Blitze "aus heiterem Himmel"

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Christoph Gerber
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Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Christoph Gerber » 6. Dez 2015, 23:59

Und gleich noch ein exotisches Thema (der Text liegt seit Juli 2011 auf meinem computer, jetzt habe ich ihn "wiederentdeckt" und ergänzt):


Blitze "aus heiterem Himmel"

Während der Meteorbeobachtungen ist mir schon wiederholt aufgefallen, daß es am wolkenlosen Nachthimmel gelegentlich zu sehr kurzen, nur sekundenbruchteile duernden Aufhellungen kommt, die von Blitzen herrühren müssen. Bisher habe ich mir darüber noch keine weiteren Gedanken gemacht und diese Erscheinungen mit irgend einem weit entfernten Gewitter in Verbindung gebracht, mir aber nie die Mühe gemacht, dem nachzugehen. Dennoch habe ich mir in letzter Zeit angewöhnt, diese Blitzaufhellungen auch zu notieren – es könnte ja schließlich auch der Schein einer sehr weit entfernten Feuerkugel sein. Blitzaufhellungen habe ich z.B. zuletzt am 4.7.2011 kurz vor 2:00 MESZ vermerkt (im Norden).
Am 28.6.2011 (01:09 MESZ) unmittelbar nach dem Beenden der Meteorbeobachtung vernahm ich nicht nur eine Blitzaufhellung am absolut wolkenlosen Osthimmel, sondern hatte den Eindruck, auch einen Blitz gesehen zu haben. Ausgerechnet im Osten! – denn im N, W und S waren bereits Cirren hochgezogen (daher auch Abbruch der Beobachtung). Blitz oder Nicht-Blitz? Ich konnte die Erscheinung nicht einordnen und habe es bei einem Vermerk belassen.
Am 30.7.2011 um 02:11 MESZ habe ich nun einen "echten" Blitz gesichtet. Diesmal während der Meteorbeobachtung, und wieder über dem Osthorizont. Ich blickte in den Bereich zwischen Pegasus und Cygnus (ca. 325°+30°), so daß Jupiter nahe am Blickfeldrand stand, aber immer noch deutlich im Blickfeld. Plötzlich leuchtet etwa 10° neben (rechts/südlich) des Jupiters ein Blitz auf. Er schien erst kurz etwa waagerecht nach Süden und dann nach unten Richtung Boden zu gehen, also nicht nur eine Aufhellung, sondern auch mit einer Richtung, die sich zudem noch geändert hat – wie eben bei einem Gewitterblitz üblich. Allerdings war keine Gewitterwolke vorhanden – weder nah noch fern. Am Nachmittag war eine Gewitterfront vorbeigezogen, aber inzwischen war es aufgeklart und weit und breit kein Gewitter mehr vorhanden. Der Himmel war jedoch von sehr langen, dünnen Cirrenstreifen teilweise überzogen, die im W und im O zusammenliefen. Der Blitz erschien vor/in solch einem Cirrenstreifen, aber das dürfte ein Zufall gewesen sein. Cirren sind nicht als Blitzerzeugend bekannt.

Im Sommer 2011 habe ich vier Ereignisse dieser Art registriert, in den Jahren 2008–2013 jeweils ein bis zwei, 2007, 2014 und 2015 keine (aber z.T. auch bei viel weniger Beobachtungszeit!). Sie häufen sich in den Sommermonaten, aber die früheste Himmelsaufhellung habe ich im April, die späteste im November registriert.

Manchmal haben Himmelsaufhellungen nachvollziehbare Ursachen: so habe ich am Abend des 18.8.2011 zwischen 22:03–22:10 eine ganze Serie von Aufhellungen beobachtet, die von einem Feuerwerk in Hirschhorn (etwa 10 km östlich von HD) stammten. Zwei Tage später folgte auf einen Blitz ein Knall – von einem Feuerwerkskörper, der etwa 2km entfernt gezündet wurde.

Ein Blitz "aus heiterem Himmel": wo kommt so etwas her, wie kann er entstehen? Wer hat ebenfalls solche Himmelsaufhellungen beobachtet? Und weiter: hat jemand eine Ahnung, was das für Blitze sein können?

Christoph

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Dennis Hennig
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Re: Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Dennis Hennig » 19. Dez 2015, 21:31

Hallo Christoph!

Ich kenne ganz kurze Aufhellungen des Nachhimmels ("Wetterleuchten") auch, ging bisher aber einfach davon aus,
dass wirklich irgendwo weit weg und für mich unsichtbar ein Gewitter in Aktion ist. Die Suchmaschine findet
als erstes Ergebnis dies: http://scienceblogs.de/geograffitico/20 ... em-himmel/

Wünsche schöne Zeiten unterm Sternenzelt! :)

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Christoph Gerber
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Re: Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Christoph Gerber » 28. Dez 2015, 00:22

Hallo Dennis,

ich hatte bei meinen Recherchen eine Seite ähnlichen Inhaltes gefunden - allerdings war da die Rede nur von einigen km Entfernung zur Gewitterwolke, nicht "-zig Kilometer von seiner Ursprungswolke".
Mit den im genannten Beitrag erwähnten "Gigantic Jets" hat dies nichts zu tun - hierzu habe ich kürzlich eine eigene Beobachtung gemacht - siehe Re: Sprites mit bloßem Auge?.

Gruß,
Christoph

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Re: Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Sibylle Lage » 28. Dez 2015, 09:13

Auch ich habe dieses Phänomen beobachtet jedoch als eine Optische Täuschung abgetan.

(in bestimmten Situationen können"Lichtblitze" im Auge auf der Netzhaut produziert werden, ich nahm an, so etwas sei mir passiert)


In der Nacht 18./19.12.15 war ich von 21°° bis 3°° zur Polarlichtbeobachtung draußen. Während der Himmelsbeobachtung sah ich immer wieder mal Erhellungen am südöstlichen Himmel. Sehr schwach, aber bemerkbar.

Eine Recherche ergab, das es in der betreffenden Nacht werder ein Feuerwerk, noch Lightshows in der Umgebung (50Km) gegeben hat.
Auch waren keine Gewitterfronten im Landkreis unterwegs. Von südost zogen nur ein paar Wolken auf.

Die Erhellung zog sich vom Horizont bis fast in den Zenit, ein schwaches Licht,ohne klare Abgrenzung. Zweimal im Südosten, drei in Richtung ost/südost. Ein kurzes, blitzähnliches Aufleuchten.

Einen "echten" Blitz mit Bodenkontakt habe ich nicht beobachten können.

Im Nachhinein fällt mir ein, daß wir aufkommenden Hochnebel hatten. Ich halte es für möglich, daß die Lichterscheinungen in der Ferne durch den Nebel und hindurchfahrende Autos erzeugt worden sind.
Das Fernlicht von Fahrzeugen bei Hochnebel ist hier in den Bergen weit sichtbar.
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Christoph Gerber
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Re: Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Christoph Gerber » 30. Apr 2017, 11:48

Blitz am wolkenlosen Himmel

Ich hole diesen thread aus gegebenem Anlass wieder hervor:
In der vergangenen Nacht habe ich bei der Meteorbeobachtung (etwa 0:30–2:00 MESZ) erneut solch eine blitzartige Erscheinung beobachten können (30.04. um 01:07 MESZ). Ich blickte gerade Richtung Cassiopeia (Azimut etwa 10°), als ich im linken Augenwinkel einen sehr hellen "Blitz" (etwa -8 mag??, Dauer: äußerst kurz, etwa ≤ 0,1 sec) vernahm. Er erschien mir keineswegs punktförmig. Dieser leuchtete etwa 20° links (also südlich) und etwas unterhalb von den Zwillingshauptsternen (Castor und Pollux) auf (Az etwa 275°, also fast genau im Westen; Höhe etwa 15°). Sofort drehte ich mich in diese Richtung, konnte aber nichts weiteres sehen. Satelliten, die taumeln und sehr hell aufblitzen, zeigen normalerweise ein paar weitere und immer schwächer werdende Folge-Blitze. Es waren weder solche Folgeblitze noch irgend ein Nachleuchten zu erkennen – es gab schlicht nichts zu sehen, was mit dem Ereignis zusammenhängen könnte (es gab auch kein Geräusch, das später hörbar gewesen wäre).
Um so überraschter war ich, als etwa 5-10 sec später nochmals ein Blitz den Westhimmel aufhellte, aber diesmal lag die Quelle so niedrig, dass sie bereits hinter dem Berg lag (Höhe < 8°) und nur die Himmelsaufhellung nach oben zu sehen war. Es muss also ein sehr horizontnahes Ereignis gewesen sein (normalerweise würde ich sagen: im Rheintal). Danach war –wie die ganze Zeit vorher– alles "ruhig".

Über die Ursache solch heller "spontaner" Blitze rätsele ich immer noch. Alle Erklärungen, die ich bisher gefunden habe, gehen von einem Gewitter als Ursprung aus – das sich durchaus unsichtbar in bis zu 40–50 km Entfernung befinden kann. Berichte wie in http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbt ... l_ohne_Gew können dieselbe Erscheinung meinen, jedoch gibt es dazu keinerlei Hinweise auf die Entfernung tatsächlich vorhandener Gewitter. Da "Blitze aus heiterem Himmel" offenbar stets mit Ereignissen von Blitzeinschlägen verbunden werden, habe ich diesmal "Blitz am wolkenlosen Himmel" getitelt. Dies gibt die Erscheinung besser wieder, da es sich um blitzartige Aufhellungen in der Atmosphäre handelt. Und das nächste Gewitter – ja, wo war das eigentlich? Die Blitzkarte zeigte europaweit nur Blitze über NW-Spanien und Ungarn. Die können also nicht in Frage kommen! Deutschland befindet sich unter Hochdruckeinfluss und ist wolkenlos, selbst Frankreich ist noch weitgehend wolkenfrei zu dieser Zeit; die aufziehende Wetterfront im Westen lag noch jenseits von Frankreich über der Biskaya. Und für einen lokalen Ursprung habe ich (noch) keinerlei Anhaltspunkt.

Christoph

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Re: Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Kevin Förster » 30. Apr 2017, 21:19

Hallo Christoph,

hab zu dem Thema eben mal kurz recherchiert und einen Bericht im "Monthly Weather Review" vom November 1900 mit dem Titel "Lightning from a cloudless sky" gefunden:
https://www.dropbox.com/s/ayyivpfcznbkb ... a.pdf?dl=0

Der Verfasser hat, wie ich meine, ähnliches wie du beobachtet und erklärt die Blitz mit dem "Austausch von Elektrizität vertikaler Luftströmungen". Er berichtet dazu noch etwas genauer, allerdings auf Englisch...
Vielleicht hilft dir das weiter.

VG Kevin

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Re: Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Laura Kranich » 1. Mai 2017, 20:19

Also meine bescheidene Meinung zu dem Thema ist, dass es sich vermutlich um Meteore oder Gewitterblitze hinter dem Horizont handelt. Es können durchaus Blitze in mehreren hundert Kilometern Entfernung noch indirekt sichtbar sein, das sind dann aber wohl nur die dicksten Brummer eines Gewitters (meist positive CG-Blitze). Bei meiner Sprite-Beobachtung vom 3.7.15 habe ich solche Aufhellungen noch über 200 km Entfernung trotz Vollmond wahrgenommen, es dürfte also noch deutlich weiter weg prinzipiell möglich sein, wenn kein Mond scheint. Vermutlich auch abhängig von der Luftmasse bzw. Refraktion, Streuung usw.
Manchmal gibt es vielleicht auch menschliche/technische Ursachen, wie Feuerwerke oder ähnliches. Und womöglich dann auch einfach noch völlig rätselhafte. Ich meine auf jeden Fall auch schon solche Lichtblitze gesehen zu haben, deren Ursprung ich zumindest nicht auf ein entferntes Gewitter zurückführen konnte.
Aber diese Publikation von 1900 ist ja so auch erstmal recht spekulativ. Vielleicht könnte man dem Phänomen irgendwann mit einem Netzwerk von hochempfindlichen Filmkameras auf den Grund gehen. Wird aber dann wohl auch viele Störungen aussortieren müssen wie z.B. durch Feuerwerke, andere Formen der Lichtverschmutzung usw.
Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Christoph Gerber
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Re: Blitze "aus heiterem Himmel"

Beitrag von Christoph Gerber » 21. Mai 2017, 18:58

Und noch einmal: "Blitz" aus wolkenlosem Himmel
Es war fast ein deja-vu: In der vergangenen Nacht sah ich um 2:39 (MESZ) während der Meteorbeobachtung erneut einen hellen (Atmosphären-) Blitz. Das Ereignis erinnerte sehr an das vom 30. April (s.o.). Es ereignete sich wieder im W an fast der gleichen Stelle, nur diesmal im hinteren Bereich des Löwen (bei Az ca. 275° und Höhe ca. 15°). Es herrschte wieder eine stabile Hochdrucklage, auch Frankreich war weitgehend wolkenfrei. Erneut erfasste ich die Erscheinung am linken Blickfeldrand. Sie war so heftig, dass ich zusammengezuckt bin. Aber wie damals war sie von keinerlei akustischer Erscheinung begleitet: weder unmittelbar noch mittelbar (auch in den Minuten danach vernahm ich kein außergwöhnliches Geräusch). Eine Entfernung lässt sich daher auch nicht abschätzen. Aber ich vermute mal, dass sie recht weit weg erfolgte, denn bei dieser "optischen" Wucht sollte wohl auch etwas zu hören gewesen sein, wenn es sich in der Nähe von Heidelberg oder gar über der Stadt ereignet haben sollte. Kachelmannwetter zeigt deutschlandweit kein Blitzereignis um diese Zeit.


@Kevin: vielen Dank für den Link. Bei den geschilderten Beobachtungen handelt es sich jedoch um tropennahe Regionen, in denen es in der Atmosphäre weitaus turbulenter zugeht als bei uns in einer ausgeprägt ruhigen Hochdruckwetterlage. Ich habe auch an atmospärische Entladungen gedacht – aber mir fehlt jeglicher Hintergrund, um dies auch nur wahrscheinlich machen zu können (das muss ich anderen überlassen).

Was mich allerdings stutzig macht ist, dass Höhe und Azimut bei beiden Ereignissen so gut wie identisch waren – nur war die "Entladung" diesmal heftiger, und es gab auch keine nachfolgende (horizontnahe) Himmelsaufhellung. Experimentiert da etwa jemand nachts im physikalischen Institut der Uni?? (das liegt etwa bei Az. 265°...)

@Laura: bei Himmelsaufhellungen, die von hinter dem (lokalen) Horizont kommen, gehe ich zunächst auch von entfernten Gewittern aus. Aber Ereignisse, die "in der Luft" stattfinden?!? Für mich weiterhin nur "???" ...

Christoph

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