Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

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StefanK
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Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von StefanK » 10. Feb 2017, 08:05

Hallo zusammen,

auch wenn die Wetteraussichten miese sind - vielleicht erwischt ja jemand diese Nacht eine Wolkenlücke und bekommt etwas von der Halbschatten-Mondfinsternis zu sehen. Etwaige Erfolgsmeldungen bitte in diesen Thread posten. Infos unter http://www.mondfinsternis.net/mofi2017h/index.htm .

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan

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Christoph Gerber
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Christoph Gerber » 10. Feb 2017, 10:02

Dies ist wohl einer der seltenen Grenzfälle zwischen 100% Halbschatten (Totale Halbschattenfinsternis) und 0% partieller Finsternis, je nachdem welche rechnerischen Erdgrößen verwendet werden. Die Situation erinnert etwas an die Finsternis vom 25.04.2013, die allerdings geringfügig partiell war: vgl. Partielle Mini-Mondfinsternis auffälliger als erwartet.

Christoph

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Andreas Möller
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Andreas Möller » 10. Feb 2017, 14:11

Aktuell sieht es Wolkentechnisch im Nord-Osten und Süd-Westen gut aus. Aktuell...
Ich hoffe, dass es so bleibt und werde Richtung Heimat oder ggf. nach Polen fahren.

Viele Grüße,
Andreas

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Elmar Schmidt
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Elmar Schmidt » 10. Feb 2017, 15:53

Hallo an alle Freunde unseres bleichen Begleiters,

in der Tat ist/wäre diese Finsternis hochsignifikant, um den Oppositionseffekt bis in den Halbschatten zu verfolgen. Frank Killich (Göttingen) und ich wollten gerne simultan photometrieren, leider sieht's hier nicht gut aus. Der Hochnebel will einfach nicht weichen, und auch der Nordschwarzwald ist bislang noch bewölkt.

Nach einer früheren solchen Messung sowie auch in den entsprechenden frühen und späten Phasen der von mir gemessenen Totalen Mondfinsternisse ist der Vollmond am hellsten, wenn er schon zu ca. 40% seines Durchmessers im Halbschatten ist! Erst dann setzt der integrale Helligkeitsrückgang ein.

Allen, die klare Sicht bekommen - und nicht messen können - empfehle ich, den Mond schon vorher (22-23 Uhr) als Referenz für die Finsternisserie mit RAW zu fotografieren und mit möglichst gleichen Brennweiten und Belichtungszeiten, um nachher jeweils einen Negativ-Positiv-Stack machen zu können.

Damit kann der Halbschatten ohne die Mondtopographie abgetastet werden, und er wird dann auch sehr früh nachweisbar sein. Genaueres zur Aufnahme- und Bildverarbeitungstechnik findet sich hier:

http://epod.usra.edu/blog/2012/11/diffe ... lipse.html

Gruß, Elmar

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von wolfgang hamburg » 10. Feb 2017, 19:28

Moin moin,

hier sieht es ganz gut aus, ich gehe jetzt vorschlafen. Habe die letzten Nächte nicht wirklich gut geschlafen. Mache das 1.Foto gegen 23.30Uhr.

Grüße wolfgang

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Andreas Möller
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Andreas Möller » 10. Feb 2017, 19:41

Berlin ist bewölkt, aber der Mond scheint durch. ich fahr nachher noch ein bisschen nach Norden.

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StefanK
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von StefanK » 10. Feb 2017, 19:43

Hallo Elmar,

zum Thema des frühen Nachweises des Halbschattens: http://mondfinsternis.info/mofi2015t/halbschatten.htm . Und früher: http://mondfinsternis.info/mofi2013h/19102013.htm sowie http://www.mondfinsternis.net/mofi2009p/06082009.htm .

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von steffi kister » 10. Feb 2017, 20:11

Ab 21h sollten hier Wolkenlücken auftreten. Bisher alles dicht und die Vorhersage korrigierte auf 0h-1h - zuvor soll es noch schneien. Na ob das noch was wird...Schwelge derweilen in Erinnerungen an die totale MoFi 15 - https://www.youtube.com/watch?v=inHbSaZIZA4


VG
Steffi

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Stefan Heitmann » 10. Feb 2017, 20:29

In Ostholstein ist der Mond z. Zt. gut zu sehen. Aber im Süden lauern Wolken - mal sehen, wer gewinnt! Und mal sehen, ob ich es schaffe, lange genug wach zu bleiben. ..

Gruß, Stefan

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Elmar Schmidt » 10. Feb 2017, 20:52

Hallo Stefan,

danke für die Links. Vor allem die Serie im ersten Link ist schön. Ist sie von Dir? Und wem "gehört" diese Seite, ich finde kein Impressum.

Ich hatte erfolglos nach weiteren solchen Stacks gesucht, aber nix gefunden. Der Unterlink zu Tunc Tecels Foto bei Spaceweather, das ich auch noch erinnerte, ist allerdings schon faul.

In den Anfangsjahren meiner MoFi-Aktivitäten waren wir einmal froh, den Halbschatten auf Film etwa 25 min nach Halbschatteneintritt zu entdecken (das Bild war in den 70ern in Sky & Telescope), das beläuft sich bei einer totalen Finsternis auf eine Eindringtiefe von etwa 0,45 des Monddurchmessers. Die Positiv-Negativ-Stacks haben diesen Wert anscheinend regelmäßig auf 0,25 verkleinert. Auch das zeigt die Fortschritte in Aufnahme und Nachbearbeitung durch die Digitalisierung.

Nützt mir heute leider alles nichts, es ist vorerst zugezogen, eine Lichtkurve wird dadurch unwahrscheinlich.

Gruß, Elmar

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von StefanK » 10. Feb 2017, 21:23

Hallo Elmar,

ja, die Serien hinter den 3 Links sind von mir. Wieso kein Impressum? Ist doch ganz oben auf der Seite (unter dem Logo) leuchtend gelb verlinkt.

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Elmar Schmidt » 10. Feb 2017, 23:04

Impressum
Ah, da isses ja. Man erwartet es halt eher oben/unten und links/rechts auf so einer Seite.

Gruß, E.


PS: es folgt mein fast schon abschließender Bericht, die Transparenz war hier in dieser Nacht einfach zu instabil.

Ich konnte von 23:00 bis 0:30 zunächst scheinbar konsistent messen, wenngleich mit ca. 0,2 m Abschwächung durch hohe Schleierwolken. Danach wurde die erhoffte Lichtkurve durch hohen Wolkendurchzug durchkreuzt. Immerhin konnte ich um 1:30 (15 min vor der Finsternismitte) in einer kurzen Lücke noch einen ordentlichen Punkt setzen. Der ergab im Vergleich zum Anlauf folgendes Ergebnis:

Der mir zugängliche Finsternishub betrug linear etwa -28% (extrapoliert vlt. -30%), logarithmisch entsprechend +0,35 (max. 0.40) mvis. Bis mir jemand was anderes zeigt, ist das jetzt einfach mal gesetzt für eine maximale Halbschattenfinsternis der nördlichen Mondkalotte (südlich wird der Effekt größer sein wegen der hellen Hochländer).

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Andreas Möller » 11. Feb 2017, 02:21

Der Mond um 01:01 UT. Details morgen
Gute Nacht!
Dateianhänge
IMG_0428.jpg

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Barbara » 11. Feb 2017, 10:26

WOW,
ein ganz tolles Bild, ich habe es live gesehen.
LG
Barbara

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Stefan Heitmann » 11. Feb 2017, 13:08

Moin zusammen,

ich konnte die Halbschatten-Finsternis tatsächlich bis ca. 02:15 beobachten, danach ist der Mond aus dem Sichtbereich meines Wohnzimmerfensters gewandert - und ich bin todmüde ins Bett.
Auch wenn der Mond visuell klar zu sehen war, muss doch recht viel Dunst in der Atmosphäre gewesen sein, so richtig scharf sind die Bilder nicht geworden, das hab ich schon besser hingekriegt (vielleicht ist mein altes Suppenhuhn auch nicht für Astro-Aufnahmen geeignet...)

Zu Beginn um 23:30 Uhr
23-30.jpg
und zur größten Bedeckung gegen 01:45 Uhr
01-45.jpg
Alle Bilder Crop aus 300 mm an APS-C, 1/250, f16

Gruß, Stefan

Karl Kaiser
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Karl Kaiser » 11. Feb 2017, 17:46

Hallo allerseits,

zuerst danke euch beiden, Andreas und Stefan, für das Einstellen der Mofibilder!
Andreas, ganz so viel Glück wie du habe ich mit dem Wetter nicht gehabt. Am frühen Abend war der Himmel noch wolkenlos, das Seeing gar nicht schlecht. Vorm Beginn der Finsternis sind dann leider dünner Ac und Cs aufgezogen, die Durchsicht war visuell ausreichend, aber beim Fotografieren störten die Wolken dennoch.

Anbei zeige ich euch eine Bildzusammenstellung vom fast Vollmond um 20:09 MEZ und der Finsternis bis 02:30 MEZ.

Bild

Während der Finsternis zeigten sich teilweise Semgente des 22°-Rings im Cs.

Ich wünsche euch allen einen schönen Abend und ein erholsames Wochenende.

Beste Grüße aus Schlägl von

Karl

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Christina Meier » 11. Feb 2017, 18:06

Ich hab noch ein Foto mitten aus Berlin, wo es auch gegen Mitternacht zuzog und der Mond nur durch schnell vorbeiziehende Wolken sichtbar war. Vorher war die Sicht aber ganz gut (Foto von 0.46 Uhr).

Bild

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Christoph Gerber
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Christoph Gerber » 11. Feb 2017, 21:24

Hier kurz meine visuelle Beobachtung:
Mit BA war die Verfinsterung weniger auffällig als ich erwartet hatte. Zur Mitte der Finsternis war der Mondrand nicht dunkler als der OcProcellarum. Da ich bei den Perihelvollmonden im November und Dezember 2016 mal endlich den Mond gezeichnet hatte, wie er visuell erscheint, fiel es mir diesmal viel leichter, die Verfinsterung zu erkennen als früher. Denn aus der Zeichenerfahrung wusste ich, dass der Mondrand – unabhängig von den Maria, insbesondere im Bereich östlich des OcProcellarum – einen hellen Ring bildet (vermutlich als Kontrasterscheinung zum viel dunkleren Himmel). Und genau dieser Ring war im Norden jetzt unterbrochen und erschien auf die Helligkeit der Maria abgeschwächt. (Aufgrund der Wolken hatte ich meine Aufmerksamkeit jedoch auf die wolkenfreien Momente für Fotos konzentriert und weniger auf das Aussehen des Mondes geachtet). Diese Randabschwächung aber bedeutet, dass der Mond hier tatsächlich deutlich dunkler sein musste als die Maria – wie es die Fotos ja auch bestätigen. Es ist also auch ein Phänomen des Auges, dass der Halbschatten am Mondrand heller erscheint als er tatsächlich ist (noch so ein Augenphänomen, von dem ich noch nie gelesen habe).

Christoph

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StefanK
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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von StefanK » 11. Feb 2017, 22:43

Hallo zusammen,

eine noch wachsende Sammlung von Links zu Berichten, Fotos und Videos der MoFi findet Ihr unter http://mondfinsternis.info/mofi2017h/index.htm#de (für andere Länder runterscrollen).

Viele Grüße aus Oberursel,

Stefan

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Re: Halbschatten-Mondfinsternis 10./11.02.2017

Beitrag von Elmar Schmidt » 12. Feb 2017, 00:49

Hallo Christoph,

der Mond verhält sich photometrisch nicht wie eine Kugel aus Lambertschen diffusen Reflektoren (mit Cosinusgesetz), dann müßte er nämlich als Vollmond eine recht starke Randverdunklung aufweisen. Er wird besser beschrieben durch andere Modellierungen, die einfachste geht auf Lommel-Seeliger zurück und bedingt den starken Oppositionseffekt bei konstanter Helligkeit (genauer: Leuchtdichte) über der ganzen Scheibe, natürlich abgesehen von der variablen Albedo gemäß Topographie.

Der visuell hellere Rand des Vollmonds ist wohl, wie Du schreibst, teilweise ein Kontrastphänomen, m.E. aber auch dem Umstand geschuldet, daß sich meistens Hochländer an den Rändern der Vorderseite befinden.

Für nicht volle Mondphasen wird der kreisförmige Mondrand hingegen tatsächlich in allen bidirektionalen Reflexionsmodellen (relativ) sehr viel heller als die "schattentragenden" Bereiche zum Terminator hin, was ja auch logisch ist.

Gruß, Elmar

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