Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

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Carl Herzog
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Carl Herzog » 27. Jan 2026, 18:24

Hallo Michael,

ich hab mir Deine Bilder grad im Detail angeschaut und das nummerische RGB-Verhältnis der polarlichtfreien Bereichen des Himmels untersucht. Die sind halt schon blaulastig. Damit verschieben sich die oberen Bereiche der Beamer schon etwas vom Violetten ins Blaue. Da spielt neben der niedrigeren Farbtemperatur (im Vergleich zu meiner) sicherlich auch die Kamera eine Rolle: die Bilder einer A7S2, die ich früher hatte, sahen bei gleicher Kelvinzahl immer etwas anders als die Nikon-Aufnahmen aus.

Welcher Farbabgleich nun aber für eine bestimmte Kamera für Polarlichter der Richtige ist, kann ich nicht sagen, zumal an jedem Standort die Hintergrundfarbe wegen der Lichtverschmutzung eine andere ist und auch noch von Tag zu Tag - je nach Wetterlage und Airglow - variieren kann. Wenn ich meine Aufnahmen auf 4000 K setze, ist der Nachthimmel auch Blau (korrekt ist bei mir i.d.R. aber bräunlich), die oberen Strahlen bleiben aber komischerweise dennoch Violett.

Insofern bleibt wohl Interpretationsspielraum offen, welche Farben tatsächlich vorgeherrscht haben.

Viele Grüße

Carl

Carl Herzog
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Carl Herzog » 28. Jan 2026, 00:26

Hallo Michael,

kleiner Nachtrag… wie schaut die 18:32 Aufnahme mit 4750-5000 Kelvin bei Dir aus? Das wäre ein neutraler Weißabgleich für den Nachthimmel.

Wenn es wieder klar und mondfrei ist werde ich mal Vergleichsaufnahmen mit einer Sony A7 III machen.

VG, Carl

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cookingtravelbug
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von cookingtravelbug » 28. Jan 2026, 13:36

Hallo Carl,

Entschuldigung für das Missverständnis, ich wollte jetzt nicht die allgemeine Wichtigkeit des Weißabgleichs in Abrede stellen. Natürlich ist der wichtig und spielt eine massive Rolle bei der farblichen Wiedergabe von Polarlicht und kann Dinge vorgaukeln, die nicht da sind.

Ich wollte nur sagen, dass wenn an besagtem frühen Abend Menschen, die sehr viel Erfahrung mit PL haben, davon berichten, dieses sehr seltene Blau in so großer Höhe mit bloßem Auge gesehen (wenn ich mich jetzt nicht falsch erinnere) und auch fotografiert zu haben, dann liegt der blaue Anteil in den hier gezeigten Fotos sehr wahrscheinlich nicht an einem fehlerhaften Weißabgleich. Eher andersrum: Das Fehlen des Blaus kann ein Hinweis auf technische Probleme, ob nun der Weißabgleich oder technische Unzulänglichkeiten der Kamera selbst, die der Fotograf nicht weiter beeinflussen kann, sein... Da wäre ich persönlich überfragt. Würde mich aber sehr interessieren, deswegen finde ich die Diskussion bis jetzt sehr spannend.

Carl Herzog
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Carl Herzog » 28. Jan 2026, 14:47

Hallo cookingtravelbug,

das menschliche Auge (bzw. das Gehirn) lassen sich auch in die Irre führen, so dass optische Illusionen entstehen können. Daher ist ein Messgerät bzw. eine Digitalkamera und Objektiv mit bekannten Eigenschaften und manuellem Weißabgleich sicherlich objektiver als unsere Wahrnehmung.

Was blaue Polarlichter angeht, gehe ich davon aus, dass sie sich nachweisen lassen bzw. schon nachgewiesen wurden, zumal in der Theorie ihre Entstehung schon erklärt wurde.

VG, Carl

SieglindeFest
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von SieglindeFest » 28. Jan 2026, 17:51

Carl Herzog hat geschrieben: 28. Jan 2026, 00:26 Hallo Michael,

kleiner Nachtrag… wie schaut die 18:32 Aufnahme mit 4750-5000 Kelvin bei Dir aus? Das wäre ein neutraler Weißabgleich für den Nachthimmel.

Wenn es wieder klar und mondfrei ist werde ich mal Vergleichsaufnahmen mit einer Sony A7 III machen.

VG, Carl
So ist die Aufnahme in 4750 Kelvin exportiert aus Lightroom (1920 lange Kante in 286 KB), sonst keine Änderungen... Ich finde 4750 K auch ziemlich viel, Neutralweiß liegt meiner Ansicht nach bei 4000 K. Es bleibt aber etwas Blau und die Polarlichter reichten subjektiv sehr hoch. Man erkennt den Fuhrmann, meine ich, und die 14 mm Brennweite sollten bis zum Zenith reichen.
Tatsächlich ist es so, dass die Kamera im automatischen Weißabgleich 3400 K gewählt hatte und Lightroom schlägt bei der Automatik des Programms 3150 K vor. Beides ist zu wenig, finde ich. Ich kenne keine "amtliche" Farbtemperatur für Polarlichter, halte mich aber zumeist an 4000 K oder leicht darunter.
Tatsächlich kochen die Hersteller bei der Abstimmung der Sensoren und deren Verarbeitung ihre eigenen Süppchen (auch wenn der Sensor vom gleichen Band läuft) und da landet man schnell bei der Geschmackssache und darüber kann man nicht diskutieren, wenn man weiß, das dies Geschmackssache ist. Die Kamera ist nicht kalibriert, aber in allen Einstellungen neutral eingestellt (da gibt es unter Sony-Knipsern gehandelte Einstellungen, die (fast) alle als gut passend ansehen).

Die meisten Polarlicht Aufnahmen finde ich sehr viel zu hell abgestimmt, bei mir liegt der schwarze Himmel (wenn es den gibt) beim Tonwert zwischen 5 und 10. Wenn ich den Vordergrund heller haben möchte, dann mit der Taschenlampe oder eben mit einer linearen Maske.

20260120-MGS00953.jpg

stark aufgehellt, testweise, mit beginnender Zeichnung im Vordergrund denn man erkennt den Zaun am Weg so langsam...
20260120-MGS00953.jpg


LG Michael
Zuletzt geändert von SieglindeFest am 28. Jan 2026, 18:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von SieglindeFest » 28. Jan 2026, 18:09

Carl Herzog hat geschrieben: 27. Jan 2026, 18:24 Hallo Michael,

ich hab mir Deine Bilder grad im Detail angeschaut und das nummerische RGB-Verhältnis der polarlichtfreien Bereichen des Himmels untersucht. Die sind halt schon blaulastig.

...

Viele Grüße

Carl
Das verstehe ich nicht, Carl. In Photoshop (aus Lightroom heraus) geladen und mit gleichem Farbarbeitsraum komme ich bei dem Schwarz oben in der Mitte auf RGB 10 10 12. In der rechten Bildecke 8 8 10 und in der linken Bildecke ist es 12 12 15.
Ich weiß nicht, wo du gemessen hast, aber wenn ich die Helligkeit weiter anzwirbel, sieht man die sehr hoch reichenden Bereiche des Polarlichtes.
Auch visuell ging das in dieser Nacht fast bis zum Zenith (und man kann leider praktisch nicht abschätzen, wo deren Basis [theoretischer unterer Schnittpunkt] liegen würde. Dann hätte man ja die Entfernung und die wüsste ich gerne).

Was auch zu bedenken wäre: In der Fotocommunity beispielsweise macht die Bildverarbeitung auf deren Servern manche Mühe zunichte. Da gibt es viele unangenehme Überraschungen und in dem dann wieder heruntergeladenen eigenem Bild messen, hab ich aufgegeben.

Viele Grüße
Michael
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cookingtravelbug
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von cookingtravelbug » 29. Jan 2026, 08:04

Carl Herzog hat geschrieben: 28. Jan 2026, 14:47 Hallo cookingtravelbug,

das menschliche Auge (bzw. das Gehirn) lassen sich auch in die Irre führen, so dass optische Illusionen entstehen können. Daher ist ein Messgerät bzw. eine Digitalkamera und Objektiv mit bekannten Eigenschaften und manuellem Weißabgleich sicherlich objektiver als unsere Wahrnehmung.

Was blaue Polarlichter angeht, gehe ich davon aus, dass sie sich nachweisen lassen bzw. schon nachgewiesen wurden, zumal in der Theorie ihre Entstehung schon erklärt wurde.

VG, Carl
Die Existenz von blauem Polarlicht in großen Höhen wurde schon 1938 von Störmer zweifelsfrei mittels Spektrographie bewiesen ("Blue sunlit aurora rays and their spectrum". Nature 142, 1938). Spätere Paper lieferten dann dazu ausführliche Erklärungsmodelle. Und Spektrographie bzw Spektroskopie ist auch die einzige Methode, wirklich zweifelsfrei die Wellenlänge bzw. Farbe von Licht zu bestimmen.

Ansonsten möchte ich gerne anmerken, dass an diesem Abend um 18:30 Uhr rum die Bedingungen für das Auftreten von seltenem blauem Polarlicht durchaus gegeben waren und es daher möglich ist, dass das Blau auf den hier gezeigten Bildern nicht lügt. Zumal es auch an den richtigen Stellen "sitzt". Daher finde ich es erstaunlicher, dass es auch Bilder gibt, die das Blau nicht zeigen. Aber dafür kenne ich mich im Detail zu wenig mit Kameratechnik aus.

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Marko Rummelsburg
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Marko Rummelsburg » 29. Jan 2026, 09:10

Carl Herzog hat geschrieben: 28. Jan 2026, 14:47 Hallo cookingtravelbug,

das menschliche Auge (bzw. das Gehirn) lassen sich auch in die Irre führen, so dass optische Illusionen entstehen können. Daher ist ein Messgerät bzw. eine Digitalkamera und Objektiv mit bekannten Eigenschaften und manuellem Weißabgleich sicherlich objektiver als unsere Wahrnehmung.

Was blaue Polarlichter angeht, gehe ich davon aus, dass sie sich nachweisen lassen bzw. schon nachgewiesen wurden, zumal in der Theorie ihre Entstehung schon erklärt wurde.

VG, Carl
"Profis" basteln sich ein Spektroskop. Damit lassen sich Wellenlängen genau bestimmen.

Aurorasaurus Q&A on a New Spectroscope Design (von und mit Michael Hunnekuhl, laut XING Physiker - Laserentwicklung für Raumfahrtanwendungen, Laser Zentrum Hannover e.V. und Polarlichtforscher)
https://www.youtube.com/watch?v=zODkcq6Vsec
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Carl Herzog » 29. Jan 2026, 15:10

Das RGB-Verhältnis habe ich im 4000K JPG (der 18:32 Aufnahme) in der Umgebung der linken oberen Ecke gemessen, und zwar als Durchschnittswert eines sternenfreien Bereichs mit rund 3000 Pixeln Größe. Dabei erhalte ich 13,0 / 12,1 / 19,9 für R/G/B. Wie man in der aufgehellten 4750K-Version des Bildes allerdings nun erkennt, ist dieser Bereich nicht vollständig PL-frei (da mischt sich meine ich ein Dunkelrot dazu). Wenn ich nur die extreme linke Ecke untersuche, wo auch im aufgehellten Foto kein PL zu erkennen ist, dann ergeben sich (im 4000K-JPG) 1,3 / 20,8 / 38,3.

Die oberen Polarlichtbereiche ergeben 55,6 / 35,8 / 69,6 - also auch in der 4000K-Aufnahme kein Blau, sondern eher Violett oder Lila (da Rot im Verhältnis zu Grün deutlich erhöht ist).

Da die Pixeln der Kamera nur 3 Farbfilter haben und diese sich in den Wellenlängen auch noch überlappen, kann man freilich daraus nicht sicher schließen, ob dieses Violett aus einer Überlagung von roten und blauen Polarlichtern entsteht, oder nur die Wellenlänge von Violett vorhanden ist. Ich bin tatsächlich seit ein paar Tagen am Grübeln, wie man ein Spektogramm ausgewählter Polarlichtregionen erstellen könnte. Ein relativ hochwertiges Gerät zur Farbmessung hätte ich (Sekonic C-800), aber er braucht mindestens 5 Lux, um zuverlässige Farbdaten zu liefern.

VG, Carl

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Hermann Koberger
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Hermann Koberger » 29. Jan 2026, 15:44

Hallo,

hier mal zum Vergleich, wo ich mit hoher Wahrscheinlichkeit GBR vermute.
Durchgehende blaue Strahlen in der zweiten Nachthälfte am 20.01 um 01:42 und 02:41 MEZ
Falls ich mit meiner Einschätzung falsch liege, bitte um Korrektur.

Viele Grüße
Hermann
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polarlicht-giant blue rays 20260120.jpg
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Marko Rummelsburg
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Marko Rummelsburg » 30. Jan 2026, 11:41

Hermann Koberger hat geschrieben: 29. Jan 2026, 15:44 Hallo,

hier mal zum Vergleich, wo ich mit hoher Wahrscheinlichkeit GBR vermute.
Durchgehende blaue Strahlen in der zweiten Nachthälfte am 20.01 um 01:42 und 02:41 MEZ
Falls ich mit meiner Einschätzung falsch liege, bitte um Korrektur.

Viele Grüße
Hermann
Es sieht so aus, als hättest Du einen erwischt! :-)

Interessant auch das mutmaßliche orangefarbene Airglow im Hintergrund (Natrium-Linie)
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von SieglindeFest » 30. Jan 2026, 12:05

Meine "Messungen" im Foto bleiben bestehen. In Anführungsstrichen, weil man in den von der Kamera interpretierten Farben nicht wirklich messen kann. Die "polarlichtfreien Bereiche" sind nicht farbstichig, weder in Lightroom noch in Photoshop, Affinity oder Capture One. Die Messung bleibt auch fast gleich, wenn ich zur ursprünglich eingestellten Farbtemperatur zurück gehe. Tatsächlich gibt es auch kaum polarlichtfreie Bereiche in den Fotos, das hattest du, Carl, auch schon gesehen.

Wie bist du bei deiner Kontrolle vorgegangen, Carl? Hast du das Foto hier aus den Beiträgen als Grafik heruntergeladen, einen Screenshot gemacht oder direkt die Pipette auf das angezeigte Bild gehalten? Alle drei Möglichkeiten sind machbar und ich bekomme dabei drei unterschiedliche Werte. Wenn wir die "Messungen" vergleichen möchten, dann müsste ich dir mal ein RAW schicken, mit 24 MB.
Vielleicht spielt die Bildverarbeitung auf dem Server hier im Forum auch eine Rolle, oder irgend etwas anderes als Fehlerquelle. Interessant bleibt das alles schon, aber vielleicht nicht lösbar.

Auf meinen Fotos sieht man, so finde ich, eindeutig drei Bereiche: unten Grün, darüber Rot und darüber wiederum eine "andere Farbe". Darauf könnte man sich doch vielleicht einigen?

-Ich habe auch noch mal zu den empfohlenen Einstellungen für den Weißabgleich recherchiert. Da gibt es eine Bandbreite von 3500 Kelvin bis 4500 K in Tipps, Workshops und Kursen (ich hatte mal einen gekauft für Milchstraße und so), also gibt es da Uneinigkeit. 4750 K oder mehr habe ich nicht gefunden... aber das sagt nicht viel weil ich parteiisch bin :-)

-Ich habe zu den Farben, die vom Stickstoff bei Anregung abgestahlt werden, auch noch die Angabe gefunden, dass es zwei Wellenlängen sind die abgestahlt werden und ich zitiere hier Wikipedia (die irren sich ja auch ab und an):

Unter den fünf Spektrallinien des Lichts der Aurora befinden sich nicht, wie bei der Neonröhre, die typischen, im Labor beobachtbaren Linien des Stickstoffs und des Sauerstoffs. Es gibt grünes Licht bei 557,7 nm, rotes Licht bei 630 nm und 636 nm – alle dem Sauerstoff zugeordnet – und seltener blaues Licht bei 391 nm und 428 nm vom Stickstoff. Diese Linien gehören zu Übergängen, für die Dipolstrahlung nicht in Frage kommt. Dennoch kann man sie Energiestufen der Elemente zuordnen. Stattdessen entstehen sie aus relativ langlebigen, metastabilen Zuständen durch Quadrupolübergänge der Phosphoreszenz.

Diese Wellenlängen übersetzt in RGB ergeben

391 nm RGB-Farbwert: #67007e Decimal 103, 0, 126
428 nm RGB-Farbwert: #3300ff Decimal 51, 0, 255

Letzerer Farbwert ist eindeutig Blau, der andere Lila und beides zeigen meine Aufnahmen in etwa, wenn sie wie ursprünglich mit dem Weißabgleich auf 3500 K als RAW entwickelt werden. Wenn der Weißabgleich wärmer auf 4500 K eingestellt ist, bleibt viel Lila-Blau und und ich denke, dass die beiden Wellenlängen vom Stickstoff auch einen gemischten Farbwert ergeben, unter dem Strich. Also denke ich schon, dass hier Stickstoff beteiligt ist, wie das nun heißen soll kann ich nicht beurteilen (weil ich keine Ahnung davon habe und auf nichts dergleichen bestehe, wenn dann auf anderen Gebieten).

Also bleibe ich in einem Punkt standhaft: Ich habe Blau nicht ansatzweise in meinen vorherigen Aufnahmen gefunden (12.09.2024 Insel Als in Dänemark schwach visuell, 10.10.2024 in Husum extrem hell mit Schattenwurf, 19.01.2026 in Husum hell) auch nicht bei 3500 K. Das waren zuvor eindeutig Grün und Rot, Rot manchmal ins Rosa gehend. Rosa-Lila gab es mal in Südtirol am 2024-05-10. Da waren nur die oberen Bereiche des Polarlichts zu sehen (schwach visuell), kein Grün, und da waren reichlich Berge im Weg.

VG Michael
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Hermann Koberger
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Hermann Koberger » 30. Jan 2026, 12:20

Hallo Marko,

vielen Dank für die Einschätzung!
Nun, Airglow ist mir in dieser Nacht eigentlich nirgends aufgefallen. Ich würde die orangene Farbe doch eher dem Polarlicht zuordnen.
Vermutlich verblassender Rest eines großflächigen SAR Bogen, welcher vorher um Mitternacht wesentlich deutlicher sichtbar war.

Viele Grüße
Hermann

Wolfgang Speckert
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Wolfgang Speckert » 30. Jan 2026, 12:30

Hermann,

was ich bei den Bildern interessant finde, sind die Sterne.
Es gibt sternenärmere Bereiche, die quasi Cluster bilden.
Besonders interessant ist es auf dem zweiten Bild, wo diese sternenärmere Bereiche eine Struktur bilden, als wäre da jemand mit einem Schwamm über die Fläche gefahren. Ja, die Gesamtstruktur erinnert mich an meine frühen Kunstwerke, wie ich als vier- öder fünfjähriger mit breitem Filzstift Haare auf einem Kopf oder Bäume gemalt habe.
Ich finde das bemerkenswert.

Und generell, die Bilder, die im dem Thread
"FAEs (Fragmented Aurora-like Emissions)"
behandelt werden, weisen nahezu alle auch zumindest in den oberen Bereichen deutlich blaue Farbkomponenten auf.

Gruß
Wolfgang

Carl Herzog
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Carl Herzog » 30. Jan 2026, 13:30

Hallo Hermann,

meinst Du mit dem GBR die Nacht vom 19. auf den 20., oder die Nacht vom 20. auf den 21.?

VG, Carl

Carl Herzog
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Carl Herzog » 30. Jan 2026, 13:35

Hallo Michael,

ich hatte die JPG-Dateien aus der Großansicht direkt heruntergeladen und sowohl in Lightroom als auch in MaximDL geladen. Es mag durchaus sein, dass durch die JPG-Kompression die Messungen verfälscht werden. Es wäre natürlich toll, wenn Du mir eine RAW-Datei bereitstellen könntest.

VG, Carl

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Hermann Koberger
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Hermann Koberger » 30. Jan 2026, 16:38

Hallo Wolfgang,
der von dir beschriebene Eindruck hat mehrere Ursachen. Das Bild ist nicht nachgeführt und klarerweise nach Norden gerichtet. Dadurch sind die Sterne im Mittelteil relativ klein und durch die Bildfelddrehung zu den Rändern zunehmend in die Länge gezogen und erscheinen größer. Zusätzlich auch etwas Verzerrung durch das WW Objektiv (Sigma 20 mm auf Vollformat)
Die Struktur von mehr oder weniger dichten Sternbereichen vor allem in der linken Bildhälfte stammt von der Wintermilchstraße.
Dazu kommt noch der Qualitätsverlust durch die leider relativ starke Komprimierung, damit man auf unter 350 KB zum hochladen kommt.

Hallo Carl,
ja, die Nacht vom 19. auf den 20.

Viele Grüße
Hermann

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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von SieglindeFest » 30. Jan 2026, 18:16

Carl Herzog hat geschrieben: 30. Jan 2026, 13:35 Hallo Michael,

ich hatte die JPG-Dateien aus der Großansicht direkt heruntergeladen und sowohl in Lightroom als auch in MaximDL geladen. Es mag durchaus sein, dass durch die JPG-Kompression die Messungen verfälscht werden. Es wäre natürlich toll, wenn Du mir eine RAW-Datei bereitstellen könntest.

VG, Carl
Welches Foto und wie geht das hier? PN?
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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von SieglindeFest » 31. Jan 2026, 12:53

Hermann Koberger hat geschrieben: 30. Jan 2026, 16:38 Hallo Wolfgang,
der von dir beschriebene Eindruck hat mehrere Ursachen. Das Bild ist nicht nachgeführt und klarerweise nach Norden gerichtet. Dadurch sind die Sterne im Mittelteil relativ klein und durch die Bildfelddrehung zu den Rändern zunehmend in die Länge gezogen und erscheinen größer. Zusätzlich auch etwas Verzerrung durch das WW Objektiv (Sigma 20 mm auf Vollformat)
Die Struktur von mehr oder weniger dichten Sternbereichen vor allem in der linken Bildhälfte stammt von der Wintermilchstraße.
Dazu kommt noch der Qualitätsverlust durch die leider relativ starke Komprimierung, damit man auf unter 350 KB zum hochladen kommt.

...

Viele Grüße
Hermann
Dazu: die Komprimierung in jpeg bei 350 KB macht eine Beurteilung der Fotos praktisch unmöglich. Da kommt tatsächlich überwiegend Matsche dabei heraus. Wenn ich die Fotos vergleiche, meine hier bei mir, ist das schon sehr schlimm bei 350 KB. Hochgeladen auf den Server hier im Forum wird das noch schlimmer bis unbrauchbar für Interpretationen.
Das Objektiv war laut Lightroom auf 14,7 mm Brennweite, es ist eine Korrektur der Verzeichnung des SIGMA aktiv (der Horizont weit am unteren Rand ist gerade).
Was die Komprimierung mit den vielen Sternen macht, weiß ich nicht. Irgendetwas macht sie aber damit. Es gab mal eine Kamera von Sony, die den Spitznamen "Star Eater" bekam. Die Bildverarbeitung in der Kamera hat im jpeg rigoros alle Sterne gelöscht, weil diese "Intelligenz" die Sterne als Rauschen interpretiert hat. Gab damals viel Schelte für die Firma, weil man sowas vielleicht nicht beim Kunden reifen lassen sollte. :D
Ja keine Nachführung und deshalb auf 6 Sekunden begrenzt (bisschen mehr geht bei der kurzen Brennweite vielleicht noch).

Mini-Exkurs zu der Jpeg-Komprimierung. Der Algorithmus sucht nach gleichen oder ähnlichen Inhalten die nur ein Mal abgespeichert werden. Falls gefunden, steht im Code drin: die Fläche an der Stelle x in der Größe z gibt es auch an der Stelle y, nur vielleicht ein wenig größer (oder kleiner, heller, mit weniger Kontrast…) als an der Stelle x. Dies ergibt eine Mischung aus Pixelbild und Vektorzeichnung. Im jpeg steht dann für die Stelle y nur ein Verweis (eine Formel) auf etwas anderes und dies spart sehr viel Bytes. Jpeg`s sind immer eine solche Mischung aus Pixel und Formel.
Eine reine Vektorzeichnung dagegen enthält nur Formeln: male einen Strich von Stelle a zu Stelle b in Farbe Grün, am Ende des Strichs ein Kästchen in der Größe c in Farbe Blau, unten hell beginnend und oben dunkelblau. Vielleicht versteht man so die Mischung aus Pixeln und Vektoren.
Dazu versucht der Algorithmus noch die Anzahl der Farben und deren Abstufungen zu reduzieren und dabei ergeben sich Stufen, die man in den Fotos hier auch überall sieht. Die Stufen wirken wie Bänder mit gleicher Tönung. Die Stufen kommen im Original (besonders bei Fotografie in RAW) nicht vor.
Da wir uns hier mit einem breitem Farbspektrum und millionen „Abstufungen“ in Helligkeit und Farbe beschäftigen, ist die Komprimierung in jpeg mit 350KB fatal, das Ergebnis sagt teils nichts mehr aus.

Wenn man direkt jpeg´s aus der Kamera holt, ist das komprimierte Ergebnis meist frei von den beschriebenen Störungen (Fehlern, Artefakten). Das bekommen die Kameras inzwischen sehr gut hin. Wenn man diese jpegs dann später bearbeitet, dann nur äußerst begrenzt, weil die Komprimierung „aufgebrochen“ wird.
Wenn es also geht, dann ist RAW empfehlenswert. In RAW gibt es ausschließlich Pixel. Die Pixel enthalten für jeden Einzelnen der zahlreichen Pixel die volle Information über dessen Farbe und Helligkeit. Daher ist die Datei auch sehr groß, aber es lohnt sich.


Viele Grüße, Michael Graf
A7S2 und A7R3

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Re: Polarlicht 2026-01-20/21 Verdacht: Giant Blue Ray (GBR) ? 18:32 Ortszeit

Beitrag von Marko Rummelsburg » 31. Jan 2026, 15:21

Hermann Koberger hat geschrieben: 30. Jan 2026, 12:20 Hallo Marko,

vielen Dank für die Einschätzung!
Nun, Airglow ist mir in dieser Nacht eigentlich nirgends aufgefallen. Ich würde die orangene Farbe doch eher dem Polarlicht zuordnen.
Vermutlich verblassender Rest eines großflächigen SAR Bogen, welcher vorher um Mitternacht wesentlich deutlicher sichtbar war.

Viele Grüße
Hermann
Hi Hermann, ich bin mir ziemlich sicher, dass das orangefarbenes Natrium-Airglow ist, typische Airglow-Bänder (Gravitationswellen) sind im orange zu sehen. Für orangefarbene Aurora müsste flächige rote Aurora vor grüner Aurora sein, sodass sich die Farben additiv mischen können. Ich will mich aber gar nicht streiten, eindeutig lässt sich das anhand eines Fotos ohnehin nicht feststellen. Vielleicht hast Du auch recht und es ist gleichzeitiges rotes und grünes Nachglühen. Im Prinzip kommt es ja aufs gleiche raus - Aurora Glow und Airglow sind ja nichts vollkommen verschiedenes.

Um also einen neutraleren Begriff zu verwenden: orangefarbenes Glow - dabei bleibt es offen, wodurch genau es zustande kommt. Meine blassen Erinnerungen sagen mir, dass ich das schon öfter in Zusammenhang mit blauen Strahlen gesehen habe. Vielleicht ist das ja auch mehr als eine Korrelation.

Natrium-Airglow ist vor allem vor und nach der Dämmerung zu sehen (genau wie GBRs) und wird sicher in 89,7% der Fälle für Lichtverschmutzung gehalten, weil es ja auch exakt die gleiche Farbe emittiert wie Natrium-Dampflampen.

Ich habe das vor allem deshalb erwähnt, weil man es als Indikator für mögliche GBRs nutzen könnte, und es sich dann lohnen könnte gezielt nach ihnen zu suchen, falls es sich hier um eine zuverlässige Korrelation handelt. Und dann wäre es auch unerheblich, wie das orangefarbene Glow entsteht. Vielleicht ist es ja auch eine bestimmte Phase eines geomagnetischen Sturms, in der diese Farbe und zugleich GBRs erzeugt werden.

Liebe Grüße
Marko
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