Es liegt was in der Luft ... (Vulkanasche?)

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Claudia Hinz
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Es liegt was in der Luft ... (Vulkanasche?)

Beitrag von Claudia Hinz » 17. Aug 2011, 19:00

Hallöchen,

schon als Micha hier war, hatten wir das Gefühl, daß irgendwas in der Luft liegt. Heute war es noch deutlicher. Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang leuchteten ca. 15-20km hohe dünne Staubschleier auf, die bis ca. 15° über den Horizont reichten. Dazu gab es wíeder intensive Crepuscularstrahlen. Alles erinnerte an Sarychev und Kasatochi. Weiß jemand von Vulkanausbrüchen der letzten Zeit?

Hatte noch Saharastaub in Verdacht, aber dafür dürfte die Aerosolschicht zu hoch sein.

LG Claudia

P.S. Bilder folgen morgen, hab hier keine Möglichkeit, welche hochzuladen.
Zuletzt geändert von Claudia Hinz am 18. Aug 2011, 15:44, insgesamt 1-mal geändert.

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StefanK
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Staubschleier

Beitrag von StefanK » 17. Aug 2011, 19:26

Hallo Claudia,

ein Forumsmitglied hat mir gerade eine PN mit einer ähnlichen Beobachtung vom Morgen zugesendet. Laut http://forecast.uoa.gr/dustindx.php sollte in unserer Gegend kein Saharastaub unterwegs sein. Besondere Vulkanausbrüche sind mir auch nicht bekannt; am Ätna ist wohl etwas Lava geflossen, und sonst habe ich noch den hier anzubieten: http://www.volcano.si.edu/reports/usgs/#shiveluc .

Viele Grüße aus Bonn!

Stefan

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 17. Aug 2011, 19:32

Das Problem bei Vulkanasche ist, daß sie mind. 15km in die Höhe geschleudert werden muß, damit sie sich über größere Entfernungen ausbreiten kann. Ansonsten sedimentiert sie sehr schnell, wie z.B. die Asche des Eyjafjallajöküll. Da gibts dann nicht wirklich viel zu beobachten. Insofern dürfte der Shiveluch auch nicht wirklich in Frage kommen.

Werd mal die Luftchemiker vom Hohenpeißenberg fragen, vielleicht haben die einen heißen Tipp oder konnten gar irgendwas messen.

Dank Dir auf jeden Fall!

LG Claudia

Michael Großmann

Beitrag von Michael Großmann » 17. Aug 2011, 20:00

Ich werde morgen ein Bild einstellen von heute morgen 6.00 Uhr (MESZ). Da gab es ebenfalls schöne Crepuscularstrahlen vor rosa Kulisse zu bestaunen. Interessant deswegen, da die Strahlen einen schönen symetrischen Fächer erzeugten.

Viele Grüße
Micha

Bernt H.
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Beitrag von Bernt H. » 18. Aug 2011, 15:00

Hallo Claudia,

eine Antwort zu Deiner Frage hab ich (natürlich :wink: ) nicht, aber vlt. eine Ergänzung:

ich habe in den letzten Tagen hier bei uns im Norden beobachtet, dass wir zum SU jeweils Pupurlicht hatten ...

Jedenfalls gab es an mehreren Tagen kurz nach dem SU eine deutliche Lilafärbung des Himmelsbereiches etwa 20-30° oberhalb jenem Bereich der zuvor versunkenen Sonne. Auffällig dabei war auch der jeweils eher gelbliche SU selbst.

Bei dieser Beobachtung habe ich auch gleich an Vulkanstaub gedacht.

Ist nicht etwa vor einem halben Jahr in Argentinien ein größerer Vulkan ausgebrochen ??
Könnten die Aschereste u.U. den Weg hierher bis in den Norden geschafft haben ... :?:

Neugierige Grüße, Bernt

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Beitrag von Claudia Hinz » 18. Aug 2011, 15:18

Hallo,

ich habe mal auf dem Hohenpeißenberg nachgefragt, dort wurde die Schicht in 15-19km Höhe auch gemessen. Inzwischen ist eine europaweite Diskussion nach der Ursache entstanden, denn sowohl von Portugal als auch vom Mauna Loa gibt es ähnliche Meßwerte. Leider können die Aerosolpartikel in dieser Höhe nicht mehr analysiert werden, aber momentan überwiegt die Vermutung, daß die Partikel vom Nabro-Ausbruch Anfang Juni in Eritrea freigesetzt wurden.

Hier mal eine PDF-Datei mit Bildern und Messungen (für die, die's interessiert): http://www.meteoros.de/blog/Aerosol%20layer.pdf

Wenn ich noch was wichtiges erfahre, melde ich mich nochmal.

LG Claudia
Zuletzt geändert von Claudia Hinz am 18. Aug 2011, 16:59, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Claudia Hinz » 18. Aug 2011, 15:43

Bernt H. hat geschrieben:
Ist nicht etwa vor einem halben Jahr in Argentinien ein größerer Vulkan ausgebrochen ??
Könnten die Aschereste u.U. den Weg hierher bis in den Norden geschafft haben ... :?:

Neugierige Grüße, Bernt
@Bernt: Vielen Dank für Deine Beobachtung. Es scheint die gesamte Nordhemisphäre zu betreffen (siehe Text obendrüber).

Der chilenische Puyehue (kann mir mal irgendeiner verraten, wie man das Ding ausspricht, so daß es nicht chinesisch klingt???) war auch im Gespräch, aber die Asche müßte es mind. in Höhen um oder über 20km verfrachtet haben, daß ein Austausch zwischen den Hemisphären stattfinden kann. Und das war sie nicht. Deshalb scheidet er wohl aus.

Allerdings scheiden sich wohl beim Grimsvötndie Geister, angeblich soll ein Teil der Partikel auch noch in der Stratosphäre herumschweben, was andere wiederum komplett ausschließen.

Aber ich hab jetzt mal nach dem Nabro gegoogelt, der wäre wirklich vorstellbar:
http://earthquake-report.com/2011/unusu ... -ethiopia/

LG Claudia

Nachtrag: Ich weiß nicht, ob ich diese Liste aller Vulkanausbrüche der letzten Zeit veröffentlichen darf, deshalb mach ich das mal ganz unscheinbar ...

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Beitrag von Claudia Hinz » 18. Aug 2011, 17:21

Inzwischen werden auch Ätna und Stromboli als Verursacher diskutiert:
http://www.ct.ingv.it/index.php?option= ... Itemid=370
http://www.ct.ingv.it/index.php?option= ... Itemid=370

Allerdings wurde die Aerosol-Schicht auch von der NASA gemessen:
http://www-calipso.larc.nasa.gov/produc ... 00-00Z.hdf

Und so schnell dürfte die Asche dann doch nicht unterwegs sein.

Auch wir hatten die letzten Tage keine ausgeprägte Südströmung.

Also wohl doch Nabro mit einem Schuß Grimsvötn...

Michael Großmann

Beitrag von Michael Großmann » 18. Aug 2011, 19:32

Ein Bild bin ich noch schuldig.....

Bild

Grüße
Micha

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Beitrag von Claudia Hinz » 18. Aug 2011, 20:11

Genial!!!

Hier mal noch ein Bild von Martin Popek aus Nydek, Tschechien:
http://ukazy.astro.cz/upload/20110818Ma ... 1Z1xam.jpg

Das finde ich auch abslolut genial.

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Peter Krämer
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Beitrag von Peter Krämer » 19. Aug 2011, 08:19

Hallo,

ich habe mich schon den ganzen Urlaub über gewundert, was da los ist. Ich war auf der griechischen Insel Karpathos, und da gab es jeden Abend mehr oder weniger intensives Purpurlicht. Ich dachte nur, das sei eine regionale Erscheinung, vielleicht Saharastaub. Nach dem, was in diesem Thread steht, scheint es wohl ein großflächiges Phänomen zu sein.
Hier mal ein erstes Bild vom ersten Abend dort (2. August), der Rest kommt in ein paar Tagen, wenn ich den Haufen Urlaubsbilder bearbeitet habe:
Bild

Grüße
Peter

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Beitrag von Claudia Hinz » 19. Aug 2011, 10:09

@Peter: Wow, Dein Bild übertrifft an Farbigkeit ja alles! Vielen Dank fürs Einstellen!

Hier noch ein Bild von gestern abend, aufgenommen von Stefan Rubach in München:

Bild

Hoffe auf weitere imposante Bilder!

LG Claudia

gabyklüber
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Beitrag von gabyklüber » 19. Aug 2011, 11:24

Was ist mit dem Vulkan auf Kamtschatka?
Dem Schiwelutsch ,der soll doch im Moment aktiv sein und das schon länger.
lg Gaby

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 19. Aug 2011, 11:59

Liebe Gabi,

der Shivelusch ist schon länger aktiv. Aber um Vulkanische Dämmerungen zu bekommen, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

- Die Partikel müssen mind. über 12 km hoch geschleudert werden, damit sie sich in der Stratosphäre halten und nicht ausgewaschen werden.
- Neben Gesteins- und Aschepartikeln muß auch Schwefeldioxid ausgestoßen werden, denn Asche sedimentiert ziemlich schnell.
- Das ganze muß eine Weile oben rumeiern, bis das SO2 Gas zu Schwefelsäure-Tröpfchen kondensiert.
- Die Dichte der Aerosole muß hoch genug sein, damit trotz Verteilung auf der gesamten Nordhemisphäre noch genügend Streupartikel über uns sind, die das Sonnenlicht streuen bzw. eine wolkenartige Schicht bilden.

Der Shivelusch, der Grimsvötn und auch die beiden Italiener erfüllen diese Voraussetzungen nicht. Sie haben allenfalls einen klitzekleinen Anteil an den farbigen Dämmerungen (wobei am ehesten noch Grimsvötn). Ansonsten erfüllt nur der Nebru-Vulkan alle Voraussetzungen vollständig.

Die Kollegen vom Hohenpeissenberg haben übrigens ihre Messungen der letzten Wochen ausgewertet. Die Schicht ist erstmalig am 15./16. Juli aufgetaucht, danach erst wieder am 10. August. Liegt wahrscheinlich in erster Linie am Wetter oder an einem Strömungswechsel.

LG Claudia

wolfgang hamburg
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Beitrag von wolfgang hamburg » 19. Aug 2011, 13:07

Moin moin,

da ist mehr SO2 als normal in der Atmosphäre, woher der kommt ist mir auch nicht klar. Sehen kann man das hier:
http://wdc.dlr.de/data_products/SERVICE ... RT/so2.php
Auf der Südhalbkugel kommt das vom Puyehue-Cordón Caulle in Chile.
Sieht man hier:
http://www.volcano.si.edu/reports/usgs/

Hier im NO war noch nix beobachtbar, aber das liegt eher am bescheidenen Wetter weiter unten. ;-)

Grüße wolfgang

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Christian Mencke
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Beitrag von Christian Mencke » 19. Aug 2011, 15:00

Kann es sein, dass die Asche das vor ein paar Tagen auch bis nach Norddeutschland geschafft hat?
Beim Sonnenuntergang vor ein paar Tagen, ist mir aufgefallen, dass die Farben doch recht kräftig waren. Kann aber auch sein, dass es mir nur so vorkam, weil wir hier schon lange keinen wolkenfreien Sonnenuntergang hatten :D.
Hab auch Fotos gemacht, aber ist gerade der Akku alle.

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StefanK
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Purpurlicht

Beitrag von StefanK » 19. Aug 2011, 15:18

Hallo zusammen,

mir ist gerade wieder eingefallen, dass ich bereits am 01.08.2011 ein recht auffälliges Purpurlicht beobachtet und fotografiert habe: http://twitpic.com/60i4ot . Ich hab das damals mit sehr dünner und sehr hoher troposphärische Bewölkung erklärt. Für eine Position der verursachenden Schicht allenfalls in der untersten Stratosphäre sprach auch, dass das Purpurlicht schon bei einer Sonenndepression von etwa -5 Grad wieder verschwunden war.

Viele Grüße aus Bonn!

Stefan
Zuletzt geändert von StefanK am 26. Aug 2011, 21:32, insgesamt 1-mal geändert.

Michael Großmann

Beitrag von Michael Großmann » 19. Aug 2011, 17:41

...auch ein nettes Bild bei Les Cowley...

http://www.atoptics.co.uk/opod.htm

Viele Grüße
Micha

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Christian Mencke
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Beitrag von Christian Mencke » 19. Aug 2011, 19:14

Also ich hab hier mal eben das fotografiert. Ich weiß nicht, ob ich da wieder mal der einzige bin, der da was zu sehen meint, aber so in der unteren Mitte sieht man leicht was. Es ist ein wenig bearbeitet, damit man das besser sieht.

Bild

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 19. Aug 2011, 19:19

Die Vulkandämmerung scheint nach Süden hin kräftiger zu werden, was ja auf den afrikanischen Vulkan paßt.

Das Karpathos-Foto ist einmalig, gratuliere Peter!

Elmar

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