27.07.2018 Totale Mondfinsternis über Deutschland

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Christoph Gerber
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Re: 27.07.2018 Totale Mondfinsternis über Deutschland

Beitrag von Christoph Gerber » 5. Aug 2018, 12:18

Hallo Elmar,

ich habe mal den von dir angegebenen Link angeschaut. Der Vergleich mit dem Mars hinsichtlich der Randabdunkelung verwundert mich doch sehr: der Mond hat schließlich keine Atmosphäre, die den Randbereich „abdunkeln“ würde. Je dicker die Atmosphärenschicht, die das rückgestrahlte Licht zurücklegen muss, desto größer die Abdunkelung gegenüber der Planetenmitte – oder irre ich in dieser Annahme? Beim Mond wird auch das Licht am Rand ebenso ungeschwächt zurückgeworfen wie in der Mondmitte.
Der „Hochlandring“ am Mondrand ist mir geläufig – siehe diese Zeichnung hier. Aber dieser Ring ist bedeutend schmaler und unregelmäßiger als der, den ich bei der Finsternis gesehen habe. Ich habe diesen ausgeprägten Ring darauf zurückgeführt, dass diese Finsternis nahezu zentral war und daher die Mondmitte am tiefsten im Schatten lag und der gesamte Mondrand etwa gleichmäßig in den etwas helleren Erdschatten eingetaucht war. Oft liegt die Schattenmitte außerhalb des verfinsterten Mondes oder an dessen Rand, weshalb dieser „Ringeffekt“ unüblich ist. Das wäre meine Interpretation des Gesehenen.

Übrigens: die Fotos der Fisternis, zumindest die durchs Fernrohr, zeigen den Mond doch ganz anders als es der optische Eindruck mit dem bloßen Auge ist. Die Tele-Aufnahmen kommen dem visuellen Eindruck schon viel näher!

Zum Oppositionseffekt beim Mars: ist der diesmal wirklich von Bedeutung gewesen? Immerhin stand der Mars ja gut 5° von der Ekliptik entfernt, und bei diesem Abstand dürfte der Effekt noch relativ gering sein. Apropos: vor einigen Tagen war ja Pluto-Opposition mit Erdtransit (!) – da müsste Pluto doch deutlich heller als sonst erschienen sein. Gibt es dazu Beobachtungen?

Christoph

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Elmar Schmidt
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Re: 27.07.2018 Totale Mondfinsternis über Deutschland

Beitrag von Elmar Schmidt » 5. Aug 2018, 12:55

Hallo Christoph,

ja, i. w. alles richtig, was Du schreibst. (Für die Randabdunkelung des Mars soll laut Kopal nicht die Atmosphäre, sondern das Fehlen von Mikrometeoriteneinschlägen verantwortlich sein, aber das kann ich nicht beurteilen.)

Den "Mondring" habe ich auch in Namibia sehr deutlich gesehen, ebenso wie das verzögerte Hellerwerden des Mondes nach der Finsternismitte. Daß der Ringeindruck mit Optiken zurückgeht, mag auf die Verstärkungswirkung der schwächer beleuchteten Mondmitte oder den Abbildungsmaßstab zurückzuführen sein, wodurch sich der Ring von einer eher linienartigen in eine flächige Struktur verwandelt.

Ich denke ansonsten, bei den Unterschieden in der Marshelligkeit eben gerade spielten Topographie und Staubsturm die entscheidende Rolle. Wegen der erdähnlichen Rotationsperiode des Mars ist es übrigens schwierig, die Effekte von einem Ort aus herauszuarbeiten. Da bräuchte es den Astro-Alex.

Bernd Gaehrken hat in Namibia (und vlt. weiterhin auch hierzulande?) u.a. auch den Pluto von Tag zu Tag vermessen und wird sicher in der VdS berichten oder hier: http://astrode.de

Gruß, Elmar

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Christoph Gerber
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Re: 27.07.2018 Totale Mondfinsternis über Deutschland

Beitrag von Christoph Gerber » 5. Aug 2018, 13:30

und noch ein Nachtrag zur Besonderheit dieser Finsternis:

Ich habe mal den Finsterniskalender durchgeblättert, der alle Finsternisse 2005–2020 darstellt (Harald Lutz: Mondfinsternisse Sonnenfinsternisse Planetendurchgänge, 2005). Sehr schön ist da folgende Regelmäßigkeit zu erkennen:

Fällt die Knotenpassage nahe Neumond, gibt es eine totale SoFi etwa zentral auf der Erdkugel. Diese ist dann von einer Mondfinsternis flankiert, die entweder partiell oder Halbschattenfinsternis ist. In seltenen Fällen kommt es zu zwei flankierenden Mondfinsternissn, die dann beide Halbschattenfinsternisse sind. Ist die SoFi polnah, kann es zu einer knappen totalen MoFi kommen.

Fällt der Knotendurchgang in Vollmondnähe, kommt es zu einer totalen Mondfinsternis, die von einer meist partiellen SoFi begleitet ist. Diese Juli-Finsternis fand mit dem Mond in Erdferne statt, was in der besonderen Länge der Totalität zum Ausdruck kam. Aber das bedeutet gleichzeitig, dass die beiden flankierenden Neumonde Perigäums-Neumonde sind, also erdnah. Dadurch ist der scheinbare Monddurchmesser größer, was zur eigentlichen Besonderheit führt: dieser Finsternis-Vollmond ist von zwei (partiellen) SoFis begleitet! Zwei Sonnenfinsternisse in aufeinanderfolgenden Neumonden dürfte auch ein recht seltenes Ereignis sein, auch wenn es zu dieser Konstellation bereits 2011 gekommen ist: zentrale totale MoFi mit zwei flakierenden SoFis am 1.6. und 1.7.2011. In beiden Fällen fand die MoFi in Sonnennähe (Erd-Perihel ist Anfang Juli) statt, die scheinbare Sonnenscheibe war also etwas größer als üblich. Hat das auch einen Effekt auf die „doppelte“ Sonennfinsternis?

Christoph

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Re: 27.07.2018 Totale Mondfinsternis über Deutschland

Beitrag von Elmar Schmidt » 6. Aug 2018, 06:25

Hallo Christoph,

interessant und plausibel, das mit den benachbarten Sonnenfinsternissen. So was muß man sich aber selber heraussuchen; denn hier gibt es nur Statistiken über Sonnen- und Mondfinsternisse: https://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEcat5/SEcatalog.html

Daß eine totale Mondfinsternis eher von partiellen Sonnenfinsternissen flankiert wird (u.ugk.), hat mit dem Unterschied von synodischem Mondmonat (Phasendurchlauf 29,5 d) zu drakonitischem Mondmonat (Knotendurchlauf 27,2 d) zu tun, weshalb es eben 14-15 Tage früher oder später nicht mehr so gut paßt.

Gruß, Elmar

Matthias Schmidt
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Re: 27.07.2018 Totale Mondfinsternis über Deutschland

Beitrag von Matthias Schmidt » 8. Aug 2018, 09:58

Da sind viele schöne Bilder zusammengekommen, besonders gefallen haben mir die Bilder vom Berliner Funkturm und aus Namibia. Wir sind zur Mondfinsternis in den Bregenzer Wald gefahren. Ein paar Bilder von Dort:

1. Der Mond kommt aus den Wolken heraus:
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2. Mond, Mars und Gewitter
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3. Ein Ufo fliegt durch das Bild (linkes oberes Bildviertel):
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Bildausschnitt:
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Sieht anders aus, als die Flugzeuge, die auch durch das Bild geflogen sind. keine Ahnung, was es ist, so richtig nach ISS sieht es auch nicht aus und dafür war es auch zu langsam.

4. Der Mond, als sich die Verfinsterung langsam wieder aufhellt, aber noch kein direktes Sonnenlicht auf den Mond fällt. Auf der helleren Mondseite sind deutlich mehr Details zu erkennen.
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5. Mond, Mars und Milchstraße
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6. Unsere Minigruppe hinterher im Mondlicht und mit Gewitter:
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