuen.

Die nächste Planetenbedeckung steht übrigens vor der Tür: Am Neujahrsabend, 1. Januar, wird einmal mehr Uranus bedeckt. Allerdings nur in Norddeutschland. Es ergibt sich sogar eine streifende Planetenbedeckung, die Karte unten zeigt die südliche Grenzlinie. Die Beobachtung ist wegen Uranus' Helligkeit und seiner geringen Winkelgröße natürlich eine weit größere Herausforderung als die des Mars!

(Falls jemand interessiert ist: Ich kann gerne ein kmz-File für Google Earth oder Maps der Grenzlinie herstellen.) Dazu bitte PN!

cs, Jan

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01_Uranus_limb.JPG
Uranus_Bedeckung 20230101.JPG

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