Gerade läuft die Fragerunde der heutigen MER Pressekonferenz.
Es gab mal wieder einen Haufen neuer Informationen.
Zunächst ein paar technische Details. In den kommenden Tagen wird die neue Software in die Rover übertragen. Diese erlaubt zum Einen größere Fahrstrecken aufgrund herabgesetzter Sicherheitsgrenzen (>50m bei Spirit, mehrer 100m bei Opportunity). Weiterhin wird man einen Tiefschlafmodus einführen, bei dem nicht mehr alles übernacht geheizt wird. Dadurch wird man früher oder später einige Instrumente (z.B. miniTES) verlieren, aber mit diesen Methoden wird man erst mit dem jeweiligen Sol 91 beginnen, also mit dem Ablauf der Garantie. Dennoch geht man von vielen weiteren Monaten MER Mission aus.
Auf der Erde wird man ebenfalls ab Sol 91 die Teams jeweiligen Roverteams von Marszeit auf Erdzeit umstellen. Dann wird man nicht mehr quasi in Echtzeit mit den Rovern kommunizieren, sondern an einem normalen Arbeitstag die Daten analysieren und die neuen Befehle zum Mars schicken, die dann abgearbeitet werden. Wenn was nicht klappt, verliert man eben einen Tag, aber das ist jetzt wohl zu verkraften.
Auf der wissenschaftlichen Seite wieder die Infos getrennt nach den Rovern.
MER-A Spirit, sitzt auf dem Rand des Kraters Bonneville.

Spirits Blick in Bonneville Krater
Innerhalb des Kraters hat man nichts wirklich Interessantes gefunden, daher wird es schon sehr bald zu den "Columbia-Hills" in 3km Entfernung gehen.

Spirits Ziel in der Ferne: Die Columbia Hills
Für die Strecke veranschlagt man erstmal grob ein paar Monate. Ob man überhaupt ankommt, weiss man natürlich noch nicht, aber es scheint so, als wäre die Chance doch recht gut. Bei Bonneville hat man gestern eine helle Sanddüne aufgewühlt und fand unter der hellen Schicht einen sehr dunklen Untergrund gefunden, der jetzt untersucht wird.

"Aufgewühlte" Düne
Ein weiteres interessantes Bild, zeigt, nach starker Bildbearbeitung, den Rand des Gusev Kraters in über 50km Entfernung.

Der Rand von Gusev Krater am rechten Horizont
MER-B Opportunity hat sich in den letzten Tagen von der Gesteinsformation oder besser von den freiliegenden Sedimenten zu der staubigen Südseite des Kraters zugewand. Dort untersucht man in den kommenden 3 Tagen noch den Boden, bevor es raus in die Ebene geht.

Die letzten Stationen von MER-B im Krater

Der heutige Platz mit einer kontrastreichen Grenze zwischen hellem und dunklem Staub
In der Sedimentschicht hat man an einem "Berry Bowl" genannten Punkt endlich auch die Chemie und Mineralogie der Spherulen aufgeklärt.
Sie bestehen aus Hematit, genau dem Mineral, weshalb man nach Meridiani gekommen ist.

Mössbauerspektrum von Berry Bowl. Gelb: Region ohne Blaubeeren. Blau: Regionen mit hoher Konzentration an Blaubeeren.
Jetzt erwartet man, dass die komplette Meridiani Ebene mit diesen Blaubeeren übersäht ist. Wenn das zutrifft, war die komplette Ebene wohl einmal mit diesem Sediment-Gestein angefüllt, das langsam wegerodiert ist und aus dem dabei diese Spherulen herausgefallen und zurückgeblieben sind.

Falschfarben-Aufnahme von "Shoemakers Patio mit Blaubeeren die durch Erosion aus dem Sedimentgestein fallen. (Aufgrund dieser Falschfarben-Bilder kamen die Beeren zu ihrem Namen)
Eine endgültige Aussage, wie die Sedimente dorthingekommen sind, gibt es noch nicht. Hierzu wertet man immer noch die zahlreichen Mikroskopaufnahmen von "Last Chance" aus. Außerdem wertet man noch, bis man näher an den Krater "Endurance" kommt. Aus Aufnahmen aus dem Orbit erwartet man, mehrere Meter aufgeschlossenes Sedimentgestein vorzufinden. Wenn dort dann überall diese Spherulen drin sind, und man noch mehr Schichten untersuchen könnte, würden die Aussagen über stehendes Oberflächen oder fließendes Grundwasser sicher präziser werden.
Soviel für heute vom Mars. Die nächsten Informationen gibt es nach der nächsten Pressekonferenz in einer Woche.
Gruß
Ulrich
