Mondsichel und Venus (2024-07-07)

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Christoph Gerber
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Mondsichel und Venus (2024-07-07)

Beitrag von Christoph Gerber » 7. Jul 2024, 16:16

Hallo zusammen, hallo Elmar,

soeben ist es mir gelungen, die Mondsichel mit 12x60 aufzufinden und auch mit bloßem Auge zweimal zu sichten (17:47 und 17:53 MESZ). Für wenige Minuten waren die Cirren unterbrochen und der Himmel in der entsprechenden Gegend recht blau. Geholfen haben die Cu, mit deren Hilfe (auch wenn sie recht schnell "unterwegs" waren!) ich die Mondsichel recht genau lokalisieren konnte. Mondalter: 1.7 d, Elong: 20.4°, Bel. 3.1%. Auf diese Chance hatte ich den (ganzen) Nachmittag gehofft und gewartet...

Bei der Venus war ich nicht so erfolgreich. Nach erfolglosen Versuchen mit 12x60 hatte ich sie plötzlich sehr hell im Blickfeld (17:41 MESZ) ; aber mit bloßem Auge ist mir eine Sichtung auch in den folgenden Minuten nicht gelungen. (Elong Venus: 9.1°).

Gruß aus HD,
Christoph

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Elmar Schmidt
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Re: Mondsichel und Venus (2024-07-07)

Beitrag von Elmar Schmidt » 7. Jul 2024, 17:11

Dachte ich's mir doch, Christoph :D

Bin gleich rausgerannt, und ja, die Mondsichel fand ich um 18:45 MESZ im 10x40 Olivon auch neben einer sehr dünnen Cirre. Die Leuchtdichte betrug dort 6400 cd/m^2. Mittags (bei 2,75% Breite und 19 Grad Abstand) waren es an ihrer Position nur 5500 cd/m^2, trotzdem wurde ich nicht fündig. Es war ohne Anhaltspunkte am Himmel sogar schwierig, den Mond im Fernglas wiederzufinden, was mir nur einmal gelang. Freisichtig wurde er für mich leider nicht.

Zu Deiner Sichtung gibt EasySky -5,9 mag für den Mond an; meine Messungen lassen eher -5,5 mag erwarten, beide sind dann aber zu der Zeit noch um knapp +0,1 mag zu extingieren. Eine 3,1%-ige Sichel hat nur eine mittl. Leuchtdichte von etwa 150 cd/m^2. Offenbar setzt sie sich wegen ihrer prägnanten Form auch mit einem S/N von nur 1:37* noch am Tageshimmel durch (*Geomittel aus von mir modelliertem Helligkeits- und Leuchtdichtekontrast).

Die zunehmende Feuchtigkeit und auch dünne Wolken brachten zu viel Glast um die Sonne auf, so daß ich Venus bei dann 9500 cd/m^2 Untergrund nicht mehr sah. Ihre Helligkeit war extingiert auch nur noch -3,71 mag. Das führt auf ein S/N von 0,23. Mittags waren es 8500 cd/m^2; -3,87 mag und 0,29; eine Freisichtigkeit auch schon grenzwertig. Zu den Schwierigkeiten in ihrer ziemlichen Nahstellung trägt Blendung vom Lichthof um die Sonne bei, auch wenn man diese natürlich selber abschirmt. Außerdem irritierten heute wieder viele Samen in der Luft, die teilweise 10x und mehr heller waren als Venus. Hier muß man darauf achten, ob sich ein Lichtpunkt nicht bewegt, was dann für Venus spricht.

Fortsetzung: nach vergeblicher Suche kurz nach 20:00 gelang mir im 10x40 ab 20:40 MESZ wieder die Sichtung der schmalen Mondsichel, um 20:50 dann vergleichbar gut mit dem 6,5x21 Pentax Papilio. Unendlichfokus war hierbei wieder das Hauptproblem, zumal kaum noch Cirrenteile in der Nähe standen. Gegen 20:55 wurde die schon 3,55% breite Sichel in knapp 22 Grad Sonnenabstand dann auch endlich freisichtig für mich. Die zugehörige Untergrundleuchtdichte betrug wegen der tiefer stehenden Sonne nur noch 3200 cd/m^2. Meine Modelle ergeben dann ein S/N von knapp 1:20.

Aus den nur wenigen Daten bleibt es vorläufig bei meinem Eindruck, daß Tiefland-Tagsichtungen des Mondes unter 20 Grad Sonnenabstand bzw. 3% Sichelbreite sehr schwierig sind.

In der Dämmerung des 7.7. um 22:20 MESZ war die Sichel schon 3,8% breit. Meine Helligkeitsmessung ergab extinktionskorrigiert -5,7 mag (EasySky gibt -6,1 mag an).

Nochmal eine Fortsetzung: am Folgetag 8.7. um 16:45 MESZ war die Sichtung der 7,4% breiten und mit etwa -6,6 mag nochmals über 3x helleren Sichel in 31,5 Grad Abstand und bei nur noch 2940 cd/m^2 Untergrund natürlich unkritisch. Ich mußte mich nur gehörig verrenken, da der Mond noch 57 Grad hoch stand. Das S/N dieser Sichtung lag bei 1:12 und ist nicht mehr kritisch.

In der Dämmerung des 8.7. um 22:10 MESZ war die Sichel schon 8,4% breit. Meine Helligkeitsmessung ergab extinktionskorrigiert -6,9 mag (EasySky gibt -7,0 mag an).

Wir müssen also nun auf den August-Neumond warten, wobei ich abnehmende Sicheln empfehle, da Morgenhimmel meist klarer sind. Eine Herausforderung erwartet uns am 3.8. um 8:30 MESZ. Da steht der Mond 36 Grad hoch und nur 14 Grad entfernt, aber fast direkt über der Sonne.

Gruß, Elmar
Zuletzt geändert von Elmar Schmidt am 8. Jul 2024, 22:39, insgesamt 2-mal geändert.

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Christoph Gerber
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Re: Mondsichel und Venus (2024-07-07)

Beitrag von Christoph Gerber » 8. Jul 2024, 18:47

Hallo Elmar und alle Interessierten,

heute (8. Juli) hat es endlich geklappt!

MOND: bereits mittags in der Stadt freisichtig gefunden: Elong. 30.4°, Bel. 6.9%, Alter 2.4 d. Im Grunde kein Problem – der Mond muss nur gesucht und gefunden werden. Ebenso war es auch später am Nachmittag. Die Mondsichel fältt noch lange nicht "ins Auge".

VENUS: um 16:30 mit 12x60 erfasst, um17:30 MESZ erneut, aber freihändig noch nicht erfolgreich. Im Fernglas sehr hell, so dass es mich wundert, warum die Suche oft so erfolglos ist. Das könnte an den Samen etc. liegen, die in der Luft herumfliegen. Einige bewegen sich recht langsam und sind der Venus täuschend ähnlich. Sie scheinen die Fokussierung immer wieder weg von unendlich zu zwingen...
Um 17:36 MESZ dann endlich auch mit bloßem Auge erfasst: Elong. 9.4° – also doch "unter" 10° Sonnenentfernung! Zu sehen war sie sicher – wenn ich sie hatte. Sie ohne Hilfe des Fernglases zu finden geht noch lange nicht...

Gruß aus HD,
Christoph

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Re: Mondsichel und Venus (2024-07-07)

Beitrag von Jan Hattenbach » 9. Jul 2024, 06:49

Hallo,
Gratulation! Gestern abend beim Hochfahren zu meinem Beobachtungsort Mond, Merkur und Venus ziemlich schnell durch die Windschutzscheibe erwischt - Venus hat mich schon überrascht, so tief wie die noch steht! Die Sicht von >1000m auf's Meer hat sicher geholfen ;-)
cs,
Jan

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Elmar Schmidt
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Re: Mondsichel und Venus (2024-07-07)

Beitrag von Elmar Schmidt » 9. Jul 2024, 07:02

Hallo Christoph,

danke für die Ergänzung. Wir wissen ja schon, daß Venus abseits der Sonne fast immer freisichtig ist. Die 20 Forumssichtungen erfolgten in (34 +/- 11) Grad Abstand und oft auch in höherem Glanz als jetzt.

Bei ihr wird es also erst unter 10 Grad schwierig, weil sich dort selbst ein guter Blauhimmel durch Vorwärtsstreung in Richtung der Blendgrenze aufhellt. Nach meiner Erinnerung an solche Standorte dürfte sich diese Grenze im Hochland ohne weiteres auf 5 Grad herunter bewegen,* speziell nahe der oberen Konjunktion, wenn Venus als große Sichel heller ist als in der jetzigen unteren.

Zur Einordnung hier ein Photo aus Chile, das die nahe ihrer oberen Konjunktion fast volle Venus 10,8 Grad von der Sonne entfernt zeigt:

https://spaceweather.com/archive.php?vi ... &year=2024

Durch ihre Nahstellung (im Weltraum) zur Sonne und ihre geschlossene Wolkendecke hat die Venus eine Leuchtdichte nahe 25 000 cd/m^2, das ist sechsmal heller als ein irdischer Vollmond und mehr als doppelt so hell wie der umgebende Blauhimmel selbst in nur etwa 10 Grad Winkelabstand zu Sonne. Mondsicheln fallen dort enorm ab mit Leuchtdichten in der Nähe von nur 1-200 cd/m^2.

Beim Mond habe ich jetzt begonnen, die wenigen Tagsichtungen von uns zusammenzustellen. Wie gesagt, scheint mir die Freisichtigkeitsgrenze bei ugf. 20 Grad Sonnenabstand zu liegen, trotz daß der Mond integral dann unter fast allen Umständen heller ist als Venus. Das hat wohl mit seiner geringeren Leuchtdichte zu tun. Daß dann aber bei den Sichtungen im S/N Werte von unter 1:20 auftreten, während es für Venus mindestens etwa 1:4 braucht, könnte wiederum zeigen, daß dem Auge hier die Winkelgröße und Formerkennung entgegen kommen.

Viele Grüße

Elmar


@Jan: Deine Sichtung Merkurs (-0,1 mag) deutet darauf hin, daß das nach Sonnenuntergang war. Versuch doch jetzt auch mal Venus am Tag* und ebenso dann die Mondsicheln um den nächsten Neumond am 4.8.

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