(HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Forum für Halo-Erscheinungen, Regenbögen, Blitze und alle anderen Lichterscheinungen, die neben Polarlichtern in der Erdatmosphäre auftreten.

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Wolfgang Hinz
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(HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Beitrag von Wolfgang Hinz » 19. Dez 2017, 16:28

Hallo!
Ich möchte hiermit wieder ein umfangreiches Halophänomen vom Fichtelberg vorstellen.
Beobachtet von Gerd Franze, dem Leiter der Fichtelbergwetterwarte. Mit über 400 Bildern hat er es umfangreich dokumentiert.
Leider hatte Claudia Nachtdienst und ich war in Chemnitz unterwegs. So haben wir aber glücklicherweise die Dokumentation und die Vorstellung hier im Forum.
Schon am Vormittag waren die Lichtsäulen zu sehen. Das große Spektakel dauerte etwa von 13.30 - 14.30 Uhr MEZ.
Besondes die vielen Bögen im Gegensonnenbereich sind sehr interessant und bedürfen noch einer genaueren Analyse, vor allem der untere Teil!

Zu Beginn des Phänomens gegen 13.30 Uhr erreichte die Temperatur ihr Maximalwert von -1,8°C (!) und sank bis zum Ende gegen 14.40 Uhr auf ca. -7°C. Der Wind wehte mit Windstärke 2-3 aus südlichen Richtungen.

Was war zu sehen?
Nach der ersten Durchsicht der Bilder ergaben sich 19 Haloarten mit 22 Erscheinungen:
- 22°-Ring mit beiden Nebensonnen
- oberer und unterer Berührungsbogen
- obere und untere Lichtsäule
- Zirkumzenitalbogen
- 46°-Ring
- Parrybogen
- Supralateral- und Infralateralbogen
- linke/rechte und obere/untere Tapes Bögen
- Sonnenbogen
- Untersonnenbogen
- Horizontalkreis
- 120°-Nebensonnen (mit Blue Spot) und die schiefen Bögen durch die 120°-Nebensonne
- Wegeners Gegensonnenbogen
- Trickers Gegensonnenbogen
- Oberer Lowitzbogen
- Untergegensonnenbogen
Wir bitten um eine rege Diskussion der Bögen im Gegensonnenbereich, da sind wir uns nicht sicher! Die Bilddaten sind in den exif-Daten.

Viele Grüße
Wolfgang und Claudia

Hier nun einige interessante Bilder:
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Dateianhänge
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Thomas Klein
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Re: (HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Beitrag von Thomas Klein » 19. Dez 2017, 16:50

Hallo Wolfgang,

großartige Sichtung von Gerd. Was mich besonders fasziniert ist der Blue Spot, vor allem nach Alexs Vortrag beim Halotreffen. Im Bild 7 ist dabei nicht nur das Blau zu sehen, sondern das ganze Farbspektrum, was ich so noch nie gesehen habe.

Viele Grüße,
Thomas

Wolfgang Hinz
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Re: (HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Beitrag von Wolfgang Hinz » 19. Dez 2017, 17:01

Da hast du recht! So habe auch ich es noch nie gesehen. Die Farbigkeit ist aber etwas rechts von der 120°-Nebensonne?

Wolfgang

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Thomas Klein
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Re: (HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Beitrag von Thomas Klein » 19. Dez 2017, 18:20

Hallo Wolfgang,

ich gehe davon aus, dass es sich dabei um den Effekt handelt, den Alex im Halotreffen präsentiert hat. In seiner Präsentation ist auf Seite 13 eine Grafik, welche denke ich den zu sehenden Effekt zeigt, wobei das jetzt auch nur eine Vermutung von einem unwissendem Studenten ist. In selbiger Präsentation ist der Blue Spot auch im Neklid Phänomen auf Seite 15 zu sehen, dort ist der Blaue Fleck auch neben der 120° Nebensonne. Alex oder auch jemand anderes kann da bestimmt noch mehr dazu sagen.

Viele Grüße,
Thomas

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Re: (HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Beitrag von Elmar Schmidt » 19. Dez 2017, 19:05

Hallo Thomas,

der Blue Spot wandert gemäß Sillanpää, M.; Moilanen, J.; Riikonen, M.; Pekkola, M. (2001). "Blue spot on the parhelic circle" Applied Optics 40 5275–5279 (2001) etwa wie folgt mit der Sonnenhöhe längs dem Horizontalkreis (gerechnet für Brechungsindex n=1,31 mit ihrer Formel, die man auch hier findet: https://en.wikipedia.org/wiki/Parhelic_circle ):

0 Grad - 115,6 Grad
5 Grad - 116,3 Grad
10 Grad - 118,5 Grad
12,3 Grad - 120 Grad
15 Grad - 122,3 Grad
20 Grad - 128,5 Grad
25 Grad - 138,0 Grad
30 Grad - 155,5 Grad

Der Blue Spot liegt also bis zur Sonnenhöhe 12 Grad sonnenseitig von der 120-Grad-NS, kreuzt sie dann und verschmilzt zur Grenz-Sonnenhöhe 32,2 Grad für den ZZB, dem er ja "Licht klaut", mit dem (ggf. möglichen) gegenüberliegenden im Anthelion (Sonnengegenpunkt bei 180 Grad auf dem HK).

In dem von Wolfgang gemeldeten Zeitraum sank die Sonne etwa von 13,8 auf 9,6 Grad Höhe, so daß der Bluespot von sonnenfernerer Position (also größerer Azimutdistanz) auf dem HK über die 120-Grad-NS gewandert sein muß. Die besten Fotos zeigen ihn ja bei größerem Azimut als die 120-Grad-NS, müssen also bei der größeren Sonnenhöhe über 13 Grad entstanden sein. Dort ist im Blue Spot in der Tat auch etwas gelblich-grünliches zu sehen, was mit der Dispersion des Grenzwinkels (infolge der wellenlängenabhängigen Brechzahl) erklärbar ist.

Nicht daß das vergessen wird: tolles Phänomen übrigens, der Fichtelberg hatte ja einen super Halowinter bislang.

Gruß, Elmar


PS: Alex trug über einen anderen (und viel selteneren) "Grenzwinkelhalo" bei 87 Grad vor, die Blue-Spots liegen 115,6 Grad von der Sonne weg.
Zuletzt geändert von Elmar Schmidt am 20. Dez 2017, 00:30, insgesamt 1-mal geändert.

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Bertram Radelow
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Re: (HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Beitrag von Bertram Radelow » 19. Dez 2017, 21:59

ach das macht ja keinen Spass mehr. Normalerweise wird bei meinen Modellflugbildern in anderen Foren der admin immer gefragt, ob man mich nicht mit einem Veröffentlichungsverbot belegen könne, jetzt möchte ich selbiges für C&W Hinz und alle Anverwandten/Mitarbeiter für dieses Forum beantragen. Ich bin ganz alleine und nicht zu dritt oder sogar mehr wie die Hinzens, und das ist eine eklatante Ungleichbehandlung...

:D

Weiter so! Was ist das Internet für eine tolle Möglichkeit mitzubekommen, was man 20 Jahre früher nie geahnt hätte! Danke für Eure tollen Bilder!

Bertram - sich mächtig anstrengend mitzuhalten als einsamer Kämpfer im südostschweizer Aussenposten, verlassen von allen anderen... :cry:

Alexander Haußmann
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Re: (HALO) 18.12.2017 Eisnebelhalophänomen auf dem Fichtelberg

Beitrag von Alexander Haußmann » 29. Dez 2017, 15:37

Hallo zusammen,

hier noch meine Gedanken zum Gegensonnenbereich:

Auf alle Fälle sind Greenlers diffuse Gegensonnenbögen mit dabei (diese weißen "Hosenbeine" unter der Gegensonne). In Bild DSC_4630 scheint mir die Schlaufe oberhalb der Gegensonne geschlossen und damit eindeutig zu sein für Trickers Gegensonnenbogen. Der auseinanderlaufende spitze Winkel ab der Gegensonne ohne die Schlaufe kann auch durch Tränkles diffuse Gegensonnenbögen kommen - das lässt sich schlecht trennen und da müsst ich nochmal mit genauer Sonnenhöhe weiter analysieren.

Dass Wegeners Gegensonnenbogen vor Erreichen der Gegensonne schwächer wird, stimmt für diese Sonnenhöhe jedenfalls mit der Theorie überein.

Wie Thomas schon schreibt, die Farbigkeit des "Blue Spot" ist wirklich außergewöhnlich (v.a. in Bild DSC_4629usm). Das ist mir so deutlich auf den Bildern anderer Beobachtungen noch nicht begegnet. Theoretisch sollte der Farbreinheitsverlauf umgekehrt wie bei normalen Halos oder Nebensonnen sein - dort ist Rot (am Innenrand) die einzige reine Farbe, dann mischen sich die anderen nach und nach mit dazu, denn die Helligkeit der "Vorgängerfarben" nimmt ja nach außen nur allmählich ab und fällt nicht sofort auf Null. Hier aber brechen von Weiß ausgehend nach und nach in Richtung Gegensonne die Farben weg, beginnend bei Rot, bis nur noch reines Blau übrigbbleit. Das Ganze aber vor dem Hintergrund des blauen Himmels und des weißen Horizontalkreises durch andere Strahlengänge (wie der äußeren Reflexion an einer senkrechten Kristallfläche). Also dürfte nie ein klares Rot oder Grün dadurch zustandekommen. Natürlich wird die Sättigung durch die Unscharfmaske dann noch verstärkt und sieht im gefilterten Bild extremer aus. Aber auch die DSC_4689 lässts erahnen.

Auf Bild DSC_4629usm scheint das farbige Band sogar etwas oberhalb und unterhab des Horizontalkreises zu sehen zu sein. Das wären ja dann wirklich Segmente des 116°-Extremalablenkungshalos, also der Ring zum Blue Spot. Aber vielleicht ist das auch Einbildung bei mir oder kommt durch die USM.

Bei Bild DSC_4689usm lässt sich der diffuse 87°-Ring in Zenitnähe als Trennlinie zwischen hellem Glitzern und wenig Glitzern erahnen - in den finnischen Berichten sah das auch so ähnlich aus. Da müssten wir aber auch nochmal nachmessen.

Mit den "schiefen Bogen durch die 120°-Nebensonne" meint Ihr die Stummel, die vor allen bei DSC_4689 zu sehen sind? Bin mir nicht sicher, ob das nicht "nur" als "dicke Nebensonne" zählen würde.

Soweit erstmal - ich denke, an dem Phänomen gibts noch einiges mehr auszuwerten.

Viele Grüße,
Alex

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