MuSTAnG - Weltraumwetter-Teleskop kommt nach Greifswald
Moderator: StefanK
-
Peter Hauser
- Beiträge: 84
- Registriert: 17. Jan 2004, 23:57
- Wohnort: Stuttgart
MuSTAnG - Weltraumwetter-Teleskop kommt nach Greifswald
Die Europäische Raumfahrtorganisation ESA hat sich entschieden, das erste europäische Weltraumwetter-Teleskop in Deutschland von der Universität Greifswald am Institut für Physik bauen zu lassen. Mit dieser Entscheidung für Greifswald als Standort unternimmt ESA einen weiteren bedeutenden Schritt in Richtung eines Europäischen Weltraumwetter-Programmes.
aus der PR Meldung...
aus der PR Meldung...
- Michael Heiß
- Beiträge: 166
- Registriert: 12. Jan 2004, 15:41
- Wohnort: Greifswald
- PeterKuklok
- Beiträge: 949
- Registriert: 9. Jan 2004, 07:59
- Wohnort: Ffm
Hallo,
Was stellt man 24 Stunden vorher fest, eine Ab- oder Zunahme an Myonen?
Bei einer Abnahme, wäre das dann sowas wie ein Forbush-Effekt? Aber warum sollte der schon 24 Stunden vor Eintreffen des CMEs einsetzen
Für den Fall einer Zunahme an Myonen durch solare kosmische Strahlung wären ja starke Protonenflares verantwortlich. Aber wie kann das Greifswalder Teleskop bzw. das o.g. globale Netzwerk schon 24 Stunden vorher eine Aussage zur Ankunftszeit des CMEs machen? Was kann MuSTAnG dahingehend besser, was nicht auch schon GOES (Protonenfluss) und ACE (EPAM) leisten?
Mal ganz abgesehen davon, dass sich Protonenereignisse überwiegend am Westrand ereignen, wie will man dann Frontal-CMEs "sehen", die kein Protonenevent auslösen, aber dennoch das Potenzial für einen schweren Magnetsturm mitsichführen?
Ich will keineswegs den Bau des Teleskops in Frage stellen, aber ich verstehe halt (noch) nicht, wie es der Weltraumwetter-Vorhersage dienlich sein kann? Vielleicht hat ja jemand eine Antwort.
Grüße
Peter
Weiß jemand wie das gehen soll? Ich hab das bisher nicht verstanden.Mit dem MuSTAnG genannten Teleskop kann das globale Netzwerk dann 24 Stunden im Voraus die Ankunftzeit der von der Sonne stammenden Plasmawolke präziser vorhersagen.
Was stellt man 24 Stunden vorher fest, eine Ab- oder Zunahme an Myonen?
Bei einer Abnahme, wäre das dann sowas wie ein Forbush-Effekt? Aber warum sollte der schon 24 Stunden vor Eintreffen des CMEs einsetzen
Für den Fall einer Zunahme an Myonen durch solare kosmische Strahlung wären ja starke Protonenflares verantwortlich. Aber wie kann das Greifswalder Teleskop bzw. das o.g. globale Netzwerk schon 24 Stunden vorher eine Aussage zur Ankunftszeit des CMEs machen? Was kann MuSTAnG dahingehend besser, was nicht auch schon GOES (Protonenfluss) und ACE (EPAM) leisten?
Mal ganz abgesehen davon, dass sich Protonenereignisse überwiegend am Westrand ereignen, wie will man dann Frontal-CMEs "sehen", die kein Protonenevent auslösen, aber dennoch das Potenzial für einen schweren Magnetsturm mitsichführen?
Ich will keineswegs den Bau des Teleskops in Frage stellen, aber ich verstehe halt (noch) nicht, wie es der Weltraumwetter-Vorhersage dienlich sein kann? Vielleicht hat ja jemand eine Antwort.
Grüße
Peter
- Ulrich Rieth
- Administrator
- Beiträge: 2652
- Registriert: 9. Jan 2004, 07:15
- Wohnort: Buchholz in der Nordheide
- Kontaktdaten:
Moin Peter!
Es ist eine Abnahme Myonen in Sonnenrichtung.
Daher will man ja auch die weltweite Abdeckung mit diesem Teleskop verbesser, damit praktisch immer 2 Teleskope in Richtung Sonne schauen können.
Die Abnahme entsteht dadurch, dass die Magnetfelder im CME wohl die galaktische Kosmische Strahlung leicht abschirmen und somit kommt eben von der ansonsten isotropen Strahlung bei einem CME aus Richtung Sonne etwas weniger.
Der Effekt ist ziemlich klein, weshalb man eine gute Statistik und daher ein großes Teleskop braucht.
Bislang steht in Greifswald grade mal ein einziges Myondetektörchen und damit kann man zwar kosmische Strahlung nachweisen aber noch keine Effekte, die im Zusammenhang mit einem CME stehen.
Ich glaub ich hab irgendwo noch ein Paper zu der Geschichte rumfliegen.
Wenn ich es nochmal finde, kann ich es ja mal mailen.
Gruß
Ulrich
Es ist eine Abnahme Myonen in Sonnenrichtung.
Daher will man ja auch die weltweite Abdeckung mit diesem Teleskop verbesser, damit praktisch immer 2 Teleskope in Richtung Sonne schauen können.
Die Abnahme entsteht dadurch, dass die Magnetfelder im CME wohl die galaktische Kosmische Strahlung leicht abschirmen und somit kommt eben von der ansonsten isotropen Strahlung bei einem CME aus Richtung Sonne etwas weniger.
Der Effekt ist ziemlich klein, weshalb man eine gute Statistik und daher ein großes Teleskop braucht.
Bislang steht in Greifswald grade mal ein einziges Myondetektörchen und damit kann man zwar kosmische Strahlung nachweisen aber noch keine Effekte, die im Zusammenhang mit einem CME stehen.
Ich glaub ich hab irgendwo noch ein Paper zu der Geschichte rumfliegen.
Wenn ich es nochmal finde, kann ich es ja mal mailen.
Gruß
Ulrich
- PeterKuklok
- Beiträge: 949
- Registriert: 9. Jan 2004, 07:59
- Wohnort: Ffm
Hallo Ulrich,
prima, danke. Das hilft mir schon mal weiter.
Neutronen-Monitore scheinen für so eine Aufgabe dann also weniger geeignet zu sein, wenngleich auch sie Veränderung der GCR registrieren und es ein größeres weltweites Netz davon gibt.
Interessantes Thema. Falls Du das Paper noch findest kannste es mir gerne mailen. Ich werde aber auch noch ein bisschen im Netz stöbern. Den Link zu den Online-Daten vom Muon-Telescope aus Japan hab ich mir schon mal gebookmarkt. Muss ich mal näher beobachten, auch wenn der Effekt nur sehr klein sein mag.
Grüße
Peter
prima, danke. Das hilft mir schon mal weiter.
Neutronen-Monitore scheinen für so eine Aufgabe dann also weniger geeignet zu sein, wenngleich auch sie Veränderung der GCR registrieren und es ein größeres weltweites Netz davon gibt.
Interessantes Thema. Falls Du das Paper noch findest kannste es mir gerne mailen. Ich werde aber auch noch ein bisschen im Netz stöbern. Den Link zu den Online-Daten vom Muon-Telescope aus Japan hab ich mir schon mal gebookmarkt. Muss ich mal näher beobachten, auch wenn der Effekt nur sehr klein sein mag.
Grüße
Peter
- Ulrich Rieth
- Administrator
- Beiträge: 2652
- Registriert: 9. Jan 2004, 07:15
- Wohnort: Buchholz in der Nordheide
- Kontaktdaten:
Hi Peter!
Hier ist der Link zu dem Artikel: http://esa-spaceweather.net/spweather/w ... d_muon.pdf
Bei der Suche mit Google hab ich aber auch gesehen, dass Herr Dr.Jansen auf der diesjährigen DPG-Frühjahrstagung in Berlin auch einen Vortrag zum Thema hält.
Vielleicht ist Robert Wagner ja auch bei der Tagung oder er kann zumindest mal das Abstract aus dem DPG Band scannen und online stellen?
Gruß
Ulrich
Hier ist der Link zu dem Artikel: http://esa-spaceweather.net/spweather/w ... d_muon.pdf
Bei der Suche mit Google hab ich aber auch gesehen, dass Herr Dr.Jansen auf der diesjährigen DPG-Frühjahrstagung in Berlin auch einen Vortrag zum Thema hält.
Vielleicht ist Robert Wagner ja auch bei der Tagung oder er kann zumindest mal das Abstract aus dem DPG Band scannen und online stellen?
Gruß
Ulrich
- Robert Wagner
- Beiträge: 449
- Registriert: 23. Feb 2004, 20:58
- Wohnort: Stockholm
- Kontaktdaten:
Hallo Ulrich,
gibts alles online:
MuSTAng - Muon Spaceweather Telescope for Anisotropies at Greifswald, F. Jansen, Greifswald (pdf), Vortrag EP17.3
apropos Berlin: Vielleicht ist ja ausser mir noch jemand auf der DPG-Fruehjahrstagung?
Ciao,
Robert
gibts alles online:
MuSTAng - Muon Spaceweather Telescope for Anisotropies at Greifswald, F. Jansen, Greifswald (pdf), Vortrag EP17.3
apropos Berlin: Vielleicht ist ja ausser mir noch jemand auf der DPG-Fruehjahrstagung?
Ciao,
Robert
Magnetometer Stockholm & Magnetometerline http://www.magnetometer.se/ 
member: DPG, AGU, IAU, Cloud Appreciation Society
tweeting about aurora borealis, astronomy, science

member: DPG, AGU, IAU, Cloud Appreciation Society
tweeting about aurora borealis, astronomy, science
- Ulrich Rieth
- Administrator
- Beiträge: 2652
- Registriert: 9. Jan 2004, 07:15
- Wohnort: Buchholz in der Nordheide
- Kontaktdaten:
- Robert Wagner
- Beiträge: 449
- Registriert: 23. Feb 2004, 20:58
- Wohnort: Stockholm
- Kontaktdaten:
MuSTAnG @ DPG
Hi,
ich habs trotz einer überwältigenden Anzahl von 6000 Vorträgen geschafft, den MuSTAnG-Vortrag auf der DPG-Frühjahrstagung nicht zu verpassen. Im Wesentlichen will man mit einem Myon-Tracker die Einfallsrichtung von kosmischen Myonen bestimmen, deren mittlere freie Weglänge um einiges höher als die von z.B. Neutronen ist. So kann man vereinfacht gesprochen weiter sehen als das Neutronenmonitore können, und damit CMEs, die eine 1%..2% Unterdrückung des Myonflusses bedingen, orten. Das Ganze klappt natürlich nur in einem weltumspannenden Netz von Myonmonitoren; ausser in Greifswald gibt es unter anderem in Japan bereits ein solches Experiment. Übrigens: Sooo riesig sind diese Detektoren nicht. In Japan werden derzeit 10 qm eingesetzt, in Greifswald sind 8 qm geplant. Die Technologie ist wohlbekannt: Zwei Ebenen von Szintillator, die von Photomultipliern angeschaut werden, dazwischen Abschirmung, sodass man sicher sein kann, dass nur Myonen durchkommen. Das Ganze wird dann in Koinzidenz betrieben.
Erwähnenswert ist noch, dass MuSTAnG auch an der sogenannten COST 724 action beteiligt ist, die sich "Developing the Scientific Basis for Monitoring, Modelling and Predicting Space Weather" zum Ziel gesetzt hat, also eine koordinierte Weltraumwettervorhersage, so wie sie in den USA bereits vorhanden ist. Ausserdem wurde auf eine von der Uni Greifswald seit 2002 herausgegebene "Space Weather CD-ROM" hingewiesen; ich weiss nicht, ob die hier im Forum schon bekannt ist.
Ein Kommentar zum Vortrag war unter anderem, dass ja NASA ein Zwei-Satelliten-Projekt (also stereoskopische Beobachtung) zur Erkennung von CMEs realisieren wollen. Jansen antwortete, dass das Myonteleskopnetz in Ergänzung dazu sehr wohl seine Berechtigung habe.
Ciao,
Robert
ich habs trotz einer überwältigenden Anzahl von 6000 Vorträgen geschafft, den MuSTAnG-Vortrag auf der DPG-Frühjahrstagung nicht zu verpassen. Im Wesentlichen will man mit einem Myon-Tracker die Einfallsrichtung von kosmischen Myonen bestimmen, deren mittlere freie Weglänge um einiges höher als die von z.B. Neutronen ist. So kann man vereinfacht gesprochen weiter sehen als das Neutronenmonitore können, und damit CMEs, die eine 1%..2% Unterdrückung des Myonflusses bedingen, orten. Das Ganze klappt natürlich nur in einem weltumspannenden Netz von Myonmonitoren; ausser in Greifswald gibt es unter anderem in Japan bereits ein solches Experiment. Übrigens: Sooo riesig sind diese Detektoren nicht. In Japan werden derzeit 10 qm eingesetzt, in Greifswald sind 8 qm geplant. Die Technologie ist wohlbekannt: Zwei Ebenen von Szintillator, die von Photomultipliern angeschaut werden, dazwischen Abschirmung, sodass man sicher sein kann, dass nur Myonen durchkommen. Das Ganze wird dann in Koinzidenz betrieben.
Erwähnenswert ist noch, dass MuSTAnG auch an der sogenannten COST 724 action beteiligt ist, die sich "Developing the Scientific Basis for Monitoring, Modelling and Predicting Space Weather" zum Ziel gesetzt hat, also eine koordinierte Weltraumwettervorhersage, so wie sie in den USA bereits vorhanden ist. Ausserdem wurde auf eine von der Uni Greifswald seit 2002 herausgegebene "Space Weather CD-ROM" hingewiesen; ich weiss nicht, ob die hier im Forum schon bekannt ist.
Ein Kommentar zum Vortrag war unter anderem, dass ja NASA ein Zwei-Satelliten-Projekt (also stereoskopische Beobachtung) zur Erkennung von CMEs realisieren wollen. Jansen antwortete, dass das Myonteleskopnetz in Ergänzung dazu sehr wohl seine Berechtigung habe.
Ciao,
Robert
Magnetometer Stockholm & Magnetometerline http://www.magnetometer.se/ 
member: DPG, AGU, IAU, Cloud Appreciation Society
tweeting about aurora borealis, astronomy, science

member: DPG, AGU, IAU, Cloud Appreciation Society
tweeting about aurora borealis, astronomy, science
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 51 Gäste
