Frage zur Grafik des PL-Ovals von CANADIAN SPACE AGENCY(CSA)

Forum für Polarlichter, Spaceweather, Astronomie und Raumfahrt.

Moderatoren: Claudia Hinz, Ulrich Rieth, StefanK

Antworten
Benutzeravatar
Oswald Dörwang
Beiträge: 419
Registriert: 9. Jan 2004, 12:29
Wohnort: Waghäusel

Frage zur Grafik des PL-Ovals von CANADIAN SPACE AGENCY(CSA)

Beitrag von Oswald Dörwang » 23. Jan 2004, 14:38

Hallo zusammen,

meine Frage ist auf folgende Grafik bezogen:

Bild

Quelle:
http://www.dan.sp-agency.ca/

Gehe ich richtig in der Annahme, dass man das Polarlicht,
wenn das aktive Polarlichtoval sich in starker Aktivität (weisser Farbe)
bis zum 60. Breitengrad ausdehnt, dann auch bei uns in Deutschlands
sieht?
Ja vielleicht sogar nur Nördlich, in der Mitte, im Süden oder gar nicht?

Oder lieg ich mit meiner Annahme voll daneben?

Ist eben nur so eine Theorie von mir.

Gruss
Oswald

Benutzeravatar
Thorsten Gaulke
Beiträge: 756
Registriert: 9. Jan 2004, 16:18
Wohnort: Geseke N51°39'02" E008°30'46"

Erklärung Canopus-Oval

Beitrag von Thorsten Gaulke » 23. Jan 2004, 15:03

Moin Oswald...

anbei eine Erklärung des Canopus-Oval...

Das sogenannte Canopus Oval (Canopus = Canadian Auroral Network for the OPEN Program Unified Study) zeigt bildlich, wo Polarlichter möglicherweise beobachtet werden können.

Der Punkt, an dem alle weißen Linien zusammenlaufen, ist der MAGNETISCHE POL, nicht der geografische Pol. Der magnetische Pol liegt zwischen Grönland und Nordamerika.

Links siehst du die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes auf der "Churchill Line". Diese Linie stellt eine Kette von Magnetometer-Standorten in Nordamerika dar, auf der Grafik als kleine Punkte erkennbar. Das ist für unsere Vorhersage nicht so erheblich, da die Magnometer wesentlich nördlicher liegen als z.B. die Insel Sylt.

Im Koordinatensystem siehst du ein farbiges Oval. Dieses zeigt an, wo es möglich ist, Polarlichter zu sichten. Allerdings kommt es auf die Farbe und auf die Lage des Ovals an. Grün oder braun nützt uns in Deutschland nichts. Interessant wird es, wenn es hellrot wird. Noch besser allerdings ist es, wenn das Oval orange, gelb oder sogar weiß ist. Allerdings sollte es bis Deutschland herunterreichen. Die Farbe zeigt die Aktivität des Erdmagnetfeldes an - die Daten der Magnetometer werden ausgelesen und als farbiges Oval in die Grafik eingeführt.

Die Spalte "Risk" zeigt das "Risiko" eines Polarlichtes an. Es sollte, damit in unseren Breiten Polarlichter beobachtet werden können, schon recht hoch sein und die Farbe sollte hellrot und heller sein. Das Polarlichtoval sollte über Deutschland...mindestens aber über Dänemark / Südschweden liegen.

Die Grafik PACE LATITUDE (Latitude = Breitengrad) ganz unten beschreibt das Canopus Oval (also die errechnete mögliche Sichtbarkeit von Polarlichtern) nochmal in einem 24 Stunden-Balkendiagramm. Für Polarlichter in Deutschland sollte der Balken hellrot oder heller sein und bis fast ganz unten reichen (55-50 Grad). Deutschland liegt zwischen den magnetischen Breitengraden 41 N (Oberstdorf) und 51 N (Sylt). Polarlichter können noch 4-5 Breitengrade südlicher beobachtet werden, da die Grafik ansagt, auf welchen magnetischen Breitengraden das Polarlicht ÜBER einem Beobachter zu sehen ist. Je weiter südlich, desto flacher am Nordhorizont.

Der weiße Punkt oben an der Grafik symbolisiert den Stand der Sonne.

Gruß Thorsten
Gruß Thorsten

Wolfgang Dzieran
Beiträge: 1146
Registriert: 11. Jan 2004, 19:37
Wohnort: Bad Lippspringe
Kontaktdaten:

Churchill-Linie

Beitrag von Wolfgang Dzieran » 23. Jan 2004, 15:24

Hallo Torsten,
Du hast eine gute, knappe Erklärung geschrieben.

Zur "Churchill-Linie" möchte ich allerdings ergänzen, dass darin auch "ein problem" dieser grafik liegen kann. Es gehen eben keine weltweit gesammelten Magnetometer-Daten in die Grafik rein, sondern nur die Daten der stationen auf dieser Linie.

Das das Oval ja in erster Näherung "rund" um den magnetischen Pol herum ist, ist das nicht so schlimm, man muß aber um dieses Problem wissen. Ich verlasse mich bei meiner Einschätzung der lage inzwischen mehr auf die Daten der SAMs in Europa. Das Canopus-Oval ist für mich nur ein sehr grober Indikator, ob man mit PL rechnen kann oder nicht.

Clear Skies

Wolfgang
aus Bad Lippspringe

Benutzeravatar
Andreas Wehrle
Beiträge: 407
Registriert: 9. Jan 2004, 07:32
Wohnort: Kandern Baden N. 47.71 O. 7.65
Kontaktdaten:

Bild vom 20.11.2003

Beitrag von Andreas Wehrle » 23. Jan 2004, 16:01

So sah es aus als bis über Südeutschland hinaus PL zu sehen war.



Bild
Gruß Andreas

Benutzeravatar
Ulrich Rieth
Administrator
Beiträge: 2540
Registriert: 9. Jan 2004, 07:15
Wohnort: Buchholz in der Nordheide
Kontaktdaten:

Re: Bild vom 20.11.2003

Beitrag von Ulrich Rieth » 23. Jan 2004, 16:16

Hallo Andreas!
Andreas Wehrle hat geschrieben:So sah es aus als bis über Südeutschland hinaus PL zu sehen war.
(Bild vom 20.11.2003, 14 MEZ)
Ich glaube kaum, dass um 14 Uhr PL über Süddeutschland zu sehen war.
Wenn Du schon unbedingt dieses nervige Canopus Oval zur Sichtbarkeitsvorhersage nutzen willst, dann schau Dir das vom 15.07.2000 um 23:40 MESZ an. Damals gab es wirklich PL über Deutschland zu SEHEN. :-)
Gruß

Ulrich

Bild

Benutzeravatar
Ulrich Rieth
Administrator
Beiträge: 2540
Registriert: 9. Jan 2004, 07:15
Wohnort: Buchholz in der Nordheide
Kontaktdaten:

Und noch zum Risk...

Beitrag von Ulrich Rieth » 23. Jan 2004, 16:21

Hallo!

Ganz nebenbei kann man auf dem Beispiel, dass ich ein weiter oben gepostet habe, sehr schön sehen, das der Parameter Risk völliger Blödsinn ist, wenn man auf der anderen Seite der Welt Polarlichter sehen will.
Ich für meinen Teil habe schon lange aufgehört mir das Canopus Oval für die Einschätzungen der Lage anzuschauen. Die Magnetometer Daten auf der Tagseite der Erde sind leider für die Nachtseite nur bedingt übertragbar.
Wie man z.B. auf dem POLAR VIS Bild unten sehr schön sehen kann, ist das aktive Aurora Oval auf der Nachtseite der Erde manchmal extrem viel breiter als auf der Tagseite. Das ist einfach auf die Quelle der Aurora Elektronen im Magnetotail des Erdmagnetfelds zurückzuführen. Diese Region befindet sich eben auf der Nacht und nicht auf der Tagseite der Erde.
Gruß

Ulrich

Bild

Benutzeravatar
Oswald Dörwang
Beiträge: 419
Registriert: 9. Jan 2004, 12:29
Wohnort: Waghäusel

Beitrag von Oswald Dörwang » 23. Jan 2004, 16:27

Vielen dank für Eure Hinweise :lol:


Grüsse,
Oswald

Wolfgang Dzieran
Beiträge: 1146
Registriert: 11. Jan 2004, 19:37
Wohnort: Bad Lippspringe
Kontaktdaten:

Oval ist sehr unsymmetrisch!

Beitrag von Wolfgang Dzieran » 23. Jan 2004, 16:34

Hallo Ulrich,

danke, dass Du dieses schöne Bild vom tatsächlich "sichtbaren" Oval gepostest hast. Denn es zeigt sehr schön, dass das Oval wirklich nur in erster Näherung "rund" ist. je nach (Sub- ? ) Sturmintensität ist es über einigen Teilen der Erde deutlich breiter ausgeprägt als über anderen. Und da Canopus Veränderungen ja praktisch nur auf einer Linie misst (Churchill - wieso eigentlich dieser Name?), werden denen viele tatsächliche Fluktuationen entgehen.

Ob die SAM-Freunde es vielleicht schaffen, entlang einer "europäischen Linie" auch einen "Risk"-Faktor zu ermitteln ?

Clear Skies

Wolfgang
aus Bad lippspringe

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 14 Gäste