Venus nahe oberer Konjunktion

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Christoph Gerber
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Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Christoph Gerber » 13. Feb 2021, 12:25

Heute bin ich endlich wieder einmal dazu gekommen, nach der Venus zu schauen. Ihre Elongation beträgt z.Z. gerade noch 10°, und steht im Meridian etwa 3° tiefer als die Sonne. Herausfordernde Bedingungen. Das heute klare Wetter schien erfolgversprechend, auch wenn der Himmel in Sonnennähe alles andere als tiefblau war. Aufgrund sehr günstiger Bedingungen bei der Abschattung der Sonne – da stand die Venus genau im obersten Bereich einer vor einigen Tagen gekürzten Tanne! – hatte ich sie sofort mit dem Fernglas. Während der etwa halbstündigen Beobachtungszeit ist es mir dreimal gelungen, die Venus sogar mit bloßem Auge zu erhaschen. Zwar extrem an der Sichtbarkeitsgrenze, aber dennoch jeweoils für mehrere Augenblicke erfasst. Auch fotografisch war ich erfolgreich – und habe sogar "gestochen scharfe" Bilder erhalten mit meinem Zoom-Objektiv, bei dem ich sonst Fokussierungeprobleme hatte: Einrseits hatte ich an dem Bäumen am Hang gegenüber scharfgestellt, andererseits half mir auch en Flugzeug oberhalb der Venus beim Fokussieren. Auf dem bildern erscheint die Venus (für meine Verhältnisse) ungewohnt scharf und hell, weshalb ich anfangs dachte, es seine die in der stürmischen Luft aufgewirbelten Schneekristalle. Jupiter stand inzwischen etwa 1° rechts von der Venus, aber seine geringe Flächenhelligkeit dürfte ihn unsichtbar gemacht haben (Fernglas ohne Stativ!). Die engere Konjunktion gestern und vorgestern habe ich verpasst.
Folgend noch ein paar Bilder:
11:33 MEZ Venus mit 80mm, genau in Bildmitte
11:33 MEZ Venus mit 80mm, genau in Bildmitte
11:46 MEZ Venus mit 200mm, stark unterbelichtet (in Bildmitte)
11:46 MEZ Venus mit 200mm, stark unterbelichtet (in Bildmitte)
11:57 MEZ Venus mit 200mm, Ausschnitt in Originalgröße
11:57 MEZ Venus mit 200mm, Ausschnitt in Originalgröße
Christoph

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Christoph Gerber
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Re: Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Christoph Gerber » 20. Mär 2021, 12:30

Nach erfolglosen Versuchen
am 28.02. (Elong. 6.6°: mit BA nicht gesehen, aber „nahedran“?),
am 06.03. (Elong. 5.1° – gescheitert am fehlenden „vernünftigen“ Mittelgrund –Dach/Gebüsch war zu nahe für die richtige Ortung durch das Fernglas und den anschließenden Wechsel zum BA–, Venus erschien so „fett“ mit 12x60, dass sie sicher mit BA zu sehen gewesen sein müsste... ), und
am 07.03. (Elong. 4.9°: Wiederholt einen Augenblick vermeintlich „erwischt“ zu haben – aber keine Sichtung: es gab keinen Moment, an dem ich überzeugt war: „da ist sie“!)

ergaben sich heute nach dem Kaltlufteinbruch wieder optimale Bedingungen: 20.03. ca. 11:20 und 11:30 MEZ (Elong. gerade noch 2.0°, Venus unterhalb der Sonne) nach der Venus Ausschau gehalten – und zwar am überkragenden Dach, so dass der Bereich unmittelbar unter der Sonne frei und sicher einzusehen war. Mit 12x60 Venus gleich geortet: sie war leicht auszumachen. Mit dem bloßen Auge gestaltete sich die Suche aufgrund der Parallaxe viel schwieriger bis fast unmöglich. Zur Hilfe kamen mir dabei vorbeiziehende Cirrenstreifen: Anhand dieser konnte ich Venus im Fernglas orten und dann auf das bloße Auge „überspringen“. Dreimal ist es mir so gelungen, Venus für einige Augenblicke sicher zu erfassen. Leider konnte ich die Beobachtung dann nicht fortsetzen, da nun sich bildende Ac vor die Sonne schoben. Zum Trost brachten diese aber einen unglaublich leuchtkräftigen Kranz mit sich – siehe hier.

Die Konjunktion mit der Sonne erfolgt am 25.3.: dann steht Venus 1.4° südlich der Sonne.

Viel Grüße aus HD,
Christoph

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Elmar Schmidt
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Re: Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Elmar Schmidt » 20. Mär 2021, 15:15

Chapeau, Christoph!

Zumal Venus mit -3,9 mag um 40% lichtschwächer ist als "sonst".

Habe mal mein Grenzhelligkeitmodell und die neulich gemessene Blauhimmelsleuchtdichte in 2 Grad von der Sonne (30 000 cd/m^2) angewendet, und komme auf eine visuelle Kontrastvorhersage S/N von nur ugf. 0,05:1 (also 5% Venuslichtanteil vom Streulicht im Auflösungselement). Das wird im Fernglas natürlich erheblich verbessert, schätzungsweise um einen Faktor 10-100, also auf (0,5 - 5):1.

Bei großem Winkelabstand (30-40 Grad; die Blauhimmelsleuchtdichte ist dort nur noch 3000 cd/m^2) verbessert sich das S/N der dann -4,3 mag hellen Venus auf etwa 1:1, was die leichte Sichtbarkeit erklärt (die aber sehr vom korrekten Fokus auf Unendlich abhängt...).

Für Jupiter mit angenommenen -2,5 mag läge dann dort etwa 0,15:1 vor und eine Sichtbarkeit müßte Christoph dort locker möglich sein. Bei Sirius verliert man etwa auf 0,05:1. Seine Tagessichtbarkeit (also nicht in der Helldämmerung) gilt gemeinhin als das Limit; bei Canopus wäre man nur noch bei 0,02:1. Verbessern ließe sich das allenfalls an Standorten mit Observatoriumsqualität.

Gruß, Elmar

PS: Nachahmern muß zur extremen Vorsicht geraten werden (wegen der Sonne nahebei)!

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Christoph Gerber
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Re: Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Christoph Gerber » 20. Mär 2021, 18:25

Lieber Elmar,

vielen Dank für deine Ausführungen. Ich greife noch einmal den Fall des Sirius auf, da er mit einem S/N von etwa 0,05:1 dem der heutigen Venusbeobachtung entspricht. Ich habe den Sirius ja selber einmal am Tageshimmel gesehen (siehe hier Absatz 4) und nutze die Gelegenheit, dieses Thema von 2015 noch einmal hervorzuholen. Vielen ist die Tagessichtbarkeit von Gestirnen leider unbekannt. Auch über Jupiter-Beobachtungen am Tageshimmel habe ich schon verschiedentlich hier im Forum berichtet.

Herzliche Grüße,
Christoph

PS: Die Suche nach der Venus in Sonnennähe habe ich gewissermaßen von meinem Vater übernommen, der regelmäßig nach der Venus nahe der Konjunktion Ausschau hielt. Anlass dazu war in den 1960er und 1970er Jahren –als er in Südamerika war– seine regelmäßige der Suche nach Kreutz-Kometen, die man noch weit vor der Zeit von SOHO &Co eben nur am Tageshimmel neben der Sonne auffinden konnte. Venus bot dazu wichtige Anhaltspunkte für die Helligkeit. Komet McNaught (P/2006 P1) zeigte zuletzt 2007, dass es doch gelegentlich vorkommen kann, einen Kometen am Tageshimmel sichten zu können.

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Re: Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Elmar Schmidt » 21. Mär 2021, 09:20

Hallo Christoph,

ja, Du bist da echt unser Spezialist. Ich stelle mich leider "dappich" an mit dem Unendlich-Fokus, und wenn ich es dann zwingen will, blitzt es nur noch. Hinzu kommen seit ein paar Jahren Floater im Auge.

Sicher ist eine Sichtbarkeit aber nur bei Konstanz des Eindrucks. 2007, als Venus nach einer Bedeckung gleißend neben dem Mond stand, wurde mir klar, daß sie eigentlich fast immer am Taghimmel erkennbar sein sollte, wie ja auch Deine Beobachtungen zeigen. Halt sie doch mal bitte griffbereit, mir schwebt nämlich eine (gemeinsame) Veröffentlichung mit meinem Helligkeitsmodell vor.

Mit Sirius wiederum hat sich Gunther Können sehr genau befaßt, wenngleich anders als ich nicht photometrisch, sondern radiometrisch:

http://s3.amazonaws.com/guntherkonnen/d ... 1410939605

Für den werden auch viele Sichtungen berichtet - übrigens ist gerade jetzt noch eine günstige Zeit dafür, vgl.

https://skyandtelescope.org/observing/h ... e-daytime/

Wegen der Blauhimmelspolarisation könnten übrigens Polfilter helfen. Eine andere Frage ist, ob systematisch mit Ferngläsern am Taghimmel nach Sternen gesucht wurde. Hier sollten eigentlich alle Sterne der nullten Größe (Alpha Centauri, Arcturus, Vega, Capella, Rigel, Procyon, Achernar) locker sichtbar sein.

Fürs bloße Auge scheint Übereinstimmung zu bestehen, daß allenfalls noch Canopus (-0,71 bis -0,74 m, je nach Quelle) am Taghimmel sichtbar sein sollte, wobei man sich für günstige Stellungen am Himmel in gemäßigten bis kühlen südlichen Breite aufhalten muß.

Ausführlicher findet sich all das in Deinem von Dir selbst verlinkten Faden.

LG, Elmar

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Re: Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Christoph Gerber » 22. Mär 2021, 11:42

Hallo Elmar,

noch eine Bemerkung zu Canopus: Als ich meine Sirius-Beobachtung Gunther Können mitgeteilt habe und ich mir die Situation auf Stellarium noch einmal klar gemacht hatte, stellte ich fest, dass bei Höchststand des Sirius der Canopus praktisch genau so weit südlich des Zenits steht wie Sirius nördlich (auf dem Breitengrad von Buenos Aires) – und genau so weit weg vom Sirius wie dieser von der Sonne (s. Bild). Wäre mir dies Konstellation damals bewusst gewesen ...

Gruß aus HD,
Christoph
Sirius am Tage – Himmelsansicht Buenos Aires (Argentinien)(erstellt mit: stellarium)
Sirius am Tage – Himmelsansicht Buenos Aires (Argentinien)(erstellt mit: stellarium)

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Re: Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Christoph Gerber » 25. Mär 2021, 20:22

Gestern (24.3.) stand zur Mittagszeit die Venus genau unterhalb der Sonne (Abstand 1.4°). Zwar war der Himmel wolkenlos, dennoch habe ich Venus mit 12x60 nicht sicher erwischen können (Sonne natürlich sicher vom Dachvorsprung abgedeckt!): die in dieser Sonnennähe hell aufleuchtenden Samen(?) (und Spinnenweben) ließen die Suche nach der Venus scheitern – zumal sie ständig den Fokus des Auges auf sich ziehen, und ein "ruhiges" Sehen bei "unendlich" nicht mehr möglich ist.

Christoph

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Re: Venus nahe oberer Konjunktion

Beitrag von Elmar Schmidt » 26. Mär 2021, 15:21

Lieber Christoph,

auch das ist ein Ergebnis. In 1,4 Grad zur Sonne ist man aber auch unter hierzulande "typisch guten" Bedingungen (die es aber gestern m.E. nicht gab) schon etwa 25% heller als in 2 Grad, und das bringt das S:N meiner pbigen Abschätzung auf etwa 0,04 runter. Allgemein wird in Sonnennähe, selbst bei Abdeckung von ihr selbst, die hohe absolute Helligkeit des Himmels zum Problem, welche i.a. über der Blendgrenze des Auges liegt. Außer vielleicht an den 5-10 Spitzentagen im Jahr (öfters nur im Hochgebirge), an denen man die Sonne mit dem kleinen Finger abdecken kann, ohne geblendet zu sein.

Herzlichen Gruß

Elmar

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