Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

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Reinhard Nitze
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Reinhard Nitze » 11. Jan 2015, 21:23

Hallo nochmal,

wenn ich mir die ganzen Bilder so betrachte, könnete man auch auf die Idee kommen, dass das Irisieren evtl. 2 (oder mehr) Stockwerke betrifft. Die "regulären" Föhnwolken könnten ebenfalls (prächtig)irisiert haben. Ich kann das allerdings als "Nicht Betroffener" nur anhand der Bilder nicht genau sagen. Einige Aufnahmen wirken eher wie "normale", stark irisierende Wolken, andere aber wie echte Perlmuttwolken. Nur nochmal so als Idee.

Viele Grüße, Reinhard!
Schnee, der heute fällt, ist morgen der Schnee von gestern...

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Claudia Hinz
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Claudia Hinz » 11. Jan 2015, 23:33


Fotos von Tarja Prüss, aufgenommen zwischen 12 und 12.30 Uhr in Bodolz und Lindau

[attachment=1]Pruess2k.jpg[/attachment][attachment=3]Pruess5k.jpg[/attachment][attachment=0]Pruess7k.jpg[/attachment][attachment=2]Pruess6k.jpg[/attachment]

Dateianhänge
Pruess7k.jpg
Pruess2k.jpg
Pruess6k.jpg
Pruess5k.jpg

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Peter Krämer
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Peter Krämer » 12. Jan 2015, 09:28

Hallo,

ich habe dieses Phänomen von hier aus natürlich nicht gesehen (hätte ich aber gerne), trotzdem kann ich ein wenig dazu beitragen. In einem der Beiträge hier waren Bilder von Dämmerungsstrahlen, aufgenommen am Starnberger See.
Im Forum der Wetterzentrale gibt es ebenfalls einen Beitrag zu dem Phänomen, und da sind auf den letzten Bildern sehr deutliche Dämmerungsstrahlen zu sehen. Auf einem der Fotos gehen die von den irisierenden Wolken aus.
http://www.wzforum.de/forum2/read.php?8,2986775
Beobachtet wurde das am Chiemsee. Vielleicht hilft es Euch ja weiter.

Grüße
Peter

Volker Eschenbach
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Volker Eschenbach » 12. Jan 2015, 12:54

Hallo Peter, die Bilder sind von mir.

Irisierende Wolken betrifft nur die beiden ersten Bilder.
Interessant fand ich das irisieren während des Sonnenunterganges, als die Farben gen orange umgeschlagen haben.

Die weiteren Bilder zeigen selbstverständlich Dämmerungsstrahlen,
und den fantastischen Sonnenuntergang an dem Tag. War mir schon klar.

Grüße Volker

Irisieren beim Sonnenuntergang:
Bild


Dämmerungsstrahlen:
Bild

Matthias Strobel
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Matthias Strobel » 12. Jan 2015, 13:10

Diese Bilder habe ich am Samstag gegen 13 Uhr in Augsburg aufgenommen. Die Fotos sind unbearbeitet. Die Intensität der irisierenden Wolken war enorm.
01.jpg
02.jpg
03.jpg

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Thomas Klein
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Thomas Klein » 12. Jan 2015, 15:30

Ich möchte noch ein paar Beobachtungen ergänzen, die vielleicht hilfreich sind.
Claudia Hinz hat geschrieben:Auch auf dem Wendelstein (nicht weit von Miesbach entfernt) tummelt sich eine einzelne Föhnwolke bis 18.20 Uhr im Sonnenlicht, während die Wolken über den Südalpen schon dunkel sind:
http://www.foto-webcam.eu/webcam/wendel ... 01/10/1800
Das ist genau die Wolke, von der ich gestern schon berichtet habe. Ich habe sie aber von der Autobahneinfahrt Bad Aibling gesehen.

Ich konnte am Nachmittag von 14:08 - 14:52 Uhr eine "Föhnwolke" (Ufo) beobachten. Ich weiß nicht, ob das von nutzen ist.

Bild

Anhand der Bilder würde ich den Abstand zur Sonne auf 18-20° schätzen:

Bild

Außerdem ist hier noch ein kontrasverstärktest Bild der Dämmerungsstrahlen, welche sich 180° über den Himmel spannten.

Bild

Was mir und meine Familie noch aufgefallen ist, die Wolken sind relativ langsam für das stürmische Wetter gezogen. Den normalen Wolken konnte man richtig gut beim ziehen zuschauen, während die irisierenden Wolken sich nicht sichtbar bewegten.
Das würde für mich auch auf hohe Wolken hindeuten. Kann man vielleicht über die Windgeschwindigkeiten in den verschiedenen Höhen der Atmosphäre und meinem Zeitraffer die Höhe der Wolken berechnen?

Gruß
Thomas
Zuletzt geändert von Thomas Klein am 12. Jan 2015, 15:38, insgesamt 1-mal geändert.

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Claudia Hinz
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Claudia Hinz » 12. Jan 2015, 15:37

Der DWD hat heute intern einen Aufruf gestartet, über den mich viele interessante Zuschriften erreicht haben. An dieser Stelle vielen Dank für die zahlreichen Analysen und Hinweise. Ich werde alle noch einzeln beantworten, was aber sicherlich eine Zeit dauert. Hier mal die interessantesten Fakten:

- ein derart großflächiges Irisieren in der Troposphäre wäre sehr außergewöhnlich. Irisierende Wolken benötigen Tröpfchen einer bestimmten Abmessung. In der Troposphäre haben die Tröpfchen manchmal zufällig die richtige Abmessung, in der Stratosphäre immer. Deshalb ist es wahrscheinlicher, dass dieses Phänomen eine Erscheinung der Stratosphäre war.
- Die Wellenbewegung über den Alpen war an diesem Tag ungewöhnlich hoch und wurde in einer Mail mit 11km angegeben. Einige Messstationen haben Wolken in Höhen zwischen 9-12km registriert, das cloud-Lidar der LMU-München am Abend sogar 14km:
http://www.meteo.physik.uni-muenchen.de ... 150110.png
- Die Tropopause sollte an diesem Tag bei mindestens 11km oder gar darüber gelegen haben, was erklärt, dass Flugzeuge unterhalb gesichtet wurden. Derart dünne Wolken sind nicht unbedingt im vis Satellitenbild sichtbar.

Zusammenfassend würde ich also sagen, dass die Wolken mehrschichtig im Bereich der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre aufgetreten sind und deshalb diese große Ähnlichkeit zu PSC incl. Dämmerungsstrahlen hatten. Also LSC sozusagen - lower stratospheric clouds ;-)

So richtig ausgekocht ist das Ganze zwar noch immer nicht, denn es gab in allen Schichten hohe Temperaturen und eine geringe Feuchte. Der Temp von diesem Tag reicht ja leider nur bis 10km, so dass ich leider keine Aussage über die Luftschichtung darüber machen kann.

Aber es sind zumindet ein Haufen neuer Puzzleteile, um dieses großflächige Ereignis richtig einzuordnen.

LG Claudia

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Michael Würsch
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Michael Würsch » 12. Jan 2015, 15:47

Was genau meinst du mit dem Temp der nur bis 10 km reicht?
http://weather.uwyo.edu/cgi-bin/soundin ... STNM=10868

http://weather.uwyo.edu/cgi-bin/soundin ... STNM=06610
Die beiden gibt es zumindest.
Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. (Albert Einstein)

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andreas hermann
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von andreas hermann » 12. Jan 2015, 16:01

Ich konnte das Irisieren südlich von Wien aus auch beobachten und hatte beim Anblick das eigenartige Gefühl PSCs zu sehen, ohne das natürlich zu glauben.

Bzgl. Atmosphäre kann ich aber vielleicht ein paar interessante Fakten noch liefern. Die Wellenbewegung war - wie auch in letzter Zeit recht häufig - sehr hochreichend (aber nicht ungewöhnlich; ich hatte das jetzt mehrmals im Flugwetterdienst). Dafür spricht sowohl das Temperaturprofil aller relevanten Radiosonden (Inversion in geeigneter Höhe unter Kammniveau) als auch das Windprofil (alle Parameter erfüllt: Mindestgeschwindigkeit am Kamm, Windzunahme mit der Höhe, kaum Drehung mit der Höhe, geeignete Anströmung). In der Flugmeteorologie gehen wir bei diesen Bedingungen stets von hochreichenden Wellen (im Gegensatz zu scharf abgegrenzten) aus, welche erst oberhalb der Tropopause brechen. (wird auch so von Flugzeugen bestätigt)

Interessant ist aber jedenfalls das Temperaturprofil gewesen. Radiosonde Wien zeigt einen durchaus labilen Temp mit -51°C in 10km Höhe (@ Bertram, wie kommst du auf -15°C in 10km ???), aber das wichtigste ist die extrem hoch gelegene Tropopause in 46000ft Höhe (entspricht fast 14km Höhe) am 10.1. mittags (Temp Wien und Payerne), München hatte 45000ft. Dabei ist zu beachten, dass die Temperatur hier bei ungewöhnlich tiefen -76°C (Taupunkt etwa -80°C) gelegen ist.

Fazit: hochreichende Wellen haben wir in den Alpen schon öfter, aber die extrem hochliegende und kalte Tropopause ist doch viel seltener,

lg, Andreas

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Bertram Radelow
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Bertram Radelow » 12. Jan 2015, 16:33

hi Andreas,
mir dämmert gerade etwas, aber meine Flugwetterkunde incl. Temp lesen ist schon 20 Jahre her. Ich befürchte, ich habe die Temperatur gerade nach oben abgelesen statt den Isothermen zu folgen (die ca. 45° nach rechts oben / links unten geneigt sind). Dann hätte ich allerdings rechten Blödsinn geschrieben - sorry.

shit happens

Bertram

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Claudia Hinz
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Claudia Hinz » 12. Jan 2015, 16:52

Ich kannte leider nur den Temp von Wetteronline (hatte ich hier auch irgendwo verlinkt), der war bei 10km abgeschnitten. Aber die -76°C hauen mich jetzt doch um. Das sind ja schon fast Polarwirbel-Temperaturen ... wie häufig ist die Tropopause in unseren Breiten derart kalt?

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Claudia Hinz
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Claudia Hinz » 12. Jan 2015, 20:09

Hier mal noch der Temp von Wien:
https://dl.dropboxusercontent.com/u/303 ... .12UTC.jpg

:wink: Namensvorschlag: ATT - Arktisch Temperierte Tropopausenwolken
(Jetzt kommen die Essener und Astrotreffteilnehmer sicher mit dem Nudelholz) :wink:

LG Claudia

Christoph Wiedner
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Christoph Wiedner » 12. Jan 2015, 21:17

Hallo zusammen,

Das Irisieren habe ich bis mindestens 17:18 gesehen, da habe ich noch Fotos davon geschossen, also ca. 30min nach Sonnenuntergang (Sonnenuntergang war in Bregenz/ Feldkirch 16:50 lt. offiziellen Daten).

Ich hänge zwei Bilder an, beide unbearbeitet:
IMG_1883 aufgenommen um 17:04 (~15min nach Sonnenuntergang)
IMG_1883.JPG
IMG_1886 aufgenommen um 17:18 (~30 min nach Sonnenuntergang). Leider etwas unscharf, und die Farbspiele in den Wolken insgesamt schon ziemlich ins Abendrot abdriftend, aber noch immer vorhanden und mit dem blossen Auge gut sichtbar.
IMG_1886.JPG
Wenn man aber mit Bildbearbeitung eine Farbkorrektur vornimmt und die Rottöne stark dämpft (die anderen Farben lassen), dann erkennt man nach wie vor das Irisieren, dass auch mit dem Auge noch stark wahrnehmbar war.
Das ist die einzige Korrektur, die ich bei 1886_rot_gedämpft vorgenommen habe. Für mich sind da die violett, grün-Töne etc. noch erkennbar.
IMG_1886_rot-gedämpft.jpg
Die Wolken müssen also 30min nach Sonnenuntergang noch von der Sonne beleuchtet worden sein, weswegen sie schon sehr hoch gewesen sein müssten...?

Die Beobachtung, dass die Verkehrsflugzeuge unterhalb flogen, kann ich definitiv bestätigen.
Z.B. Auf dem zweiten Foto sieht man bei höherer Auflösung am rechten Bildrand, etwas oberhalb der Mitte ein Flugzeug und Kondensstreifen im Dunkeln vor den beleuchteten Wolken.

Grüsse aus Feldkirch (A)

Christoph

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andreas hermann
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von andreas hermann » 12. Jan 2015, 21:30

@ Bertram: kein Problem :wink:

@ Claudia:

Danke für das Einbinden des Wiener Temps, zeigt auch schön die feuchten Layers. Die "Arktisch Temperierten Tropopausenwolken" sehe ich aber etwas skeptisch. Tropopausenwolken ja, aber "arktisch temperiert" nicht unbedingt. Meiner Meinung weist nämlich das Temperaturprofil eine eindeutige subtropische Signatur auf. In den Subtropen sind ja die Tropopausen sehr hochliegend und auch kalt (bis -80°C) und der Temperaturverlauf zeigt in subtropischer Luft normalerweise eine kräftige Abkühlungsrate mit der Höhe (wie auch Temp Wien am 10.1.).

Arktische Polarnachttemps sind zwar ebenfalls bitterkalt, allerdings mit normalerweise niedrigerer Tropopause und dann oberhalb davon nahezu isotherm bzw. mit schwach weiter fallender Temperatur in die Stratosphäre gehend.
Zudem ist das Windmaximum (Jetkern) beim Wiener Temp für mich nicht deutlich genug ausgeprägt für eine arktische Luft nahe der Frontalzone.

Zudem sah ich die Alpen am 10.1. generell eher auf der warmen (rechten) Seite der nordatlantischen Frontalzone, die diesmal die polaren Luftmassen ja recht extrem von der subtropischen Luft getrennt hat.

Jedenfalls ein wirklich interessantes Phänomen,
lg, Andreas

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Claudia Hinz
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Claudia Hinz » 12. Jan 2015, 21:51

Vielen Dank für die Aufklärung. Meine Gedankengänge bezogen sich jetzt eher auf die Temperaturen im PSC-Bereich in höheren Breiten, an das Absinken der Tropopause habe ich dabei gar nicht gedacht. Die Namensgebung war eh nicht ganz ernst gemeint ;-)

Gibt es eigentlich Statistiken über die Tropopausentemperaturen? Wie oft ist die Troposphäre eigentlich so kalt bei uns? Ich schaue immer mal Temps an, aber nicht regelmäßig, ein derartig steiler Temperaturverlauf ist mir noch nie aufgefallen.

Ich finde dieses Ereignis auch sehr interessant und vor allem, wie viele kleine Puzzleteile so langsam ein Gesamtbild ergeben.

LG Claudia

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Michael Würsch
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Michael Würsch » 12. Jan 2015, 22:31

Ich habe mit schneller Suche nichts gefunden zu Tropopausentemperaturen. Ich habe nur eine Studie gefunden, wo zumindest Tropopause im Januar über 13 km in unseren Breiten äußerst selten vorkommt.
Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. (Albert Einstein)

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Elmar Schmidt
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Elmar Schmidt » 12. Jan 2015, 23:46

Hallo alle,

unheimlich spannende Sache, die einen fetten Artikel im Meteoros verdient! Leider haben wir hier nichts mehr davon mitbekommen.

Einzig fiel mir gestern abend auch so ein Taubenblau in einzelnen Wolkenlücken in südlicher Richtung auf, und zwar nur 3-4 Grad überm Horizont, tendenziell also sehr weit weg entstehend.

Vor ca. 5 Jahren hatte ich im November ähnlich ungewöhnliche Helldämmerungsfarben gesehen, die in dem Falle sogar ins Türkise schimmerten. Deshalb sollte man vielleicht auch mal bzgl. Chappuis-Bande ans stratosphärische Ozon denken, ob das momentan vlt. etwas abgereichert ist. Damals war es (am Boden) übrigens (auch?) für die Jahreszeit gut 10 Grad zu warm.

Beste Grüße

Elmar

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andreas hermann
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von andreas hermann » 13. Jan 2015, 14:04

Hallo Claudia, hallo alle,

Ja, es gibt Statistiken über Tropopausenhöhen. Ich muss da aber noch mehr suchen. Eine, die bei uns aufliegt, sieht eine mittlere Höhe von 10,9km (im Januar) mit einer Standardabweichung von 1,25km, was bedeutet: 13,4km Höhe wäre bereits 2 Stabw über dem Mittelwert, was bedeutet, dass immerhin noch 2,3% (im Falle einer angenommenen Normalverteilung) über dem Wert liegen. Wir hatten aber sogar 13,9km !!!

Wie auch immer, das Ereignis einer so extrem hochliegenden und kalten Tropopause in Mitteleuropa ist zwar sicher selten, aber wohl nicht so selten wie das Wolkenereignis, das wir sehen durften. Es dürfte sich daher um eine Zusammenkettung von mehreren Faktoren handeln, die als Multiplikatoren erst zur Seltenheit des erlebten Ereignisses führen.

Ich kann mich selbst an eine ähnliche Luftmassenkonfiguration Anfang Februar 2011 erinnern, die wir astronomisch gut nutzen konnten und bei der tagsüber auch geringes aber sehr schönes Irisieren aufgetreten ist, übrigens auch noch nach Sonnenuntergang (siehe: http://www.waa.at/bericht/2011/02/20110205apf00.html)

Möglicherweise war aber die hohe Troposphäre damals recht trocken, während sie diesmal in hohen Layers viel feuchter war als damals (siehe Temp Wien von Claudias Posting) und die hochliegende irisierende Bewölkung dadurch vielleicht erst ermöglicht hat. Oder es war diesmal die Anströmungsrichtung, die für eine subtropische Luft ungewöhnlich nordwestlich war mit dem dadurch recht ansehnlichen Wellenprofil, welches eben bei subtropischer Luft eigentlich eher selten ist, oder oder oder ... :wink:

Sehr faszinierend jedenfalls. Ich versuche, da noch weitere Fakten dazu auszugraben ...

lg, Andreas

Denise Harnack
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Denise Harnack » 13. Jan 2015, 17:16

Auch ich hatte das Glück, dass ich gegen Mittag gerade vom Einkaufen in Radolfzell kam und das Phänomen sehen konnte. Ich bin noch immer total begeistert.
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IMG_3435.JPG
IMG_3432.JPG
Feuchtwiesen zwischen Böhringen und Radolfzell am Bodensee (inkl. Storch ;-)

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Claudia Hinz
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Re: Irisieren im Alpenraum 2015-01-10

Beitrag von Claudia Hinz » 13. Jan 2015, 17:42

Vielen Dank für die interessanten Infos, Andreas. Und auch einen Dank an Christian für die Dokumentation seiner Beobachtung.

Ich habe einen Artikel für unseren Blog (http://blog.meteoros.de) vorbereitet, wo ungewöhnliche Erscheinungen gesammelt werden. Als Artikelfoto würde ich eine Collage aus den besten Bildern hier verwenden mit Link zu diesem Thread, in dem alle Bilder namentlich benannt sind. Ich hoffe, das ist ok? Auch würde ich gern eins der Videos von Thomas Klein einbinden, wenn Du einverstanden bist.

Vielleicht mögt ihr beim Artikel mal drüber schauen, ob ich nichts vergessen oder falsch dargestellt habe. Ansonsten ist es m.E. auch nochmal eine schöne Zusammenfassung aller Analysen und Auswertungen.

Danke und LG Claudia

---

Irisierende Wolken entlang der Alpen bis nach Ungarn

[Collage]

Am 10.01.2014 wurden entlang der Alpen zwischen der Schweiz bis nach Ungarn ungewöhnlich helle und farbenprächtige irisierende Wolken beobachtet. Kevin Förster hat alle bekannten Beobachtungen in das Satellitenbild von 12.00 Uhr eingezeichnet, um das riesige Beobachtungsgebiet darzustellen. [Karte von Kevin]

Der westlichste Ort ist Fribourg in der Schweiz, der östlichste Tápiószolos in Ungarn. Das ergibt eine Distanz von 965 Kilometer und eine Fläche von etwa 122500km². Das ist ein Drittel der Fläche von Deutschland! Ein ähnlicher Fall von solch ausgeprägtem Irisieren ist nicht bekannt.

Viele Beobachter berichteten von einer deutlichen Ähnlichkeit zu Perlmutterwolken, die in nördlichen Breiten bei sehr kalten Stratosphärentemperaturen unter -80°C in Höhe der Ozonschicht entstehen. Sie waren bis 20min nach Sonnenuntergang sichtbar, es folgte ein intensives Abendrot an Wolken, die bis 45 Minuten nach Sonnenuntergang beleuchtet waren und an einigen Orten wurden auffällige Dämmerungsstrahlen (Crepuscularstrahlen) beobachtet. Wie die 30hPa-Karte [Link] zeigt, war es für polare stratosphärische Wolken aber viel zu warm.

Dennoch mußte es sich um eine höhere Wolkenschicht als normal handeln. Ein Beobachter berichtete, daß sämtliche Flugzeuge unterhalb des Irisierens zu sehen waren und auch viele Bilder zeigen tiefer liegende Kondensstreifen. Das machte eine Höhe der Wolken von mehr als 12000 Meter wahrscheinlich.

Eine Diskussion über die Wetterlage in unserem Forum [Link] und Messungen des Deutschen und Österreichischen Wetterdienstes brachten einige Besonderheiten ans Licht. Der starke Föhn verursachte hochreichende Schwerewellen, deren Scheitelpunkt in 14 km Höhe und damit in der an diesem Tag sehr hohen Tropopause lag. Das ist für die Breiten der Alpen ebenso ungewöhnlich, wie die sehr kalte Tropopausentemperatur von -75,7°C, die beim Radiosendenaufstieg von Wien gemessen wurde [Link]. Die höchsten der mehrschichtigen Föhnwolken bildeten sich entlang der Tropopause und aufgrund der großen Höhe hatten die Tröpfchen die optimale Größe, um Irisieren entstehen zu lassen. Inwieweit aufgrund der geringen Temperaturen winzigste Eiskristalle wie bei den Perlmutterwolken im Spiel waren, läßt sich leider nicht sagen, da hohe Vertikalbewegungen das Gefrieren der Tröpfchen verhindern können.

Ich danke allen, die ihre Bilder und Beobachtungen zur Verfügung gestellt und mit Daten, Hinweisen und Fachwissen zur Klärung des Phänomenes beigetragen haben. Die Diskussion und viele Fotos und Zeitraffer sind im Forum des Arbeitskreies Meteore e.V. [Link] zu finden.

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